SBB-Sparbillette beliebt wie noch nie: Rekorde für November erwartet

Die Sparbillette der SBB sind für viele eine tolle, für einige aber eine nicht ganz gerechte Sache. Auf der Strecke bleiben (noch) vor allem Streckenabo-Besitzer.

Jessica Nigg
Hören
Drucken
Teilen
Zu günstigen Preisen reisen dank den Sparbilletten der SBB. Profitieren können vor allem Freizeitreisende. (Bild: Benjamin Manser)

Zu günstigen Preisen reisen dank den Sparbilletten der SBB. Profitieren können vor allem Freizeitreisende. (Bild: Benjamin Manser)

Wer nicht regelmässig mit den SBB reist und/oder kein Halbtaxabo besitzt, musste bisher tief in die Tasche greifen, wenn man doch einmal Zug fährt – zum Beispiel, wenn es in die Ferien geht: Das reguläre Streckenbillett von Buchs nach Zürich Flughafen kostet ohne Halbtax, einfach und 2.Klasse, 46 Franken.

Wenn Reisende aber wissen, dass sie beispielsweise in zwei Wochen spätestens um 17 Uhr am Flughafen sein müssen, kann die Zugfahrt dank der Sparbillette der SBB viel günstiger ausfallen: So kostet die gleiche Reise zwei Wochen später mit Sparbillett nur noch 25.40 Franken. Noch günstiger ist diese konkrete Verbindung übrigens erstaunlicherweise in der 1.Klasse, wo sie nur 24.40 Franken (Streckenbillettpreis: 81 Franken) kostet.

Sparpreise sind kaum durchschaubar

Die Preise ändern sich ständig, sind nicht durchschaubar und auch nicht sehr nachvollziehbar:

So kostet ein Billett von Buchs nach Chur (43 Kilometer, 34 Minuten, Streckenbillettpreis 8.60 Franken) als Sparbillett 2.80 Franken – gerade mal 20 Rappen mehr als die 1,9 Kilometer lange Reise vom Buchser Bahnhof ans Limsergässli, Werdenberg.

Wie SBB-Mediensprecher Martin Meier erklärt, haben die Sparbillette vor allem zwei Ziele: «Einerseits helfen sie, neue Kundinnen und Kunden generell auf den öffentlichen Verkehr zu lenken.

Andererseits erlauben es die Sparbillette, bestehende Kundinnen und Kunden von stark ausgelasteten auf schwach ausgelastete Züge zu lenken.»

SBB-Preise sollen insgesamt stabil bleiben

Wie Meier weiter ausführt, tragen die Sparbillette zudem zum Versprechen der SBB bei, die Preise stabil zu halten oder zu senken. Die Billette finden denn auch reisenden Absatz:

«Im September erzielten wir mit fast 39 600 abgesetzten Sparbilletten einen neuen Verkaufsrekord, und es sieht danach aus, als ob es im November noch mehr sein werden.»

«Die im Online-Fahrplan angezeigten Preise basieren immer auf den günstigsten 2. Klasse Halbtax-Preis für die gewählte Verbindung im Fahrplan», erklärt der SBB-Sprecher. «Wichtig zu wissen ist, dass Sparbillette kontingentiert sind. In gewissen Fällen kann es darum vorkommen, dass sich mehrere Personen die gleiche Verbindung anschauen und ein Sparbillett kaufen. Dadurch kann sich die Verfügbarkeit oder der Preis vor dem Kauf ändern.» Um an das günstigste Billett zu kommen, muss man also verschiedene Verbindungen vergleichen.

Verärgerung bei Streckenabobesitzern

Wer flexibel ist, kann mit der SBB Mobile-App die günstigsten Sparbillette finden und viel Geld sparen. (Bild: Katharina Rutz)

Wer flexibel ist, kann mit der SBB Mobile-App die günstigsten Sparbillette finden und viel Geld sparen. (Bild: Katharina Rutz) 

Die Sparbillette erfreuen viele Bahnreisende. Manche treuen Kunden fühlen sich aber im Stich gelassen. So äussert sich der Inhaber eines Streckenabos Bad Ragaz–Buchs sehr explizit; er fühle sich um den guten Preis betrogen. «Für Streckenabos sind die Tarifverbünde zuständig», erklärt Meier.

«Die SBB würde sehr gerne Sparbillette auf solchen Verbindungen anbieten. Doch das dürfen wir nicht innerhalb der Tarifverbünde und entsprechend deren Tarifhoheit.»

Die SBB wolle dies ändern, führt Meier weiter aus: «Gespräche innerhalb der öV-Branche sind am Laufen.»

GA-Kundinnen und Kunden würden nach wie vor zu einem sehr attraktiven Pauschalpreis ein ganzes Jahr auf dem gesamten öV-Netz fahren, so Meier. «Halbtax-Abo-Kunden profitieren dank dem Sparbillett von noch tieferen Preisen.» Den eingangs erwähnten Eindruck bestätigt Martin Meier: «Sparbillette sind vor allem für Freizeitreisende gedacht und werden für eine bestimmte Reise gebraucht. Man muss darum im voraus genau festlegen, welchen Zug man nehmen möchte.»

Sind Sparbillette nur für Junge?

Zugfahren macht doppelt so viel Spass, wenn man nur halb so viel für die Billette bezahlt. Via Smartphone können auf der SBB-App jederzeit die günstigsten Tarife gesucht und die gewünschten Reisen gleich gebucht und sogar bezahlt werden. Später im Zug scannt die Zugführerin den Barcode und alles ist gut. Was aber, wenn man bei den letztgenannten Begriffen nur Bahnhof versteht, weil man sich in der digitalen Welt (noch) nicht Zuhause fühlt? Sind Sparbillette nur etwas für Junge und Junggebliebene? Können die älteren Semester überhaupt noch mithalten, wenn sich Angebote und Preise für Sparbillette laufend ändern und man nur noch im Internet und in den Apps die günstigsten Angebote findet? Offenbar schon: SBB-Mediensprecher Martin Meier erklärt: «Unsere Markttests zeigen, dass die über 60-Jährigen bereits sehr viele Tickets online kaufen, und sie kaufen auch überdurchschnittlich viele Sparbillette.» Er sieht aber ein, dass nicht alle Senioren mit der Technik und der digitalen Welt schritthalten können – oder wollen: «Wir beraten gerne an unseren Schaltern, zudem bieten wir auch spezielle Kurse für Seniorinnen und Senioren an, wie man über SBB Mobile ganz einfach Billette kaufen kann.»