Buchs
Stets für die Eigenständigkeit gekämpft: W&O-Chefredaktor Thomas Schwizer geht in den verdienten Ruhestand

Fast 15 Jahre hat der Grabser die W&O-Redaktion geführt und in den letzten Jahren auch noch die Buchs Medien AG. Schwizer hat die Zeitung geprägt. Auf Ende Jahr geht er auf eigenen Wunsch in die Frühpension.

Heini Schwendener
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Ab morgen sind die Räumlichkeiten der W&O-Redaktion nicht mehr Thomas Schwizers Arbeitsplatz.

Ab morgen sind die Räumlichkeiten der W&O-Redaktion nicht mehr Thomas Schwizers Arbeitsplatz.

Bild: Heini Schwendener

Mitte 2006 kam Thomas Schwizer, noch immer als Raucher, zurück zum W&O. Zu jener Zeitung, bei der er viele Jahre zuvor in seinem rauchverhangenen Büro erste journalistische Erfahrungen gesammelt hatte. Schwizer wurde, inzwischen gereift zum bestandenen und anerkannten Journalisten mit grosser Führungserfahrung, neuer W&O-Chefredaktor.

Heute, 14 1/2 Jahre später, geht Thomas Schwizers Amtszeit zu Ende. Auf eigenen Wunsch geht er in Frühpension. Es ist ihm zu gönnen, wenn diese wesentlich geruhsamer wird als seine Zeit als Chefredaktor. Die letzten Jahre waren nämlich geprägt vom steten und immer schnelleren Wandel der Medienlandschaft.

Chefredaktor und Geschäftsführer

Als Schwizer beim W&O das Ruder übernahm, war noch die «Südostschweiz» der Partner, der die Mantelseiten (Inland, Ausland, Wirtschaft, internationaler und nationaler Sport usw.) für die Lokalzeitung in Buchs lieferte. Der Verlag BuchsMedien AG hatte neben Schwizer, der die journalistische Verantwortung trug, auch noch einen Geschäftsführer.

Als die BuchsMedien AG und der W&O immer stärker ins «Tagblatt» integriert wurden, übernahm Chefredaktor Thomas Schwizer im Jahr 2013 auch noch die Geschäftsführung des Unternehmens. Dies verlangte ihm gar manchen Spagat ab, denn nicht immer sind journalistische und unternehmerische Ansprüche deckungsgleich, vor allem nicht in Zeiten tendenziell sinkender Einnahmen.

Schwizer hatte fortan sozusagen zwei Hüte auf. Er verstand es aber mit seiner offenen und pragmatischen Art, jeweils beiden gerecht zu werden. Immer wieder fand er Kompromisse zur Zufriedenheit aller, die weder sein Journalisten- noch sein Unternehmerherz bluten liessen. Nichts war ihm wichtiger, als für alles eine Lösung zu finden. Stundenlang hat er darüber gebrütet, hat Argumente und Zahlen zusammengetragen für Kompromisse, welche letztlich die Position «seiner» Lokalzeitung stärken sollten.

Lokale Inhalte sind vorne und haben Priorität

2014 wurde der W&O noch stärker in die «Tagblatt»-Familie integriert. Der Mantelteil wurde fortan von St.Gallen und nicht mehr von Chur geliefert.

Thomas Schwizers Plädoyer, ja schon fast Kampf für die Eigenständigkeit des W&O, ist es massgeblich zu verdanken, dass die Lokalzeitung für das Werdenberg und Obertoggenburg bis heute kein typisches Kopfblatt ist, sondern noch immer mit einem eigenständigen Auftritt erscheint. Das heisst: Nur der W&O macht mit einer rein lokalen Frontseite auf und präsentiert den Lokalteil im ersten Zeitungsbund.

Schwizers Credo lautete: «Lokal, lokal, lokal – deswegen abonnieren uns schliesslich unsere Leserinnen und Leser.» Der Erfolg hat ihm recht gegeben. Zwar leidet auch der W&O wie die gesamte Medienbranche unter schwindenden Einnahmen im Leser- und Werbemarkt. Doch unter Schwizer als Chefredaktor und Geschäftsführer waren die Ergebnisse im Gruppen- und im Branchenvergleich stets beachtlich.

Identitätsstiftender Teil des öffentlichen Lebens

Thomas Schwizer hat mit seiner journalistischen Neugier, seinen Ideen, seinem Engagement, seinem unermüdlichen, selbstlosen Arbeitseinsatz und seiner Empathie das Redaktionsteam geführt und motiviert. Mit dem nötigen Rückhalt durch den Verwaltungsrat hat es Schwizers Team verstanden, den W&O gegen die Konkurrenz vieler Gratisblätter stark zu positionieren. Für viele Menschen, für politische, wirtschaftliche, kulturelle und kirchliche Entscheidungsträger ist der W&O ein unverzichtbarer, identitätsstiftender Teil des öffentlichen Lebens in unserer Region. Er ist ein Sprachrohr gegen innen wie gegen aussen.

Seit 2018 ist der W&O Teil der CH Media AG, dem Jointventure von AZ Medien und NZZ Regionalmedien. Dies ist ein weiterer Meilenstein in der 151-jährigen Geschichte des W&O. Wie schon zuvor beim «Tagblatt» ist der W&O auch innerhalb der CH-Media-Gruppe ein Exot. Die Lokalzeitung, die Schwizer in den letzten Jahren verantwortet und massgeblich geprägt hat, bleibt dessen Credo treu: Local first, um es modern auszudrücken.