Pistenbully-Fahrer Johann Scherrer weiss: Gäste wollen perfekte Pisten

Damit Wintersportler gute Verhältnisse antreffen, sind früh morgens und spät abends die Pistenbully-Fahrer unterwegs. Johann Scherrer ist einer davon. Seit 40 Jahren arbeitet er bei den Bergbahnen Wildhaus. Neben der Arbeit schwingt er auch gerne mal das Tanzbein.

Corinne Hanselmann
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Seit 40 Jahren arbeitet Johann Scherrer schon bei den Bergbahnen. (Bild: Mareycke Frehner)

Seit 40 Jahren arbeitet Johann Scherrer schon bei den Bergbahnen. (Bild: Mareycke Frehner)

Wenn es optimal läuft, starten die Bergbahnen Wildhaus am Samstag den Betrieb. Eine strenge Zeit beginnt dann auch für die Fahrer der Pistenfahrzeuge, die unterwegs sind, um den Gästen möglichst gute Verhältnisse zu bieten. Einer davon ist Johann Scherrer. Er freut sich auf den Saisonstart und hofft auf genügend Schnee. Der 60-Jährige arbeitet bereits seit fast 40 Jahren bei den Bergbahnen Wildhaus. «Als sie im Jahr 1979 jemanden suchten, dachte ich, das wäre doch etwas für ein, zwei Jahre», erzählt Johann Scherrer. Er erhielt die Stelle. «Nach drei Jahren wollte ich eigentlich kündigen und mich selbstständig machen oder in ein Walliser Skigebiet wechseln. Doch sie liessen mich nicht gehen und so bin ich bis heute hier hängen geblieben.» Zuvor hat der Nesslauer eine Ausbildung zum Landwirt absolviert und einen kleinen Hof bewirtschaftet.

Johann Scherrer arbeitet ganzjährig bei den Bergbahnen und ist im Winter jeweils verantwortlich für die Pistenfahrzeuge und deren Fahrer. «Von Frühling bis Herbst mache ich unter anderem Revisionen bei unseren Fahrzeugen, helfe aber auch bei den Bahnen mit. Wir demontieren und revidieren etwa die Rollenbatterien, auf denen das Seil läuft», erklärt er. Auch Alpzaun erstellen, Abfall einsammeln und sonstige allgemeine Arbeiten rund um die Bahnen und das Land gehören dazu.

Der Winter ist für Johann Scherrer die strengere, aber auch die schönere Zeit.

Der Winter ist für Johann Scherrer die strengere, aber auch die schönere Zeit.

Das Pistenbully-Fahren im Blut

«Stundenmässig ist der Winter die strengere, aber für mich auch die schönere Zeit», so Scherrer. «Denn wenn man einmal Pistenfahrzeug fährt, hat man das im Blut. Ich würde es schnell vermissen, wenn ich nicht mehr könnte.» Er fahre auch nach fast 40 Jahren noch sehr gerne Pistenfahrzeug.

Als Fahrerchef bietet Johann Scherrer während der Saison Tag für Tag die Leute auf. «Wir müssen mit dem Wetter zusammenarbeiten», so Scherrer. Das verlangt von den Chauffeuren Flexibilität. Meistens beginnen die Arbeitstage früh morgens um 4.30 Uhr bei der Talstation Oberdorf, wo die Pistenfahrzeuge stationiert sind. Nach einer kurzen Besprechung werden die Maschinen verteilt. Mit den Fahrzeugen ohne Seilwinde sind die Männer eher auf den Pisten talwärts unterwegs und räumen bei Neuschnee den grossen Wiesenparkplatz für 700 Fahrzeuge. Die Maschinen mit Seilwinde werden bergwärts in Richtung Gamsalp und Gamserrugg eingesetzt.

Jeder Pistenbully-Fahrer ist für die Wartung seines Fahrzeugs verantwortlich. (Bilder: Mareycke Frehner)
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Die technischen Möglichkeiten haben sich in vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Die Ansprüche der Gäste an die Qualität der Pisten aber auch.

Jeder Pistenbully-Fahrer ist für die Wartung seines Fahrzeugs verantwortlich. (Bilder: Mareycke Frehner)

Geübt steuern die Fahrer dann vom Cockpit aus ihre je nach Ausstattung 8,5 bis 11 Tonnen schweren Kässbohrer Pistenbully 600 durchs Skigebiet. Mit Hilfe des Frontschildes zerstossen sie mit den Raupen-Kolossen Schneehaufen und hinterlassen dank einer Fräse eine ebene Piste. «Eine gute Piste hat keine Absätze und schöne, gerade Rillen», beschreibt Johann Scherrer ein perfektes Resultat. «Dann sind auch die Gäste zufrieden.»

«Je genauer man das Gelände kennt, desto besser kann man den Unebenheiten angepasst fahren», so Scherrer. «In der Regel müssen um 8 Uhr die Pisten mindestens bis Gams­alp fertig sein. Danach machen wir noch diejenigen bis zum Gamserrugg sowie die Verbindungspiste in Richtung Chäserrugg.» Der erste Fahrer, der mit seinem Bereich fertig ist, setzt sich dann noch in eine ältere, schmälere Kässbohrer-Maschine, mit welcher der Winterwanderweg in Richtung Gamperfin präpariert wird. «Auch den Funpark und die Familyline mit Wellen und Tunnel richten wir täglich für die Besucher her.» Danach erledigen die Fahrer Arbeiten in der Garage oder machen Pause. Denn tagsüber, wenn Skifahrer und Snowboarder die Hänge runter kurven, fahren die Pistenfahrzeuge aus Sicherheitsgründen nicht.

Ein Pistenfahrzeug kostet 350 000 bis 500 000 Franken

«Jeder Chauffeur ist für sein Fahrzeug verantwortlich», so Scherrer. Dazu gehört nebst einer täglichen visuellen Kontrolle auch das wöchentliche Schmieren sowie das Überprüfen von Öl, Wasser und Raupen. Die gute Pflege ist wichtig, kostet ein Pistenbully doch je nach Ausstattung 350 000 bis 500 000 Franken.

Wenn die Lifte nach 16 Uhr ihren Betrieb einstellen, geht für Johann Scherrer und sein Team die Arbeit wieder los. Wird in der Nacht Neuschnee erwartet, werden am Abend nur die Bereiche rund um die Bahnstationen in Ordnung gebracht. Noch einmal alle Pisten gemacht werden, wenn keine Niederschläge vorhergesagt sind.

Bei Eis auf Seilen und Masten oder auch einmal bei Sturmschäden unterstützen die Pistenfahrzeugfahrer auch das Bahnpersonal. Selten müssen zudem Hotelgäste per Pistenbully ins Tal transportiert werden, wenn die Bahnen etwa wegen Sturm nicht fahren können. Müssen Beschnei­ungs­aggregate versetzt werden, kommt für den Transport ebenfalls das Team rund um Johann Scherrer zum Einsatz.

Anspruch viel höher als früher

In der langen Zeit, in der Johann Scherrer schon beim Pistendienst arbeitet, hat sich vieles verändert.

«Früher hat man die Pisten noch mit einfacheren Mitteln gemacht. Man hatte noch nicht dieselben technischen Möglichkeiten und Maschinen.»
Johann Scherrer, Pistenbully-Fahrer mit Leidenschaft.

Johann Scherrer, Pistenbully-Fahrer mit Leidenschaft.

«Als ich angefangen habe, hatten wir Pistenfahrzeuge nur mit Frontschild und hinten einem Glättebrett. Etwa ab 1980 gab es dann die ersten Fräsen – technisch ein riesen Fortschritt.» Den Anspruch der Gäste an die Pisten damals und heute könne man aber auch nicht vergleichen. «Heute muss alles perfekt sein, sonst gibt es Reklamationen», weiss er. «Wir bekommen aber auch positive Rückmeldungen, wenn die Pisten gut sind. Die Leute sind heute sehr direkt und sagen, was gut ist und was nicht.» Auch die Bergbahnen hatten früher noch nicht ein so hohes Level wie heute.

«Eine gute Piste zu machen, ist immer eine Herausforderung. Mir macht es Freude, möglichst aus jedem Schnee das Beste herauszuholen», so Scherrer über seine Leidenschaft. Mit weniger Schnee eine gute Piste zu machen sei übrigens die grössere Kunst als mit viel Schnee.

Das Wetter und die Natur hat einen grossen Einfluss auf die Arbeit der Fahrer. Umgeben von steilen Berghängen und Schnee ist konzentriertes Arbeiten eine absolute Bedingung. Heikle Situationen können immer entstehen, sagt Scherrer. Das sei aber im Verkehr auf der Strasse nicht anders und man lerne damit umzugehen.

Einmal Pischtni, immer Pischtni

Der Job des Pistenfahrzeugfahrers ist beliebt. Es gebe immer wieder Junge, die sich dafür interessieren. «Man muss gewillt sein, früh morgens aufzustehen und spät abends zu arbeiten», beschreibt Johann Scherrer eine der Voraussetzungen. Freude an Maschinen sei wichtig und mechanische Kenntnisse von Vorteil. Das Bedienen der Maschinen lerne man nach und nach. «Das muss man mit Leib und Seele machen, sonst funktioniert es nicht», ist der Toggenburger überzeugt.
Die meisten Fahrer des Teams sind schon lange dabei. Nur einer ist es noch länger als Johann Scherrer: Sepp Dürr, der jedoch nur während des Winters bei den Bergbahnen arbeitet, tut dies schon seit 45 Jahren. Der jüngste Fahrer sei aktuell 28 Jahre alt. «Auch die Jungen bringen gute Ideen und frischen Wind mit.»

Als Fahrerchef ist Johann Scherrer im Winter für die Pistenfahrzeuge und deren Fahrer verantwortlich.

Als Fahrerchef ist Johann Scherrer im Winter für die Pistenfahrzeuge und deren Fahrer verantwortlich.

Neben der Arbeit schafft es Johann Scherrer regelmässig auf die Ski, zum Beispiel zwischen seinen Einsätzen vom frühen Morgen und vom späten Abend. An seinen Freitagen besucht er auch gerne andere Skigebiete, «um auch einmal andere Ideen anzuschauen».

Salsa oder Fox

Wenn er nicht gerade im Cockpit des Pistenbullys sitzt oder auf den Ski steht, schwingt der junggebliebene Junggeselle gerne das Tanzbein. «Ich tanze zum Beispiel Salsa oder Fox», verrät er. Auch Töfffahren, Schwimmen und Wandern zählt er zu seinen Freizeitbeschäftigungen.
Doch das Herzblut für seinen Job ist im Gespräch deutlich zu spüren.

«Wenn ich gesund bleibe und der Chef mich noch will, möchte ich auf jeden Fall bis zur Pensionierung hier weiterarbeiten – denn einmal ‹Pischtni›, immer ‹Pischtni›.» Er geniesse die Arbeit alleine im Fahrzeug genauso wie die schönen Momente zusammen mit seinem Team, wenn man sich in einer Pause in der «Gamsalp» oder im «Oberdorf» einen Kaffee gönne und zusammen diskutieren könne.