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Gegensätzliche Aussagen in Sexual-Prozess vor dem Kreisgericht

Vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hat sich ein Mann aus der Region zu verantworten, der seine Gattin vielfach vergewaltigt haben soll. Der Beschuldigte bestreitet alle Vorwürfe und erklärt die Frau für verrückt.
Reinhold Meier
Das Kreisgericht in Mels beschäftigt sich derzeit mit einem äusserst kontroversen Sexual-Prozess. (Bild: Archiv)

Das Kreisgericht in Mels beschäftigt sich derzeit mit einem äusserst kontroversen Sexual-Prozess. (Bild: Archiv)

Die Frau hatte sich im Jahr 2016 in einem Frauenhaus gemeldet und Anzeige gegen ihren Mann erstattet, zunächst wegen häuslicher Gewalt. Dabei erhob sie bald schwere Vorwürfe gegen ihn, namentlich wegen Tätlichkeiten, Drohungen und Vergewaltigungen.

Ihre Leidenszeit habe schon im Jahr 2011 begonnen. Seitdem habe der heute 44-jährige niedergelassene Kosovare sie meist zwei-, dreimal in der Woche sexuell genötigt, an den Haaren gezogen, geschlagen und bedroht. Unter Tränen habe sie, eine ebenfalls aus dem Kosovo stammende, aber hier aufgewachsene Frau, das jeweils über sich ergehen lassen, weil sie sich nicht gegen den körperlich Überlegenen habe wehren können.

Die Staatsanwaltschaft begann zu ermitteln, konnte den Verdacht aber zunächst nicht erhärten, auch nicht nach Einsicht in ärztliche und in Kesb-Unterlagen. Der Mann hatte die Vorwürfe ohnehin stets bestritten. Darum wurde eine Einstellung des Verfahrens zunächst in Aussicht gestellt und im Sommer 2017 tatsächlich verfügt. Die Anklagekammer hob diesen Entscheid jedoch nach einer Beschwerde auf und forderte weitere Abklärungen. In der Folge erhob die Staatsanwaltschaft schliesslich doch noch Anklage.

Kein Gewaltproblem: «Sie lebt ja noch»

An Schranken präsentierte sich die Frau als eher verschüchtert wirkende Person, mit leiser Stimme und zuweilen unklaren Ausführungen. Nach ihrer ersten Fehlgeburt habe alles angefangen, erinnerte sie sich. «Du bist keine richtige Frau und keine richtige Mutter», habe der Mann sie immer wieder angefahren. Wenn sie Widerworte gab, habe er sie ins Schlafzimmer gezerrt und sich an ihr vergangen. Es gäbe keine Zeugen und keine Arztzeugnisse, sie habe Angst gehabt und wolle jetzt nur noch Ruhe vor ihm. Auf die wiederholten Nachfragen des Gerichts, die Anwürfe konkreter zu beschreiben, erklärte sie sinngemäss, sich nicht mehr gut an einzelne Fälle zu erinnern.

Der angeklagte Mann hingegen trat stabil auf, mit fester Stimme, meist albanisch sprechend und resolut in seinen Ausführungen. Er habe oft sieben Tage die Woche gearbeitet. «Wie soll ich sie da noch vergewaltigen?», fragte er mit unverhohlenem Erstaunen. Seine Frau sei einfach gestört, das sei auch aktenkundig und sie verbreite nichts als Lügen. Warum er denn dann in eine Anti-Gewalttherapie habe gehen müssen, wollte das Gericht wissen. «Ich wurde dazu gezwungen», so die knappe Antwort. Er habe kein Gewaltproblem. «Sie lebt ja noch», schob er trocken nach, auf Deutsch.

Stecken kulturelle Rachegelüste dahinter?

Die Anklage hält die Vorwürfe für erwiesen und plädiert auf zwei Jahre Haft, bedingt auf zwei Jahre, weil der Mann sonst gänzlich unbescholten ist. Die Aussagen der Frau seien glaubwürdig und konsistent. Wenn sie sich nicht mehr an alle Details erinnere, sei das der langen Traumatisierung geschuldet. Aus kulturellen Gründen habe der Mann jahrelang demonstrieren wollen, dass er als «Familienoberhaupt» alleine darüber bestimmt, was die Geschädigte zu tun und zu lassen habe, «eine routinemässige Machtdemonstration». Der Opferanwalt fordert vor dem Kreisgericht in Mels zudem eine Genugtuung in der Höhe von 15000 Franken wegen «schwerer seelischer Unbill».

Die Verteidigung hingegen will einen umfassenden Freispruch. Die Aussagen der Frau seien widersprüchlich und wenig konkret. Vielmehr folgten sie dem Prinzip «von der Wahrheit zur Dichtung». In den ersten Spontanaussagen fehlten wichtige Details, später kämen diese zwar aufs Tapet, aber eher pauschal und in stets neuen Versionen. Sie seien unglaubwürdig.

Urteil voraussichtlich am Donnerstag

Es stehe zu vermuten, dass auch die Frau von kulturellen Normen geprägt sei und die Trennung vom Mann nicht ohne Rachegedanken über die Bühne bringen wolle, führe er weiter aus. Darauf deute der Zeitpunkt der Anzeige hin, just als sie nach einer Operation ein neues Leben habe beginnen wollen, ohne ihn. Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland wird sein Urteil voraussichtlich am Donnerstag bekannt geben.

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