Grabser Gemeinderat zur abgelehnten Hallenbad-Übernahme: «Missverhältnis»
im Vergleich von Kosten und Nutzen

Eine Zustandsanalyse, eine Empfehlung des Bundesamtes für Sport, eine Stellungnahme des Schulrates und ein Kosten-Nutzenvergleich: All das hat dazu beigetragen, dass der Grabser Gemeinderat sich gegen eine der Gemeinde angebotene Übernahme des Lukashaus-Hallenbades ausgesprochen hat.

Thomas Schwizer
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Auch mit der hohen «Lukashaus-Solidarität» der Grabser Bevölkerung lasse sich das Missverhältnis im Kosten-Nutzenvergleich nicht rechtfertigen, entschied der Gemeinderat.

Auch mit der hohen «Lukashaus-Solidarität» der Grabser Bevölkerung lasse sich das Missverhältnis im Kosten-Nutzenvergleich nicht rechtfertigen, entschied der Gemeinderat.

Bild: Thomas Schwizer (April 2014)

An der Präsentation der Pläne für einen Ersatzbau des Lukashaus war Lukashaus-Geschäftsleiter Hubert Hürlimann am Mittwoch erstaunt, dass der Gemeinderat Grabs die von der Lukashaus-Stiftung angebotene Übernahme des Hallenbades abgelehnt hat. In den Ratsmitteilungen begründete der Gemeinderat nun am Freitag, wie er zu diesem ablehnenden Entscheid kam.

Die Lukashaus Stiftung habe durch die Amstein + Waltert AG, Zürich, eine Zustandsanalyse des Hallenbades erstellt, führt der Rat aus. Darin wird für die Wiederinbetriebnahme des Hallenbades mit Investitionen von 468'000 Franken gerechnet. Die durchschnittlichen jährlichen Unterhaltskosten betrugen in den vergangenen Betriebsjahren rund 130'000 Franken, teilt der Rat weiter mit.

Bundesamt: «Eigene Schulhallenbäder sind unwirtschaftlich»

Auf Wunsch des Gemeinderates habe der Schulrat die Sicht der Schule aufgezeigt. Dabei wurde der Bericht über die Zustandsanalyse und eine Empfehlung des Bundesamtes für Sport einbezogen. Letzteres empfiehlt, den Schulschwimmunterricht in öffentlichen Hallenbädern zu integrieren. Getrennte Schulhallenbäder seien unwirtschaftlich.

Auf Grund des vielfältigen Wasserflächenangebotes in öffentlichen Hallenbädern sei ein abwechslungsreicher Unterricht möglich, mit einem Wechsel zwischen den verschiedenen Becken, so das Bundesamt. 

Bis 2015 nutzte die Schule Grabs das Hallenbad im Lukashaus fürs Schulschwimmen.

Bis 2015 nutzte die Schule Grabs das Hallenbad im Lukashaus fürs Schulschwimmen. 

Thomas Schwizer

Der Schulrat kam gemäss den Gemeinderatsmitteilungen zum Schluss, dass der Schwimmunterricht wegen der Badgrösse von 15 auf 7 Meter und einer Tiefe von 60 cm bis 2 m im Lukashaus höchstens in Kleinklassen möglich wäre. Bei den Transportkosten gäbe es nur kleine Einsparungen, weil die anderen Klassen trotzdem in die Hallenbäder nach Buchs oder Eschen fahren müssten. Deshalb sah der Schulrat keine Wiederöffnung des Hallenbades im Lukashaus vor.

Gemeinderat verzichtet auf Wiederinbetriebnahme

«Unter Abwägung aller Vor- und Nachteile» kam der Gemeinderat danach zum Schluss, bei den Kosten und Nutzen bestehe ein «Missverhältnis». Dieses lasse sich «auch mit der unbestritten hohen ‹Lukashaus-Solidarität› der Grabserinnen und Grabser nicht rechtfertigen». 

Deshalb lehnte der Gemeinderat das Übernahmeangebot ab und beschloss, auf eine Wiederinbetriebnahme des Hallenbades zu verzichten. Das entsprechende Schreiben übergab Gemeindepräsident Niklaus Lippuner am Montag schriftlich an Hubert Hürlimann vom Lukashaus.

Bis 2015 für das Grabser Schulschwimmen benutzt

Im Frühling 2014 hatte die Schulgemeinde Grabs beschlossen, wegen der bescheidenen Bad-Grösse im Lukashaus-Hallenbad und den in den nächsten Jahren anstehenden Investitionen ab 2015 hier auf das Schulschwimmen zu verzichten und stattdessen die grossen Hallenbäder in Buchs und Eschen zu nutzen.

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