Gemeindefinanzen 2018: Auch in der W&O-Region im Durchschnitt mehr Vermögen als Schulden – Seveler sind am «reichsten»

Im Vergleich mit allen St.Galler Gemeinden haben diejenigen im W&O-Gebiet durchschnittlich mehr Pro-Kopf-Vermögen. Der regionale Spitzenreiter ist per Ende 2018 Sevelen. Zwei Gemeinden haben mehr Schulden als Vermögen

Merken
Drucken
Teilen
Die Gemeinden im Werdenberg und obersten Toggenburg hatten im Jahr 2018 durchschnittlich pro Einwohner 415 Franken Vermögen. Bei den einzelnen Gemeinden gibt es aber deutliche Unterschiede. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Die Gemeinden im Werdenberg und obersten Toggenburg hatten im Jahr 2018 durchschnittlich pro Einwohner 415 Franken Vermögen. Bei den einzelnen Gemeinden gibt es aber deutliche Unterschiede. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

(pd/ch) Die Gemeindefinanzstatistik 2018 zeigt in 74 von 77 Gemeinden des Kantons St. Gallen positive Rechnungsabschlüsse. Über alle Gemeinden hinweg wurde im Jahr 2018 ein Gewinn von 137,3 Millionen Franken erwirtschaftet.

Inklusive zweckbestimmte Zuwendungen

Die über alle Gemeinden gesamthaft berechnete Verschuldung weist erstmals seit Beginn der statistischen Auswertung ein kleines Nettovermögen von 24.60 Franken je Einwohnerin und Einwohner aus, wie das Amt für Gemeinden mitteilt. Diese positive Bilanz eröffne den meisten Gemeinden einen grösseren Handlungsspielraum für zukünftige Investitionen.

Die Nettoschuld pro Einwohner wird als Gradmesser für die Verschuldung verwendet. Sie besteht aus dem Fremdkapital plus den zweckbestimmten Zuwendungen minus das Finanzvermögen. Im Jahr 1999 betrug die Verschuldung noch 3630 Franken pro Einwohner. Im Laufe der Jahre ging sie kontinuierlich zurück.

Das durchschnittliche Nettovermögen aller Gemeinden in der Region Werdenberg und Obertoggenburg betrug am Ende des Rechnungsjahres sogar rund 415 Franken pro Einwohner und ist damit deutlich höher als der Kantonsdurchschnitt.

Am meisten Schulden hat Wartau, am meisten Vermögen Sevelen

Die höchste Nettoschuld pro Einwohner hatte Ende 2018 in der W&O-Region die Gemeinde Wartau mit 3277 Franken. Ebenfalls Schulden hat Buchs mit 1815 Franken pro Einwohner.

Die restlichen W&O-Gemeinden weisen keine Pro-Kopf-Verschuldung, sondern ein Vermögen auf. Am meisten Sevelen mit 4604 Franken pro Einwohner. Mit den dort anstehenden grossen Investitionen, unter anderem in Schulraum und Betagtenheim, wird sich dies in den kommenden Jahren wohl ändern.

Eine Nettoschuld unter 1000 Franken pro Einwohner wird als tiefe Nettoverschuldung angesehen. Werte von 1000 bis 5000 Franken gelten als mittlere Werte. Liegt die Nettoverschuldung über 5000 Franken, so gilt die Gemeinde als hoch verschuldet.

Die Gemeinde Grabs wies 2018 ein Nettovermögen von 1618 Franken pro Einwohner auf. Da Grabs schon 2017 auf das neue Rechnungsmodell umgestellt hat, fehlen die Angaben in der Grafik.

Ab 2019 alle Gemeinden im W&O-Gebiet mit neuem Rechnungslegungs-Modell

Viele Werte der verschiedenen Jahre sind in der Gemeindefinanzstatistik aufgrund der Umstellung in der Rechnungslegung kaum miteinander vergleichbar. 2018 hatten 11 von 77 politischen Gemeinden im Kanton ihre Systeme vom bisherigen «Harmonisierten Rechnungsmodell 1» (HRM1) auf das neue «Rechnungsmodell St . Galler Gemeinden» (RMSG) umgestellt. Sennwald, Gams, Wartau, Buchs, Sevelen und Wildhaus-Alt St. Johann stellten auf das Jahr 2019 hin um.

Das neue Modell bringt verschiedene Veränderungen, insbesondere mit Neubewertungen der Bilanz sowie bei der Gewinnverwendung.

Der Umsatz aller St.Galler Gemeinden in der laufenden Rechnung sank leicht von 3,23 Milliarden Franken im Jahr 2017 auf 3,22 Milliarden Franken im Jahr 2018. Die Bilanzsumme erhöhte sich hingegen gegenüber dem Vorjahr um 365,9 Millionen Franken und beträgt neu total 4,57 Milliarden Franken.

Die grössten Ausgabenposten der Gemeinden waren der Personalaufwand mit 1,14 Milliarden Franken sowie der Sach- und Betriebsaufwand in Höhe von 487,1 Millionen Franken. Insgesamt ergibt dies zusammen einen Anteil von 50,5 Prozent am gesamten Umsatz. Finanziert wurde dieser Aufwand fast vollständig durch die Steuereinnahmen, die 1,52 Milliarden Franken erreichten.

Grösste Investitionen in Bildung, Verkehr und Umwelt

Am stärksten investiert wurde im Rechnungsjahr 2018 in den Bereichen Bildung (69,3 Millionen Franken), Verkehr (68,8 Millionen Franken) sowie Umwelt und Raumordnung (57,8 Millionen Franken). Am Total der Investitionen von 290,2 Millionen Franken beträgt der Anteil dieser drei Aufgabenbereiche rund zwei Drittel.