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Von nationaler Bedeutung: In Sennwald lebt die seltene Fledermausart Alpenlangohr

Das Fledermausquartier in der reformierten Kirche Sennwald ist von nationaler Bedeutung. Jährlich werden die Tiere gezählt.
Katharina Rutz
Adrian Göldi, Mesmer reformierte Kirche Sennwald, Anni Kern und René Güttinger, kantonaler Fledermausschutzbeauftragter, zählen die Tiere des Alpenlangohr-Quartiers von nationaler Bedeutung.Bild: Katharina Rutz

Adrian Göldi, Mesmer reformierte Kirche Sennwald, Anni Kern und René Güttinger, kantonaler Fledermausschutzbeauftragter, zählen die Tiere des Alpenlangohr-Quartiers von nationaler Bedeutung.Bild: Katharina Rutz

Anni Kern sitzt auf ihrem Klappstuhl. Den Nacken auf einem aufblasbaren Reisekissen aufgestützt. Trotz des lauen Sommerabends hat sie eine Jacke griffbereit. Mit der Taschenlampe leuchtet sie auf den First der reformierten Kirche in Sennwald. Ihr Blick ist starr in den Lichtkegel gerichtet. Sie ist hochkonzentriert. Wonach bloss hält sie Ausschau?

Es sind Alpenlangohren. Im Dachstuhl der reformierten Kirche in Sennwald befindet sich ein Quartier dieser seltenen Fledermäuse von nationaler Bedeutung. Beim Alpenlangohr handelt es sich um eine nationale Zielart. Der Bund hat deren Schutz also als prioritär eingestuft. Jährlich wird deshalb ein Monitoring über deren Bestand durchgeführt. Im Kanton St.Gallen gibt es vier bekannte Wochenstuben, eine davon in Sennwald, weitere in Gretschins, Kobelwald und Flums. In allen vier Kolonien werden die Alpenlangohren zweimal im Sommer gezählt, wenn sie nach dem Eindunkeln ausfliegen, um auf die Jagd zu gehen.

Dieses Alpenlangohr bewohnt den Dachstock der reformierten Kirche Sennwald. (Bild: René Güttinger/RGBlick)

Dieses Alpenlangohr bewohnt den Dachstock der reformierten Kirche Sennwald. (Bild: René Güttinger/RGBlick)

Fledermäuse lassen sich nicht so einfach zählen

Allerdings ist dies nicht so einfach. Alpenlangohren haben oft mehrere Ausflugstellen aus einem Gebäude und fliegen auch nicht immer in dieselbe Richtung. Und im Dunkeln braucht es zudem gute Augen oder ein Nachtsichtgerät. Deshalb braucht es mehrere Personen für eine Zählung. Anni Kern aus Thal ist eine davon. Seit über 20 Jahren ist sie freiwillige Helferin im Fledermausschutz und seit einiger Zeit unterstützt sie René Güttinger, kantonaler Fledermausschutzbeauftragter, 
bei seiner Feldarbeit. In Sennwald ist auch Mesmer Adrian Göldi immer dabei. René Gerber aus Grabs macht Tonaufnahmen der Rufe im Ultraschallbereich. Das Team postiert sich also rund um die Kirche.

Nun fliegen die ersten Alpenlangohren aus. Wenn sie statt direkt in den nahen Wald zu fliegen, noch eine Runde um die Kirche drehen, müssen sich die Zähler mit Rufen verständigen. Es soll ja nicht die gleiche Fledermaus zweimal gezählt werden. 23 Alpenlangohren verlassen die Kirche an diesem Abend. Dazu werden Zwergfledermäuse und Breitflügelfledermaus gesichtet. René Güttinger und seine Helfer freuen sich über das Ergebnis. «Die Kolonie hier in Sennwald ist stabil», drückt es der Biologe vorsichtig positiv aus.

Licht aus für 
die Fledermäuse

Adrian Göldi hat vor dreieinhalb Jahren als Mesmer in Sennwald angefangen. Bald schon hat ihn René Güttinger auch auf seine Mitbewohner aufmerksam gemacht. Zusammen konnten sie erreichen, dass die Beleuchtung der Kirche abgeschaltet wurde und so die Alpenlangohren nicht mehr nur einen schmalen dunklen Korridor hatten, um auszufliegen. Dies sind wichtige Meilensteine im Schutz eines Fledermausquartiers. «Ausserdem achte ich darauf, die Tiere so wenig wie möglich zu stören, solange sie da sind. Ich gehe dann möglichst wenig in den Estrich», erklärt Adrian Göldi.

Keine Verabredungen zu Gunsten der Fledermäuse

Auch Anni Kern verbringt unzählige Abende im Feld und damit mit aktivem Fledermausschutz.

«Ich halte mir die Zeit von Mai bis Juli frei, damit ich flexibel bin, da nur bei guten Wetterbedingungen gezählt werden kann.»

Sie wolle sich aktiv für den Naturschutz und eine Tierart einsetzen. «Die Fledermäuse sind faszinierende Tiere und ich möchte mehr über sie herausfinden», so Anni Kern.

Organisiert sind die freiwilligen Helfer im Fledermausschutz der Kantone St.Gallen und beider Appenzell im Verein Fledermausschutz St.Gallen, Appenzell, Liechtenstein. Rund 30 Personen sind aktiv, wovon rund ein Dutzend regelmässig bei Monitorings und Feldarbeit im Einsatz ist. Diese Personen bilden sich laufend an Vorträgen und entsprechenden Veranstaltungen des Vereins weiter. «Bei diesen Anlässen werden auch gute Bekanntschaften gepflegt. Wir haben viele langjährige Helfer. Deren Erfahrung ist für den Fledermausschutz ein Glücksfall», sagt Güttinger.

Wichtig sind die freiwilligen Helfer auch, wenn es darum geht, vor Ort Informationen über Quartiere einzuholen. «Dank der Helfer können wir besser sondieren, ob ich selber hin muss oder nicht», sagt Güttinger. Besonders zu erwähnen ist Maja Brägger. Sie betreut rund um die Uhr das Fledermaustelefon. Hier findet die Bevölkerung Beratung und Hilfe bei allem, was mit Fledermäusen zu tun hat.

Schliesslich verfügt der Verein Fledermausschutz auch über ausgebildete Personen, die verletzte Tiere pflegen können. «Dies geschieht aber nur in absoluten Härtefällen. Gerade Jungtiere werden häufig von den Eltern wiedergefunden und weiter versorgt», erklärt René Güttinger. «Für uns sind Fledermäuse Wildtiere und wenn es irgendwie geht, lassen wir sie auch in der Wildnis.»

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