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Grabser Landwirt Mathias Eggenberger: «Viehzucht ist auch eine Frage der Ehre»

Mathias Eggenberger züchtet seit vielen Jahren erfolgreich Schweizer Braunvieh. Der Speaker der letzten Viehschau der Saison in der Region Werdenberg-Obertoggenburg freut sich über das erstarkte Interesse an traditionellen Veranstaltungen.
Jessica Nigg
Seit frühester Kindheit dreht sich bei Mathias Eggenberger (fast) alles um die Zucht und die Haltung von Schweizer Braunvieh. (Bild: Jessica Nigg)

Seit frühester Kindheit dreht sich bei Mathias Eggenberger (fast) alles um die Zucht und die Haltung von Schweizer Braunvieh. (Bild: Jessica Nigg)

Mathias Eggenberger war am Freitag (18. Oktober 2019) die Stimme der Viehschau in Grabs. Mit grossem Sachverstand führte er als Speaker Profis und Laien durchs Programm. Sein Wissen über Viehzucht kommt nicht von ungefähr. Der Vizepräsident des St. Galler Braunviehzuchtverbands züchtet schon seit frühester Jugend. «Bei uns in der Familie war die Viehzucht Tradition, schon vom Grossvater her», erklärt er. Nachdem der 59-jährige Landwirt schon seine Lehre gezielt in Zuchtbetrieben absolviert hatte, führt er seit 1993 einen eigenen Betrieb, den Erlenhof im Grabser Riet.

«Champion» im Jubiläumsjahr gestellt

Einer seiner schönsten Erfolge sei ganz zu Anfang seiner züchterischen Laufbahn gewesen, als eines seiner Tiere zur «Vize Miss Olma» gekürt wurde. Noch schöner sei eigentlich nur noch das Jahr 2011 gewesen, als seine Kuh Pauline anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Braunviehzuchtverbands in Wattwil «Champion» wurde, also erstrangiert über alle Kategorien war.

Neben den Schauen gebe es aber auch andere Erfolge. So hätten derzeit drei von seinen Kühen die Marke von 100 000 Kilo Milch Lebensleistung erreicht. Zudem sei schon einer seiner Stiere bei der KB (künstliche Besamung) zum Zweiteinsatz gekommen, weil er sehr gut gebucht war. Es sei schwierig zu erklären, was Zuchterfolg bedeute, sinniert Eggenberger. Während die einen auf Erfolge an Schauen bauen, zählen andere auf die Wirtschaftlichkeit ihrer Tiere.

Er weiss, wovon er spricht. Mathias Eggenberger ist mit Schweizer Braunvieh aufgewachsen. (Bild: Jessica Nigg)

Er weiss, wovon er spricht. Mathias Eggenberger ist mit Schweizer Braunvieh aufgewachsen. (Bild: Jessica Nigg)

Für ihn sei die Langlebigkeit der Kühe ein zentraler Punkt der Zucht, erklärt der Experte. Und in diese Richtung gehe auch der Trend in der Braunviehzucht, wobei die Zuchtziele Schwankungen unterlegen seien. Derzeit finde eine Art Rückbesinnung auf frühere Ideale statt. Die Kühe seien heute eigentlich wieder so gewünscht, wie in den 1930er- und 1940er- Jahren. Nachdem für eine gewisse Zeit die Zweinutzungskuh – also für Milch und Fleisch – gezüchtet wurde, steht jetzt wieder die Milchleistung im Vordergrund.

Allerdings gehe es heutzutage nicht mehr um eine maximale Milchleistung, sondern um eine optimale, bei der die Kuh über viele Jahre eine mehr oder weniger konstante Menge an qualitativ hochwertiger Milch produziere, so Eggenberger. «Wer Milch-Hochleistungskühe braucht, setzt weiterhin auf Holsteiner statt auf Braunvieh.» Dies sei vor allem in den grossen Betriebe im Flachland der Fall. Im Berggebiet dominiere weiterhin das Braunvieh.

Kompakte Euter und ein gutes Fundament sind gefragt

Mathias Eggenberger weiss als Züchter und Experte ganz genau, welche Merkmale an Schauen Punkte bringen. Viel Wissen über züchterische Aspekte steckt im Zuchtbuch, in dem sämtliche Kühe linear beschrieben werden. Für eine erfolgreiche Zucht braucht es allerdings jede Menge zusätzliches Hintergrundwissen, Erfahrung, «Gspüri» – und eine Prise Glück schadet auch nicht.

Die Grabser Viehschau ist auch für den 59-Jährigen einer der schönsten Tages des Jahres. (Bild: Jessica Nigg)

Die Grabser Viehschau ist auch für den 59-Jährigen einer der schönsten Tages des Jahres. (Bild: Jessica Nigg)

Ein bisschen fachsimpeln können aber auch Laien: Wichtig zu wissen ist, dass bei der Bewertung einer guten Kuh weder ein hübsches Gesicht eine grosse Rolle spielt, noch die Farbe: «Es sind im Prinzip vier wichtige Merkmale», erklärt der Experte: «Erstens der Rahmen: Wie ist die Kuh gebaut? Hat sie eine breite, tiefe Brust? Ausserdem ist ein gerader Rücken wichtig.» Auch die Lage des Beckens sei für die Bewertung entscheidend, weil sie über die Fruchtbarkeit Auskunft gebe. Ein weiterer Punkt sei das Fundament, also Beine und Klauen: «Man will heute ein feines Fundament mit grossen, starken Klauen.» Und schliesslich spielt der Sitz des Euters eine wichtige Rolle: «Das Euter soll gut aufgehängt sein.» Auch seien nicht mehr riesige Euter gewünscht, sondern kompakte.

«Die Kühe mit diesen Riesenballons sind nicht mehr gefragt.»

«Als erfahrener Züchter kennt man die Linien, welche kleinere Euter vererben, die aber trotzdem viel Milch geben», so Eggenberger. Neuerdings sei auch Zitzenstellung wichtig. «Der Melkroboter kann das Melkgeschirr nicht anhängen, wenn hinten die Zitzen zu eng stehen. Die Zitzen sollen mittelgross und gut verteilt sein sowie gerade abstehen.»

Alle gewünschten Merkmale in ein Tier zu züchten ist schwierig, weiss der Fachmann. Man konzentriere sich deshalb im Normalfall auf höchstens drei Faktoren. Goldene Regel der Viehzucht: «Eins und Eins ist nicht immer Zwei.» Das bedeutet, dass aus einem ausgezeichneten Stier und einer hervorragenden Kuh nicht in jedem Fall ein perfektes Kalb hervorgeht und die Zucht zu einem guten Teil unberechenbar bleibt.

Gezüchtet wird übrigens nicht nur mit den besten Tieren: «Manchmal überspringen positive Eigenschaften nämlich eine Generation», weiss der Experte.

Die Viehzucht ist auch eine Frage von Stolz und Ehre

Mathias Eggenberger führte als Speaker durch das Programm der letzten Viehschau der Saison. (Bild: Jessica Nigg)

Mathias Eggenberger führte als Speaker durch das Programm der letzten Viehschau der Saison. (Bild: Jessica Nigg)

Die Viehzüchter investieren viel Zeit, Geld, Wissen, Geduld, Ausdauer und Liebe in ihr Geschäft mit der tierischen Genetik. Sie kennen nicht selten noch die Ur-Ur-Grossmütter ihrer Kühe im Stall. Einfach eine Topkuh kaufen und damit an die Dorfviehschau zu gehen ist daher ein Tabu: «Viehzucht ist auch eine Frage der Ehre», erklärt Mathias Eggenberger. Akzeptiert wird ein solches Vorgehen dagegen bei Jungbauern, die sich einen Stamm an Kühen kaufen, um mit diesen Tieren die eigene Zucht zu begründen. Er selbst habe, seit er 1993 seinen Betrieb aufgenommen habe, nie mehr eine Kuh dazu gekauft, so der 59-Jährige. «Ich gehe mit einem ganz anderen Gefühl mit einer Kuh an eine Schau, wenn ich weiss, deren Mutter, Grossmutter und Urgrossmutter waren schon bei mir im Stall, als wenn ich mit einer an einer Auktion teuer ersteigerten Kuh auflaufe.»

Man müsse sich – gerade auch als junger Züchter – bewusst sein, dass es auch mal einen Jahrgang gebe, der nichts sei beziehungsweise mit dem man keine Preise hole an der Viehschau. In diesem Fall rät er, durchzuhalten: «Man muss dranbleiben. Wenn es dann nach ein paar Jahren wieder läuft, ist der Stolz umso grösser.»

Tradition ist in der Bevölkerung wieder in Mode

Im Element: Mathias Eggenberger weiss, worauf es bei einer guten Kuh ankommt. (Bild: Jessica Nigg)

Im Element: Mathias Eggenberger weiss, worauf es bei einer guten Kuh ankommt. (Bild: Jessica Nigg)

Nicht nur der Volkssport Schwingen erfreut sich wieder grösserer Popularität, Tradition scheint ganz allgemein wieder in zu sein. Wer in den vergangenen Wochen die diversen Alpabfahrten und Viehschauen in den Regionen besucht hat, dürfte diesen Trend bemerkt haben. Auch Mathias Eggenberger hat festgestellt, dass das Interesse an Traditionellem, insbesondere auch an Viehschauen, steigt. «Diese Entwicklung merkt man seit einigen Jahren auch in Grabs. Ich kann mich erinnern, das früher Viehschauen eine reine Bauernangelegenheit waren. Vielleicht kamen neben den Landwirten aus dem eigenen Dorf auch noch einige aus den Nachbargemeinden zum Zuschauen, dazu die Richter, welche die Tiere bewerteten – und das war es dann auch schon.» Heute sei das anders:

«Unser Gemeindepräsident sagt, die Viehschau sei das grösste Fest in der Gemeinde. Und das ist auch so: Das ganze Dorf kommt. Vor allem Familien mit Kindern.»

Besonderer Anziehungspunkt seien dabei die geschmückten Kühe und die grossen Schellen. Mathias Eggenberger freut sich nicht nur über den grossen Publikumsaufmarsch und die gute Stimmung an der Viehschau in Grabs. Am meisten freut er sich über den Nachwuchs: «Was mir unheimlich gut gefällt, ist, dass wir wieder soviele Landwirte haben, die begeistert mitmachen, selbst solche, deren Väter nicht mehr oder noch nie mitgemacht haben.» Heute sei es wieder so, dass, wenn einer Vieh habe, er auch an die Schau gehe.

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