Für die Werdenberger Altersheime steht Genuss an erster Stelle

Währschaft, schmackhaft und ausgewogen sind die Mittagsmenüs in den Altersheimen. Mit Fleisch und Zucker wird aber nicht gegeizt. Im Spital Grabs haben Patienten eine sehr grosse Auswahl verschiedener Menüs. 

Alexandra Gächter
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In den Altersheimen der Region werden die Essenswünsche der Bewohner berücksichtigt.

In den Altersheimen der Region werden die Essenswünsche der Bewohner berücksichtigt.

Gaetan Bally / KEYSTONE

«Genesen mit viel Fett und Zucker» – so betitelte das Toggenburger Tagblatt seinen Artikel über das Essen im Pflegezentrum Fürstenau in Wil. Eine Frau beschwerte sich darin, dass ihre Mutter dort fettiges, kalorienreiches und einseitiges Essen erhalten habe. Die Menus seien mit Mayonnaise angereichert gewesen, Gemüse habe oft ganz gefehlt und mehrmals pro Woche habe es Würste gegeben. Ihrer Mutter lag das Essen schwer im Magen und irgendwann ass sie gar nichts mehr.
Aufgrund dessen hat der W&O die Menupläne von drei Altersheimen und die des Spitals Grabs unter die Lupe genommen und der aus Sax stammenden Ernährungsberaterin Sandra Heeb vorgelegt. 

«Wow, was für eine Auswahl! Diese Menükarte sticht wirklich heraus», war Heebs erste Reaktion zum Speiseplan des Spitals Grabs.

Eine grosse Auswahl für alle Geschmäcker

Wer im Spital Grabs stationiert ist, hat die Qual der Wahl. So gab es an einem Freitag Anfang Januar am Mittag beispielsweise Kürbiscremesuppe mit Orange, gebratenes Seelachsfilet an Dill-Senfsauce, Dampfkartoffeln, geschmorter Fenchel, Kopfsalat mit Sonnenblumenkernen und Bananen-Mango in Schichten. Wer wollte, konnte statt dem Fisch ein grünes Thaicurry mit Poulet und Basmatireis bestellen. Für die Vegetarier gab es das 4-Gänge-Menu statt mit Fisch oder Poulet mit Quorn. Wer privat versichert ist, konnte auch ein Kalbsschnitzel nature, Kalbsgeschnetzeltes an Rahmsauce, Pouletbrüstchen an Currysauce, gebratenes Zanderfilet oder Omelette bestellen. Am Abend des gleichen Tages konnte man entweder eine Bouillon mit Einlage, Kalbfleischpastete garniert, gemischter Salat und Obst oder verschiedene Crêpes wählen. Zusätzliche Wahlgerichte waren Birchermüesli, Bündnerteller, Wurst-Käsesalat, Spaghetti, heisser Fleischkäse oder eine Käseauswahl mit Fleisch oder Kartoffeln.

Etwa 20 Prozent der Patienten sind mangelernährt

Ernährungsberaterin Sandra Heeb  sagte dazu: «Viele Patienten liegen oft den ganzen Tag oder einen grossen Teil davon im Bett. Aus diesem Grund müssen gar nicht so viele Kalorien zugeführt werden, denn die machen sie eher müde und träge.» Ihr gefällt die Möglichkeit, dass Patienten im Spital Grabs ein Vitalmenu wählen können. «So hat jeder die Möglichkeit, etwas Leichtes zu essen.» Andrea Bachmann, Leiterin Kommunikation der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland, sagte, dass im Spital Grabs etwa 20 Prozent der Patienten mangelernährt seien und daher eine proteinreiche Nahrung benötigen. Dies werde einerseits durch die Wahl des Menus, andererseits durch Anreicherung der Mahlzeiten und zusätzliche Trinknahrung erreicht.

«Bei ungefähr 90 000 Mahlzeiten pro Jahr benötigen zirka zwölf Prozent der Patienten eine angepasste Kostform oder Diät. In dieser Spitalregion werden etwa 20 verschiedene Kostformen angeboten, welche exakt auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt werden.»

Für ältere Patienten mit Demenz sei es zudem wichtig, eine angenehme, gemütliche Atmosphäre zu schaffen. Beim Essen wählen ältere Menschen oft etwas Währschaftes. 

Die Altersheimküchen von Nord bis Süd erhalten im Werdenberg viel Lob. «Das Essen im Haus Wieden in Buchs schmeckt hervorragend», liess sich die 100-jährige Theresia Hangartner im W&O vom 15. Januar zitieren. Fragt man Bewohnerinnen und Bewohner der umliegenden Altersheime, zum Beispiel in Sennwald und Wartau, hört man dasselbe. Doch ist das Essen auch gesund? Der W&O hat die Menupläne der Altersheime Sennwald, Buchs und Wartau der zweiten Januarwoche unter die Lupe genommen.

In den Altersheimen der Region Werdenberg gibt es am Mittag oft ein Viergangmenü.

In den Altersheimen der Region Werdenberg gibt es am Mittag oft ein Viergangmenü.

PD

Ein 4-Gänge-Menu zum Mittagessen

Den Senioren wird in allen drei Altersheimen am Mittag ein 3- oder 4-Gänge-Menu angeboten. Notabene gibt es dazu ein Morgenessen sowie ein Abendessen, das aus ein bis zwei Gängen besteht. Wer dazwischen noch Hunger verspürt, kann sich mit verschiedenen Früchten bedienen. Ausgewogen ist das Essen bei allen, enthält zumindest das Mittagessen Suppe, Salat, Gemüse, Fleisch, Kartoffeln, Nudeln oder Reis. Auffallend ist, dass es sehr viel Fleisch gibt.

In Wartau wurde in der zweiten Januarwoche an jedem Tag Fleisch angeboten. In Sennwald gab es an sechs Tagen Fleisch und an einem Fisch und im Haus Wieden an fünf Tagen Fleisch, einmal Fisch und einmal ein vegetarisches Gericht. Bei den Fleischmenus wird fast täglich variiert zwischen Schwein, Rind, Kalb und Poulet. Wurst gibt es am Mittag nur vereinzelt. Die Azmooser können alternativ jeden Tag ein Vegimenü bestellen. Im Haus Wieden ist dies auch der Fall. Dort erhält der Bewohner sogar jeden Tag ein anderes Vegimenü, wenn er will.
Weiter auffallend ist, dass es viel Süsses gibt. In Buchs erhielten die Senioren fünfmal in der Woche am Mittag ein Dessert, in Sennwald dreimal und in Azmoos gab es drei süsse Abendessen. Ansonsten gibt es abends oft wieder Fleisch, eine Suppe oder Milchspeise oder etwas Leichtes.

«Den Bewohnern eine Freude bereiten»

Die in Sax aufgewachsene Ernährungsberaterin Sandra Heeb hat für die Menupläne der drei Altersheime ein Fazit gezogen: «Das Essen im Altersheim Sennwald ist eher schwer und sehr kalorienreich. Ich frage mich, ob das im Altersheim jemand komplett essen kann? Jedoch kann man sicherlich einen oder zwei Gänge auslassen.»

Heimleiterin Jeanette Mösli sagt, dass das Altersheim Forstegg auf ausgewogene und saisonale Gerichte achte. Während der Proteinbedarf steige, werden die gegessenen Portionen kleiner. «Deshalb ist es wichtig, in den Gerichten genügend Proteinquellen und Nährstoffe zu haben. Schmackhafte und gewohnte Speisen werden von den Bewohnern vorgezogen. Es nützt nichts, wenn wir moderne und ernährungsphysiologisch perfekte Gerichte kochen, die dann niemand essen will. Deshalb suchen wir den bestmöglichen Zwischenweg.» Strikte Vegetarier und Laktoseintolerante gebe es im Forstegg nicht. Aus Gluscht würden manchmal Vegimenüs wie Pasta, Rösti oder Ribel gewählt. «Es muss einfach bekannt und schmackhaft sein.» Es gebe bei ihnen niemand, der immer auf das Dessert verzichtet. 

«Wir wollen den Bewohnern eine Freude bereiten. Das Essen ist für manche das Highlight des Tages.»

Gehacktes, Braten und Voressen wird gewünscht

Zum Menü im Betagtenheim Wartau sagte die Ernährungsberaterin Sandra Heeb: «Auch hier gibt es währschafte Menus, die meine Grossmutter so zubereiten würde. Es gibt eine grosse Auswahl: Menü, Wochenhit, Salatbüffet plus Vegimenü. Ein Dessert ist nicht gelistet. Aus meiner Sicht braucht es dies auch nicht zwingend. Allenfalls könnte man Früchte einbauen.»

Währschaftes wie  Rindsgeschnetzeltes, mit Kartoffelstock, Rüebli und einem Dessert wird in den Altersheimen der Region Werdenberg gern gegessen.

Währschaftes wie  Rindsgeschnetzeltes, mit Kartoffelstock, Rüebli und einem Dessert wird in den Altersheimen der Region Werdenberg gern gegessen.

Paul Gwerder

Beatrice Disch, Heimleiterin des Betagtenheim Wartau, sagt, dass auch die Altersheimküche in Wartau auf eine ausgewogene, saisonale und regionale Ernährung achte. Viele Bewohner würden eine fleischlose Mahlzeit als kein vollständiges Essen ansehen.

«Bis jetzt hatten wir noch keinen Bewohner, der sich komplett vegetarisch ernährte.»

Da pflanzliche Eiweissträger wie zum Beispiel Linsen den Verdauungstrakt älterer Menschen stärker belasten würden, gebe es häufiger Fleisch. «Ausserdem wünschen sich die Bewohner oft Gerichte aus ihrer Vergangenheit wie Gehacktes mit Hörnli, Braten und Voressen und sind für neuere Kreationen nicht offen.»

Durchschnittlich dreimal in der Woche gibt es ein süsses Abendessen. Etwa 90 Prozent der Wartauer Betagten lassen sich die Süssspeisen nicht entgehen. Die meisten Bewohner benötigen nur noch wenige Kalorien, wie Beatrice Disch sagt.

«Ich finde aber, dass der letzte Lebensabschnitt mehr dem Genuss als dem Verzicht gewidmet sein soll».

«Wir schreiben nicht vor, was sie essen sollen»

Auch zum Menüplan des Hauses Wieden zieht Ernährungsberaterin Sandra Heeb ein ähnliches Fazit: «Hier gibt es ebenfalls Währschaftes, das unserer Grossmutter schmecken würde. Es ist von allem etwas dabei: Suppe, Salat, Hauptgang, Dessert.» Thomas Herold, Leiter der Hotellerie des Hauses Wieden, achtet auf viel Gemüse, Früchte, Flüssigkeit, Eiweiss und Abwechslung, wie er sagt. «Wir bieten den Bewohnern täglich eine reichhaltige Auswahl an frischen Früchten, hausgemachten Tees und verschiedenen Fruchtsäften an.» Das Essen soll aber nicht nur gesund sein, sondern auch schmecken. Auch im Haus Wieden gibt es fast keine Vegetarier und sehr wenig Laktoseintolerante. Die mehrheitlich zuckerhaltigen Desserts werden von den meisten Bewohnern sehr geschätzt. «Wir schreiben den Bewohnern nicht vor, was sie essen sollen», so Thomas Herold, Leiter der Hotellerie des Hauses Wieden.