Gesundheit
Der Sommer hat so seinen Tücken: Es werden mehr Zecken erwartet als noch im Frühjahr

Nach kalten Wochen sind die Temperaturen gestiegen. Mit dem Sommer kommen auch die Zecken wieder.

Gianluca Volpe
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Gefahr im Grünen: Zecken lauern auf Gräsern und in Wäldern und warten auf einen Wirt, der sie abstreift.

Gefahr im Grünen: Zecken lauern auf Gräsern und in Wäldern und warten auf einen Wirt, der sie abstreift.

Bild: Keystone

Nach kalten Monaten werden wieder mehr Zecken erwartet. Der kühle Jahresstart hielt die Menschen drinnen und hemmte die Aktivitäten der Zecken. Dies widerspiegelt sich auch in der Zahl der Zeckenstiche. Bis Ende Mai wurde vom Bundesamt für Gesundheit nur rund ein Drittel der im Vorjahr verzeichneten Stiche gemeldet. Jetzt ist der Sommer hier und mit ihm auch die Zecke.

Einmal im Wald oder hohen Gras spazieren gegangen, und schon kann es passiert sein. Ein Zeckenbiss, welcher kaum spürbar ist, doch schwerwiegende Folgen haben kann. Denn besonders jetzt, mit den warmen Temperaturen, sind die Voraussetzungen für Zecken optimal, und sie werden aktiv. Parallel dazu steige auch die Zeit, die Menschen im Garten, Wald oder Unterholz verbringen, und dementsprechend könne man eine Häufung der von Zecken übertragenen Krankheiten feststellen, sagt Dr. med. Urs Keller von Pizolcare.

Die Anzahl Stiche war bis Ende Mai rückläufig

Deshalb rät auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) dazu, sich über Zecken und die Risiken eines Bisses zu informieren und auf allfällige Stiche zu achten. Denn diese können tückisch sein und Krankheiten wie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Borreliose und Tularämie (Hasenpest) auf den Menschen übertragen.

Während man Borreliose mit Antibiotika behandeln kann, ist FSME eine unheilbare Infektionskrankheit, gegen die es jedoch eine vorbeugende Impfung gibt. «Grundsätzlich wird die Impfung der ganzen Bevölkerung empfohlen. Besonders gefährdet sind diejenigen Personen, die sich an Wegrändern mit oder im Unterholz bewegen wie Biker, Personen mit Hunden, Pilzsuchende und ältere Kinder, welche eine Waldspielgruppe besuchen», sagt Keller auf Anfrage weiter.

Zeckenapp als Hilfsmittel

Eine App für das Smartphone der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft will helfen, sich vor Zeckenstichen zu schützen oder nach einem Stich richtig zu handeln. Die Applikation, welche jedoch unter Performanceschwächen leidet, besitzt eine Warn- und Informationsfunktion. Die Warnfunktion besteht aus einer Landkarte, die anhand des eigenen Standorts eine von fünf Zeckenwarnstufen anzeigt. Gleichzeitig wird aber auch informiert, wie man sich vor Zecken schützen kann, wann man den Arzt aufsuchen sollte und wie die Blutsauger am sichersten entfernt werden. Ebenfalls kann man eigene Zeckenstiche melden, was der Erfassung von Zahlen für Statistiken und die App dient. (giv)

Laut BAG war die Zahl der Zeckenstiche Ende Mai im Vergleich zum vorgehenden Rekordjahr rückläufig. Was durch den kühlen Frühling bedingt sein könnte, da Zecken wärmeres und feuchtes Wetter lieben. Dementsprechend sind sie auch an solchen Stellen zu finden. Ihr bevorzugter Lebensraum ist an mittelgradig feuchten Stellen in Laub- und Mischwäldern oder in hohem Gras oder Büschen. Denn entgegen einem weitverbreiteten Irrtum fallen Zecken nicht von Bäumen, sondern warten auf maximal 1,5 Metern Höhe darauf, sich von einem vorbeigehenden Wirt abstreifen zu lassen.

Am meisten Zecken sind an sogenannten Naturherden zu finden. Viele solcher sogenannten Anhäufungszonen im Kanton St. Gallen befinden sich in den Werdenberger und Sarganserländer Gemeinden. Als Hochrisikogebiet gilt bekanntlich auch die Bündner Herrschaft. Urs Keller von Pizolcare rät:

«Schützen kann man sich durch entsprechende Kleidung mit langen Hosen und engen oder sogar ganz verschlossenen Enden. Dazu werden auch Zeckensprays angeboten, wobei nicht ganz klar ist, wie viel diese Sprays vorbeugend helfen.»

Und wurde man schon von einer Zecke gestochen, gilt es vor allem, diese so schnell wie möglich komplett zu entfernen.

Seite dem Jahr 1988 gibt es eine Meldepflicht

Laut BAG liegen die Zahlen der gemeldeten Zeckenstiche im Vergleich zu den letzten Jahren bislang im Rahmen der jährlich beobachteten Schwankungen. Dazu kommt, dass die Inzidenz für FSME, also die Anzahl Fälle auf 100 000 Einwohner, seit fünf Jahren kontinuierlich steigt. Im vergangenen Jahr erkrankten im Schnitt 5,16 auf 100 000 Personen an FSME, welches der höchste Wert seit Beginn der Meldepflicht im Jahre 1988 ist.