«Gams vor vielen Jahren», ein reich illustrierter Blick in die Dorfgeschichte

Karl Hardegger berichtet in seinem zweiten Bildband auch von früheren Zeiten der Not.

Hansruedi Rohrer
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Der Gamser Karl Hardegger hat soeben den zweiten Band mit allerlei interessanten Dorfgeschichten von einst herausgegeben.

Der Gamser Karl Hardegger hat soeben den zweiten Band mit allerlei interessanten Dorfgeschichten von einst herausgegeben.

Bild: Hansruedi Rohrer

Vor zwei Jahren hat der heute nunmehr 80-jährige Autor den ersten Band über alt Gams vorgestellt. In seinem neuen Buch hat Karl Hardegger alte Schriften und Dokumente gesichtet und geht auch auf das Genossenschafts- und Korporationswesen ein. Als ältestes Dokument nennt der Autor zum Beispiel den «Gangbrief» von 1476. Dieser besiegelte die Funktion jener zwölf unter Schwur und Eid stehenden Männer, die sämtliche Grenzen innerhalb des Gemeindegebietes begingen und regelten.

Diese Funktion der Männer ist dabei noch genauer genannt: «Begehung der Wege und Gassen, Begutachtung der festgelegten Grenzen, Vermarkung derselben. Bei massiven Eingriffen in das Geschehen, wie Markstein rücken, Nichteinhaltung der Unterhaltspflicht an Mauern und Gassen, wird der Statthalter beigezogen.»

Buch mit zahlreichen Bildern und Illustrationen

Karl Hardegger, in Gams aufgewachsen und dort auch die Schulen besucht, absolvierte dann die Landwirtschaftliche Schule. Später fand er Verdienst in Industrie und Gewerbe. Nachdem der Vater die Auswanderungswünsche seines Sohnes seinerzeit abwenden konnte, blieb Karl Hardegger dem Dorf Gams treu. Im neuen Buch «Gams vor vielen Jahren» blickt er wiederum in die «gute alte Zeit» zurück. Zahlreiche Illustrationen und Bilder ergänzen die Texte in diesem Werk.

Im Vorwort schreibt er unter anderem: «In diesem Band bin ich bewusst nur auf gemeinsame Werte und sehr alte Schriften eingegangen.» Und auch: «Die Herren Burgvögte holten ihre Zehnten, obwohl sie sahen, wie die Menschen darbten. Die eintönigen Mahlzeiten trugen, nebst der Ausbeute, ihres bei zur hohen Sterblichkeit, dazu gesellten sich auch Seuchenjahre, Pest und Tuberkulose. Die Körperpflege und Reinlichkeit liessen mehr als zu wünschen übrig und waren Krankheitsherde in unbeschreiblichem Ausmass. In diesen Zeiten der Not wussten sich die Menschen zu wehren, sie schützten sich durch eine besondere Verbundenheit. Schon bald wurden sie gewahr, dass Einheit stark macht und diese Zusammenschlüsse sie stärkten. Es war die Zeit der Genossenschaftsgründungen.»

Wertvolle Unterstützung und Mithilfe

Karl Hardeggers neues Buch gibt auch Aufschluss über alte Gebäude, uralte Rodel und Urbare, Urteile und Schiedsgerichte, den einstigen Verkehr mit Strasse, Bahn und Fähre oder die Bekämpfung von Schädlingen, wie etwa dem Kartoffelkäfer. «Trotz meiner silberweissen Haare habe ich mich bemüht, einen kleinen Ausschnitt eines dörflichen Lebens weiterzugeben, eben das Geschehnis in der Gemeinschaft Gams», so Karl Hardegger am Schluss. Zum Gelingen des zweiten «Heimatbuches» freut sich der Autor dankbar für die Unterstützung mit Dokumenten durch die Politische Gemeinde Gams, dem Staatsarchiv St.Gallen, dem Dorfhistoriker Noldi Kessler und dem grafischen Gestalter Erwin Lippuner.

Hinweis: Das Buch ist bei Karl Hardegger, Matte 6, 9473 Gams (karl.hardegger@bluewin.ch) erhältlich.