Geburtshilfe vom Spital Walenstadt wird im Februar nach Grabs verlagert, um Kapazität für den Betrieb von zwei OP-Sälen sicherzustellen

Im Spital Walenstadt wird neu tagsüber wieder ein 2-Schicht-Betrieb im OP geschaffen. Das geschieht insbesondere im Hinblick auf Wintersportunfälle in den nahen Skigebieten. Um dies sicherzustellen, wird ab Februar 2020 die Geburtshilfe von Walenstadt nach Grabs verlegt.

Thomas Schwizer
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Um den OP-Betrieb im Spital Walenstadt sicherzustellen, wird die Geburtshilfe ab Februar 2020 nach Grabs verlegt.

Um den OP-Betrieb im Spital Walenstadt sicherzustellen, wird die Geburtshilfe ab Februar 2020 nach Grabs verlegt.

(Bild: Gian Ehrenzeller, Keystone)

Seit 1.September ist im Spital Walenstadt wegen Personalknappheit im OP-Bereich ein Operationssaal geschlossen. Neu wird dank struktureller Anpassungen tagsüber wieder ein 2-Schicht-Betrieb geführt. Allerdings muss die Geburtshilfe nach Grabs verlegt werden.

«Durch strukturelle Anpassungen kann die Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland das Leistungsangebot in Walenstadt und insbesondere den OP-Betrieb in der aktuellen Wintersaison und für die nächsten Jahre sicherstellen.» Das versichert die Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland in einer Medienmitteilung vom Dienstag.

Fachkräftemangel bedingt Reduktion der Vorhalteleistungen

Aufgrund des Fachkräftemangels sei dies allerdings in den Bereichen OP-Pflege und Anästhesie-Pflege nur durch die Reduktion der Vorhalteleistungen möglich.

«Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung der SR RWS mussten deshalb entscheiden, die Geburtshilfe im Spital Walenstadt per 1.Februar 2020 nach Grabs zu verlagern», wird Stefan Lichtensteiger, CEO der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland (SR RWS), in der Mitteilung zitiert.

«Es handelt sich nicht um eine Sparmassnahme»

«Das Timing legt nahe, dass es sich um eine vorgezogene Massnahme der Spitalstrategie handelt, doch dem ist nicht so», betont Stefan Lichtensteiger. «Es handelt sich nicht um eine Sparmassnahme, sondern um einen dringend notwendigen betrieblichen Schritt zur Aufrechterhaltung des Operationsbetriebs und Sicherstellung der Patientensicherheit»

Diese Ansicht teilt auch Prof. Dr. med. Thomas Heidegger, Chefarzt Departement Anästhesie. «Die personellen Engpässe im OP-Bereich führen dazu, dass die Aufrechterhaltung des OP-Betriebs über 24 Stunden und somit die Sicherheit für Mutter und Kind ab Februar 2020 nicht mehr gewährleistet wären. Dieses Risiko dürfen wir nicht eingehen», betont der Anästhesist.

«Deshalb ist die Verlagerung der Geburtshilfe nach Grabs die einzig vernünftige Lösung.»
Die Geburtshilfe wird Anfang Februar 2020 ins Spital Grabs verlegt.

Die Geburtshilfe wird Anfang Februar 2020 ins Spital Grabs verlegt.

(Bild: Mareycke Frehner)

Ausbau des OP-Betriebs stellt die Versorgung von Wintersportunfällen sicher

Mit dieser Massnahme könnten in Walenstadt tagsüber und auch am Wochenende wieder bis zu zwei OP-Säle betrieben werden, heisst es in der Mitteilung. Damit sei auch die Versorgung von Patienten nach Wintersportunfällen in der Region Sarganserland sichergestellt, wo es am Pizol und am Flumserberg grosse Wintersportanlagen gibt.

«Mit diesem Schritt bekommt das Spital Walenstadt in einer turbulenten Zeit Stabilität, bis die Spitalstrategie politisch entschieden und die anschliessende mehrjährige Umsetzung voraussichtlich 2027 abgeschlossen ist», so Stefan Lichtensteiger.

«Ziel ist es, die Grundversorgung in der Chirurgie, Orthopädie und Traumatologie sowie Gynäkologie bis dahin sicherstellen zu können.»

«Damit steht auch fest, welche Leistungen wir während dieser rund siebenjährigen Zeitdauer weiterhin in Walenstadt anbieten wollen», führt er aus. Dass diese Lösung für Stabilität sorgen könne, zeige das Spital Altstätten, wo bereits seit über 15 Jahren nur tagsüber operiert werde und die Erfahrungen damit durchwegs gut seien.

Hebammen und Ärzte erhalten Stellenangebot in Grabs

Von der Verlagerung der Geburtshilfe von Walenstadt nach Grabs sind insgesamt zehn Mitarbeitende der Pflege direkt betroffen. Manuela Ortner, Leiterin Ressort Pflege & MTT, betont:

«Allen acht Hebammen und zwei Personen aus der Pflege können wir eine Stelle in Grabs anbieten»

Die Mitarbeitenden der Anästhesiepflege und der OP-Pflege würden weiterhin dringend vor Ort gebraucht, um die beiden OP-Säle tagsüber und am Wochenende zu betreiben. Für die Ärztinnen und Ärzte der Frauenklinik in Walenstadt falle zwar die stationäre Geburtshilfe weg, die Gynäkologie bleibe aber weiterhin in vollem Umfang bestehen bzw. soll ausgebaut werden.

Frauenklinik Walenstadt bleibt bestehen

Auch nach der Verlagerung der Geburtshilfe bleibt die Frauenklinik in Walenstadt bestehen. «Es wird weiterhin ein grosses Spektrum an gynäkologischen Operationen in Walenstadt durchgeführt», schreibt die Spitalregion. Auch die ambulante Betreuung von gynäkologischen Patientinnen, Schwangeren und Gebärenden aus der Region Sarganserland sei in Walenstadt umfassend sichergestellt.

Sprechstunden und Schwangerschaftsuntersuchungen würden weiterhin im Spital Walenstadt angeboten. «Die Geburt kann im Spital Grabs erfolgen, wo ausreichend Kapazitäten für die Geburten aus dem Sarganserland vorhanden sind», wird betont.

Der Markt des OP-Personals ist ausgetrocknet

Die Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland beantwortet Fragen zu den nun kommunizierten Massnahmen mit der Verlagerung der Geburtshilfe von Walenstadt nach Grabs.

Was sind Vorhalteleistungen?

Damit wird der 24-Stunden OP-Betrieb bezeichnet, das heisst die Verfügbarkeit des OP-Personals rund um die Uhr für einen Notfalleingriff.

Warum muss ausgerechnet die Geburtshilfe geschlossen werden?

Im Gegensatz zu anderen Fächern kann die Geburtshilfe nicht nur im Tagesbetrieb organisiert werden, denn bei einer Notfallgeburt muss das Geburtshilfe- und Anästhesie-Team jederzeit innerhalb von
15 Minuten im OP einsatzbereit sein. Für die Geburtshilfe ist diese
24-Vorhalteleistung eine unabdingbare Voraussetzung, um die Sicherheit der Gebärenden und des Ungeborenen respektive Neugeborenen zu gewährleisten.

Wieviel OP-Personal muss rund um die Uhr verfügbar sein?

In der Geburtshilfe ist es ein sechsköpfiges Team, bestehend aus Hebamme, Facharzt Geburtshilfe, OP-Assistenz, Anästhesist, Anästhesiepflege, OP-Pflege.

Warum wurde kein zusätzliches Personal rekrutiert?

Auch verstärkte Rekrutierungsbemühungen blieben erfolglos, da der Markt ausgetrocknet ist.

Das hat zur Folge, dass der Personalstand beim OP-Personal so knapp ist, dass Ausfälle wie zum Beispiel Krankenstände oder Kündigungen nicht mehr aufgefangen werden können. Bei weiteren Ausfällen würde der OP-Betrieb unkoordiniert zusammenbrechen, weil die OP-Schliessung und damit die Verlagerung der Geburtshilfe sofort und ohne Vorlaufzeit durchgeführt werden müsste. Das wäre mit der Verantwortung, die die Spitalregion Rheintal Werdenebrg Sarganserland für ihre Patientinnen und Mitarbeitenden hat, nicht vereinbar.

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