Glockenschlag wird in der Region vermisst

Die einen stört das Kirchengeläut, die anderen vermissen es. Meistens gibt es jedoch in den Werdenberger und Obertoggenburger Gemeinden keinen Anlass zur Diskussion

Alexandra Gächter
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Als die Glocken der Katholischen Kirche Wildhaus wegen einer Revision kurzzeitig verstummten, gab es Reklamationen aus der Bevölkerung, die den Glockenschlag und das Geläut vermissten.

Als die Glocken der Katholischen Kirche Wildhaus wegen einer Revision kurzzeitig verstummten, gab es Reklamationen aus der Bevölkerung, die den Glockenschlag und das Geläut vermissten.

Bild: Hansruedi Rohrer

Seit dem 13. Januar läutet die Evangelische Kirche Grabs-Gams gut 30 Minuten pro Woche weniger als früher. Anstatt fünf Minuten wird zum Gebet und vor Beerdigungen noch drei Minuten geläutet. Zudem wird an den Wochenenden um 6 Uhr seit längerem nicht mehr geläutet (der Werdenberger & Obertoggenburger berichtete am 10. Januar 2020). Damit hat die Evangelische Kirchgemeinde Grabs-Gams verglichen mit der Region Werdenberg und Obertoggenburg die grösste Veränderung in der Läuteordnung vorgenommen.

Kürzungen in Buchs und Wildhaus

Ebenfalls das Geläut reduziert haben die Katholische Kirche Wildhaus und die Katholische Kirche Buchs. In Wildhaus wurde das Wochenendgeläut am Samstagnachmittag um 16 Uhr auf Wunsch der Bevölkerung um fünf Minuten verkürzt. In Buchs wurden die Läutzeiten um ungefähr die Hälfte reduziert. «Dies hat aber kaum jemand bemerkt», sagt der Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Buchs-Grabs, Erich Steiger.

An der Kirchbürgerversammlung der Evangelischen Kirche Buchs vom 1. April 2012 wurde eine breite Diskussion über den Stundenschlag in der Nacht (ab 22 Uhr) und das Morgenläuten (6.05 Uhr) geführt. Auslöser war eine Mehrung von Anfragen und Beschwerden aus der Bevölkerung. Die Kirchbürger haben damals nach eingehender Diskussion mehrheitlich entschieden, dass die Evangelische Kirchgemeinde Buchs an der bestehenden Läuteordnung festhält. «Seit 2012 gibt es vereinzelte Meldungen von Personen, die sich an der Lautstärke oder an bestimmten Läutzeiten stören. Die Kirchenvorsteherschaft nimmt diese Anfragen ernst und würde bei einer Häufung das Thema wieder breiter diskutieren», so Pfarrer Patrick Siegfried.

Reklamation, obwohl es gar keinen Stundenschlag gibt

Reklamationen der besonderen Art gingen bei der Katholischen Kirche Buchs und Wildhaus ein. In Buchs wurde gemäss Präsident Erich Steiger der Stundenschlag als störend empfunden. «Wenn wir dann darauf hinweisen, dass wir gar keine Turmuhr haben und damit auch keinen Stundenschlag, ist es eher peinlich für die Reklamierenden», so Steiger.

In Wildhaus hingegen gab es Anregungen aus der Bevölkerung, weil das Geläut wegen einer Revision für einige Tage abgeschaltet werden musste. «Die Bevölkerung vermisste den Glockenschlag und das Geläut. Das zeigt, dass die Glocken auch einen Nutzen haben und die Bevölkerung daran festhalten will», so Präsident Walter Hofstetter. «Es ist leichter den Lärm als den Nutzen für die Bevölkerung zu messen. Glocken geben in der Nacht Orientierung und Halt. Sie machen das Fortschreiten der Zeit bewusst und sie bedeuten Heimat und Verbundenheit mit dem Ort. Eine Beanstandung des Nutzens von Geläut und Glockenschlag war in den vergangenen Jahren in unserer Gemeinde kein Thema», so Hofstetter weiter.

Reduktion bei Evangelischen kein Thema

Wie die Läuteordnung in der Katholischen Kirche Gams ist und ob sie Anlass zu Diskussionen gab, wollte Präsident Walter Kühnis auf ausdrücklichen Wunsch den Lesern vorenthalten.

Bei den Evangelischen Kirchgemeinden Sevelen, Azmoos und Wildhaus sowie in den Katholischen Kirchgemeinden Sennwald, Sevelen und Azmoos gingen keine Reklamationen bezüglich des Kirchengeläutes ein. Eine Reduktion des Geläutes war demzufolge auch kein Thema