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Interview

Franz Bucher aus Weite weiss: «Galeristen sind Einzelkämpfer»

Franz Bucher hat sich vor sechs Jahren als Kunstmaler selbstständig gemacht. Mittlerweile ist er auch als Galerist in einer Branche tätig, die im Umbruch steht. Er spricht über seine Rezepte in einer schwierigen Zeit.
Interview: Armando Bianco
Eine grosse Vielfalt: Galerist Franz Bucher in seinem Showroom in Weite. (Bild: Armando Bianco)

Eine grosse Vielfalt: Galerist Franz Bucher in seinem Showroom in Weite. (Bild: Armando Bianco)

Franz Bucher aus Weite hat sich im Jahr 2013 als Kunstmaler selbstständig gemacht. Ende 2015 hat er an der Hauptstrasse in Weite die Galerie Bucher eröffnet. Im Frühling 2017 ist ein Skulpturengarten dazugekommen, seit Ende 2017 betreibt er an der Hauptstrasse auch einen Showroom mit einer vielfältigen Auswahl an Kunstwerken. Kleine und mittlere Galerien hatten in den letzten 20 Jahren in der Schweiz hartes Brot zu essen, viele klassische Betriebe sind eingegangen. In stark frequentierten Städten konnten sich Galerien besser behaupten als auf dem Land.

Haben Sie Ihren Schritt in die künstlerische Selbstständigkeit jemals bereut??

Definitiv nicht. Für mich war das der richtige Schritt. Als Angestellter ist man oft nur eine Nummer und es geht teils hart zu und her. Im Vergleich dazu geht es mir persönlich und gesundheitlich wunderbar, und das, obwohl ich viel mehr Stunden pro Woche arbeite als in meinem früheren Berufsleben. Ich arbeite meistens sieben Tage die Woche und bis spät abends. Aber ich mache das gerne.

Galerie und Showroom befinden sich an einer unscheinbaren Hauptstrasse in der Provinz, anstatt im mondänen St. Moritz oder frequentierten Zürich. Funktioniert das?

Es funktioniert, weil ich nicht auf Laufkundschaft baue. Ich habe schon in den Jahren vor der Galerie ein wichtiges Beziehungsnetz aufgebaut, dadurch ist das Interesse vorhanden. Mich besuchen Leute aus München, Basel, Flims, Wien oder Italien.

Spontane Besuche gibt es also selten?

Genau, dafür ist die Galerie in Weite nicht der richtige Ort. Meine Besuche melden sich in meistens an. Wichtig ist die Vernetzung in der Szene.

Das Pflaster ist hart, viele kleine und mittlere Galerien sind in den letzten 20 Jahren eingegangen.

Das stimmt. Die grossen Zeiten der Galerien sind vorbei, es wird weniger gekauft und mehr gefeilscht. Selbst grosse Galerien kämpfen mit widrigen Umständen. Das Preisniveau fällt seit Jahren. Fremdmittel gibt es für Projekte keine.

Was macht man dagegen?

In meiner Galerie zeigen auch Künstler ihre Bilder, die im untersten Segment angesiedelt sind. Bei mir findet man für jedes Portemonnaie etwas.

Gibt es den typischen Galeriekunden?

Bei mir ist die Kundschaft kunterbunt, da ich ja nicht nur mit der Galerie arbeite. Ich betreibe den Showroom und einen Skulpturengarten, verkaufe auch Deko- und Geschenkartikel aus dem künstlerischen Bereich. Ich habe darum auch Kunden, die vorher noch nie in einer Galerie waren. Ich möchte die Coiffeuse abholen, Nachbarn, Kinder, einfach Interesse wecken.

Wo zieht man die Grenze zwischen Kunst und Kommerz?

Das ist oft Ansichtssache, die Geschmäcker sind verschieden. Bei Handwerk wird ja diskutiert, ob das nun eine Kunst ist oder nicht. Ich bin darum offen für vieles, nicht nur für Kunst im eigentlichen Sinn, also Skulpturen und Bilder. Natürlich will ich aber keinen Kitsch zeigen.

Nach welchen Kriterien besuchen Sie selbst Galerien?

Oft mache ich auch Besuche, um andere Galeristen kennen zu lernen. Leider kommt selten eine Zusammenarbeit zustande, weil viele ihre eigene Suppe kochen. Galeristen sind oft Einzelkämpfer.

Wie wichtig ist für den Lebenslauf, in einer Galerie auszustellen?

Für mich als Kunstmaler war es immer enorm wichtig, in richtigen Galerien auszustellen. Das ist der Schritt weg von den klassischen Ausstellungsräumen wie Rathaus, Bankfiliale oder Restaurant. Natürlich ist jeder Künstler froh, seine Bilder in der Öffentlichkeit zeigen zu können.

Die Digitalisierung schreitet voran, vieles verlagert sich ins Internet. Kann ein Künstler auch online «ausstellen» anstatt in einer Galerie?

Es gibt unzählige solcher Plattformen, die Kunst und Künstler präsentieren. Da gibt es dann teils Tausende Werke zu sehen. Die Chance, dass man hier ein Bild verkauft, ist für den Künstler gering. Es ist wohl eine Belebung für den Markt, man kann Trends, Angebote und Preise vergleichen. Aber eine Konkurrenz ist es aus meiner Sicht nicht.

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