Grabs
Nach 25 Jahren ist Schluss: Babette Schlegel nimmt Abschied vom «Buuremarkt»

Auf dem Hof Schalmenlitten widmet sich Babette Schlegel mit viel Freude der Herstellung ihrer Produkte. Doch in einem Bereich will sie nun kürzer treten.

Adi Lippuner
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Babette Schlegel unterhält sich im Juni 2020, nach dem Corona-Lockdown, mit zwei Kundinnen am Buuramarkt.

Babette Schlegel unterhält sich im Juni 2020, nach dem Corona-Lockdown, mit zwei Kundinnen am Buuramarkt.

Bild: Adi Lippuner

Während eines Vierteljahrhunderts war Babette Schlegel vom Grabserberg jeweils mit ihren selbst hergestellten Produkten am «Buuremarkt» in Grabs präsent. Nun will sie, wenigstens in diesem Bereich, etwas kürzertreten. Ab der neuen Saison verzichtet sie auf eine Teilnahme, sind doch die Arbeit auf dem Hof, die Ernte der Kräuter und die Produktion zeitaufwendig.

Fans ihrer Teemischungen, Sirup und Konfitüre müssen aber nicht verzichten: An verschiedenen Verkaufsstellen, so in der Grabser Milchzentrale, im Lädeli am Grabserberg aber auch in der Landi Wartau können ihre Kreationen weiterhin gekauft werden. Und ein kleiner Trost für die Fans ihres Föhlabrots: «Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, ich suche nach einer Lösung, damit dieses Produkt auch in Zukunft am Markt gekauft werden kann», so ihre Aussage.

Start mit einer Teemischung

Als Bäuerin wollte Babette Schlegel vor mehr als 25 Jahren einen eigenen kleinen Zusatzverdienst realisieren und begann, aus ihren im Garten reichlich wachsenden Kräutern Teemischungen zu machen. Dank anfänglicher Unter-stützung des Dorfdrogisten gab es verschiedene Mischungen mit fantasievollen Namen, vom «Ofebänkli Tee» über «Schlaf-wohl» bis «Purlimunter», um nur einige zu nennen.

Liebevoll verpackte und etikettierte Teekräuter.

Liebevoll verpackte und etikettierte Teekräuter.

Bild: PD

«Es sind Genuss- und keine Heiltees,» betont die Bäuerin. Später folgte die Herstellung von Konfitüren und Sirup. Um auf dem «Buuramarkt» ein breiteres Sortiment anbieten zu können, wurde Birnenbrot, Ma-genbrot, Zöpfe, verschiedene Brotsorten und insbesondere die regionale Spezialität Föhlen-brot gebacken.

Ohne Familie ist Produktion nicht zu schaffen

Auch ein Teil der Sirup-Kreationen trägt fantasievolle Namen wie «Wildheuer» oder «Waldgeist», Letzterer ist eine Kombination von Holunder-blüten und Tannenschössli. Babette Schlagel hält freudig fest:

«Dank eines tollen Nachbars vom Grabserberg haben wir für die Teebeutel und Sirup-Flaschen eigene gezeichnete Etiketten und diese finden bei der Kundschaft guten Anklang.»

Was ganz bescheiden mit wenigen Flaschen Sirup, einigen Beutel Teemischungen und ein paar Gläser Konfitüre pro Woche begann, ist heute zu einer echten Herausforderung geworden. «Ich habe fixe Verkaufspunkte in Grabs, Wartau und Liechtenstein», freut sich die innovative Bäuerin.

Sirup-Kreationen mit den besonderen Etiketten.

Sirup-Kreationen mit den besonderen Etiketten.

Bild: PD

Dies bedeute aber auch, dass sie regelmässig produzieren und Nachschub liefern müsse. «Die ganze Arbeit auf dem Hof und der Produktion wäre ohne Mithilfe der Familie nicht zu schaffen», betont Babette Schlegel.

Gastgeber für Touristen und Monteure

Die Nachfrage für die drei Doppelzimmer, welche als B&B vermietet werden, habe sich im Laufe der vergangenen Jahre verändert. «Zu Beginn hatten wir viele Familien, insbesondere aus Deutschland, die hier im Berggebiet ein paar Tage verbringen wollten, und dies sowohl in den Zimmern als auch beim ‹Schlafen im Stroh›.»

Vor allem für Stadtbewohner sei das temporäre Leben auf dem Bauernhof immer ein besonderes Erlebnis. «Durch Corona hat sich die Nachfrage verlagert», ist zu erfahren. Schon vor drei Jahren habe ein Unternehmen für seine Liftmonteure die preisgünstige Unterkunft entdeckt. Babette Schlegel erzählt:

«Seither übernachten ab und zu Monteure bei uns, wenn sie einen Einsatz in der Region Rheintal oder Sarganserland haben.»

Für die Wochenenden bleibe das Angebot für spontan buchende Gäste erhalten. «Familien aus der Schweiz, aber auch Besuch von Verwandten der Spitalangestellten geniessen die Unterkunft.»

Nach Heirat näher zur Zivilisation gerückt

Aufgewachsen ist Babette Beusch, wie sie damals noch hiess, am Sevelberg. Der elterliche Hof war weiter weg vom Dorf und so schien es der jungen Bäuerin nach der Heirat mit Andreas Schlegel, dass sie näher zur Zivilisation rücken konnte. Die drei Töchter sind inzwischen verheiratet und haben das Ehepaar Schlegel bereits zu siebenfachen Grosseltern gemacht.

Als ihre Hauptaufgabe, «und die mache ich sehr gerne», bezeichnet Babette Schlegel die Arbeit auf dem Hof, im Stall und im Sommer beim Heuen. Mit dem Milchwirtschaftsbetrieb und Jungviehaufzucht für Talbauern ist das Ehepaar gefordert, sind doch die Tiere nicht nur im Stall auf dem Heimbetrieb, sondern auch im Maiensäss zu betreuen.