Spektakuläre «Baustelle» in Gams: Handwerk trifft auf Artistik

Über der Simmi entsteht eine mobile Holzbrücke, die Teil eines artistisch-musikalischen Kunstprojekts wird.

Heini Schwendener
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Der Brückenschlag ist fast vollzogen. Die Laien haben ganze Arbeit geleistet. (Bild: PD)

Der Brückenschlag ist fast vollzogen. Die Laien haben ganze Arbeit geleistet. (Bild: PD)

Über der rauschenden Simmi «sitzt» ein junger Mann im Klettergurt und hantiert routiniert mit Säge und Bohrmaschine an einer Holzkonstruktion an der Uferböschung aus Stein. Justinus Portenier, man sieht es sofort, macht es nicht zum ersten Mal. Der Zimmermann und Höhenarbeiter aus Grabs ist Teil eines 10-Personen-Laienensembles, das seit einigen Tagen eine filigrane Brücke aus vielen kleinen Holzelementen über der Simmi baut.

Ihre spezielle Bauweise und der Umstand, dass sie neben der Metallbrücke beim oberen Simmisämmler entsteht, lässt erahnen, dass es sich dabei um kein dauerhaftes Bauwerk handelt.

Eine mobile, künstlerisch bespielbare Brücke

Justinus Portenier aus Grabs hatte die Idee für das Projekt. (Bild Heini Schwendener)

Justinus Portenier aus Grabs hatte die Idee für das Projekt. (Bild Heini Schwendener)

Die Holzbrücke, die wieder abgebaut wird und andernorts mit kleinen Anpassungen neu aufgebaut werden kann, ist zentraler Teil eines Projekts, das Handwerk, Artistik, Tanz und Musik verbinden wird. Denn die Brücke soll dereinst vor Publikum aufgebaut und danach künstlerisch bespielt werden. Die Idee dafür stammt von Justinus Portenier. Sie fand Zuspruch, und so arbeitet nun eine Gruppe von kreativen Frauen und Männern in ihrer Freizeit am Projekt – neben Handwerkern auch Luftakrobaten, Tänzer, Slackliner, Musiker und ein Regisseur.

Zwei Leute haben die Holzteile für die Brücke in einer Halle in Grabs während sechs Wochen zugeschnitten und für die Montage vorbereitet. Seit Tagen nun ist das Ensemble dabei, sie über die Simmi zusammenzubauen. Das dauert beim Prototypen und ohne Erfahrung derzeit noch etwas länger.

Montage ist Bestandteil der Inszenierung

Später dann wird die Montage der Brücke Bestandteil der künstlerischen Inszenierung sein. Mit dem Probelauf in diesen Tagen in Gams sammelt das Ensemble Erfahrungen. Es dokumentiert die Arbeitsschritte und die Möglichkeiten der Bespielbarkeit der Brücke, um sich danach auf die Suche nach Fördergeldern für sein Projekt zu machen.

Noch steht erst die Hälfte der filigranen Holzbrücke. (Bild: Corinne Hanselmann)

Noch steht erst die Hälfte der filigranen Holzbrücke. (Bild: Corinne Hanselmann)

«Unser Ziel wäre es, pro Jahr an zwei bis vier Orten mit unserem Freilichttheater aufzutreten», sagt Justinus Portenier voller Enthusiasmus. Bis es allerdings so weit ist, gibt es noch viel zu tun. Die Brücke wird zu Übungszwecken noch etliche Male auf- und wieder abgebaut. Ausserdem braucht es noch ein Drehbuch für die künstlerischen Inszenierungen, die jeweils einen regionalen Bezug haben sollen.

Erste Szenen werden auf der unfertigen Brücke geübt. (Bild: PD)

Erste Szenen werden auf der unfertigen Brücke geübt. (Bild: PD)

Ein erstes Stück will das kreative Ensemble über den Winter entwickeln. Spielorte hat es einige im Visier. «Schön wäre es, im Frühling oder Sommer 2020 erstmals auftreten zu können», sagt der Vater des Projekts, der Höhenarbeiter und Zimmermann aus Grabs.

Hinweis
Wenn es heute Donnerstagabend um 18.30 Uhr nicht stark regnet, findet bei der Brücke eine kleine Probevorstellung statt.