Grosse Vorfreude beim «Bond-Girl»

Die Grabser Sängerin Julia Hagne wird – als einzige Solistin aus der Region – bei der Show «Best of Bond» in der Lokremise Buchs zu sehen und zu hören sein.

Hanspeter Thurnherr
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Julia Hagnes zweites Standbein ist ihr Job als Projektkoordinatorin. (Bild: Mareycke Frehner)

Julia Hagnes zweites Standbein ist ihr Job als Projektkoordinatorin. (Bild: Mareycke Frehner)

Für regelmässige Zuschauer und Zuhörer der Aufführungen in der Lokremise in Buchs dürfte Julia Hagne keine Unbekannte sein, trat sie doch bereits in mehreren Produktionen auf. Im Musical Soulman spielte sie Barbara Streisand und Dusty Springfield. Zuvor feierte sie ihre Schweizer Premiere im Elvis-Musical Heartbreak Hotel und war bei Elvis and the Blues Brothers dabei. Auch in den Musicals Novecento auf Schloss Werdenberg und Titanic auf dem Walensee wirkte sie mit. Die im schwedischen Göteborg geborene Sängerin wuchs grösstenteils in Ruggell, Luzern, Buchs und Grabs in einer musikalischen Familie auf. Vater Göran, von Beruf Zahnarzt, spielt wie auch Bruder Christian Klavier. Mutter Maria Gitarre, der jüngere Bruder Philip ist die Jukebox der Familie und ist ein grosser Musikkenner. «An Familien- und anderen Festen spielen sie öfters auf. Vater spielt auch in der Band Die Zahnärzte und macht hier mit dem Instrument – Akkordeon – und nicht mit dem Bohrer ohrenbetäubende Musik», erzählt Julia Hagne lachend. Ihre Grossmutter spielte im ersten schwedischen Damenorchester Babystars. Sie galt damals als die beste Akkordeonspielerin in ganz Schweden.

«Singen ist Balsam für die Seele»

Julia Hagne lernte in der Primarschule Klavier und Klarinette, merkte aber bald, dass sie häufiger sang, als Klarinette zu spielen, weil singen ihr mehr Spass machte. Unterstützt von den Eltern nahm sie deshalb Gesangsstunden. «Dabei lebte ich auf. Ich konnte stundenlang zu CDs mit einem kleinen Verstärker und Mikrofon singen», erinnert sich die heute 38-Jährige und ergänzt: «Beim Singen geht es mir wie manchen im Sport: Es setzt Endorphine frei und ist Balsam für die Seele.» Nach der Primar- und Sekundarschulzeit besuchte sie deshalb ein Musikgymnasium in Schweden und absolvierte in den Ferien Gesang- und Musical-Kurse im Ausland – unter anderem im Berklee-College of Music in Boston (USA).

Schliesslich setzte sie ihre Aus­bildung an einer Musical-Schule in London und später in Schweden fort. In diese Zeit fallen die ersten Musi­cal-Engagements. Ihren Einstand feierte sie an der Värmlands-opera in Schweden als «Paquette» in Leonard Bernsteins «Candide». Es folgten die ersten Auftritte an den Musicals in der Lokremise in Buchs. Besondere Erlebnisse waren auch die Aufnahmen ihres Albums «Little Miracles» sowie die Konzerte als Backgroundsängerin beim leider kürzlich verstorbenen Greg Lake, dem ehemaligen Mitglied der in den 70er-Jahren sehr erfolg­reichen Band Emerson, Lake and ­Palmer.

Julia Hagne lernte in ihrer Jugend auch Klavier und Klarinette. Sie kann sich dadurch beim Einstudieren der Bond-Songs selber begleiten. (Bild: Mareycke Frehner)

Julia Hagne lernte in ihrer Jugend auch Klavier und Klarinette. Sie kann sich dadurch beim Einstudieren der Bond-Songs selber begleiten. (Bild: Mareycke Frehner)

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz erhielt sie ein Engagement bei Novecento. Bei einem Auftritt an der Hochzeit des damaligen Liechtensteiner Regierungschefs Klaus Tschütscher lernte sie ihren heutigen Chef kennen, der sie gleich für einen Anlass engagierte und ihr einen Job am Europainstitut in Zürich als Projektkoordinatorin für eine kulturelle Reihe anbot. Seither organisiert Julia Hagne Kulturanlässe, unter anderem Lesungen mit Autoren wie Donna Leon, Robert Menasse, Martin Walker oder mit den schwedischen Krimiautoren Arne Dahl und Lisa Marklund. So steht ihr berufliches Leben heute auf zwei Säulen: Singen und die Mitarbeit am Europainstitut.

«Gute Musiker in der Region»

Ein Highlight im Jahreskalender ist für Julia Hagne ihr eigenes Weihnachtskonzert im Kunsthaus zur Waage in Zürich. Mit dabei ist jeweils Flötist und Arrangeur Günther Wehinger. So schliesst sich der Kreis zum Projekt «James Bond», wo Wehinger und dessen Schwester Renate im Orchester mitspielen. Renate leitet zudem die Bond-Produktion. «Für mich als Sängerin ist es eine Ehre, von solchen Musikern begleitet zu werden. Da bekomme ich jeweils Hühnerhaut. In der Öffentlichkeit geht fast unter, was für gute Musiker wir hier in der Region haben», erzählt Julia Hagne. Die Sängerin geniesst jeweils die familiäre, herzliche Stimmung bei den Produktionen.

Gesangslehrerin an Musikschule

Für sie ist die kommende Konzertshow ohnehin ein Wiedersehen mit weiteren Freunden und Freundinnen, die schon in früheren Projekten dabei waren. Zum Beispiel mit Jennifer Sarah Boone, Brandy Butler und David Boyd. Aber besonders freut es sie, sich als «Bond-Girl» mit drei Songs präsentieren zu können. Zu hören sind von ihr «For your Eyes only» (Sheena Easton), «Diamonds are forever» (Shirley Bassey) und «We have all the Time in the World» (Louis Armstrong). Für sie ist der «Heimauftritt» in Buchs wie «die Rosinen auf dem Kuchen», um es in ihren eigenen Worten auszudrücken. Auch die guten Beziehungen zur Musikschule Werdenberg unter der Leitung von Dennis Mungo sind kein Zufall. Deren ehemaliger Leiter Florian Heeb bot ihr in den früheren Musicals eine Plattform, und in den letzten Jahren unterrichtete Julia ­Hagne an der Musikschule als Gesangslehrerin. Da sie und ihr Partner im Winter ihr erstes Kind erwarten, macht sie mit dem Unterrichten vorläufig Pause.

Welche Musik hört sie selber am liebsten? «Ich liebe die Musik der 80er-Jahre und gute alte Rockmusik, also aus jener Zeit, in der ich aufgewachsen bin. Aber ich bin ohnehin ein Music-Lover», erklärt sie. Da haben zwischendurch auch Klassik, Opern und Operette ihren Platz. Weniger gefällt ihr hingegen Heavy Metal: «Das ist mir zu hart, zu aggressiv.»