Für die Rennrollstuhlfahrerin Alexandra Helbling ist eine WM-Teilnahme nie selbstverständlich

Seit 2013 ist Alexandra Helbling immer mit dabei, wenn sich die weltbesten Athleten messen. Doch den Weg dorthin muss man sich erst mal erarbeiten.

Robert Kucera
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Alexandra Helbling will an den Weltmeisterschaften in Dubai ins Rollen kommen und Diplome holen. (Bild: PD)

Alexandra Helbling will an den Weltmeisterschaften in Dubai ins Rollen kommen und Diplome holen. (Bild: PD)

Die in Azmoos aufgewachsene Sportlerin Alexandra Helbling nimmt vom 7. bis 15. November in Dubai zum vierten Mal an Weltmeisterschaften für Behindertensportler teil. Die 26-Jährige zählt mittlerweile zu den Routiniers. Doch trotz reicher Erfahrung an internationalen Wettkämpfen (EM, WM, Paralympics) ist für sie die Selektion für einen internationalen Grossanlass keine Selbstverständlichkeit.

«Es ist jedes Jahr neu und es wird auch nicht einfacher», sagt die in Nottwil (Luzern) wohnhafte Athletin. Die Limitenjagd, so beschreibt sie, wird immer strenger.

«Es ist ein Erfolg, überhaupt starten zu dürfen»,

hält Helbling fest. Die WM in Dubai stellt für sie eine sehr hohe Bedeutung dar. «Ich schaue es als Höhepunkt an. Man trainiert darauf hin, die Teilnahme ist dann der verdiente Lohn.»

In drei Disziplinen den Final erreichen

Kein Wunder also, freut sich Alexandra Helbling sehr auf die Wettkämpfe. Sie reist mit einem guten Gefühl in die Vereinigte Arabische Emirate und fühlt sich gut vorbereitet. Sie spricht von einer konstanten Saison, ein Leistungssprung blieb jedoch aus. Mit einer Ausnahme: Über 1500 Meter hat sie dieses Jahr eine neue persönliche Bestzeit erzielt. Doch just über diese Distanz wird die Wartauerin nicht antreten. Weil es hier Vorläufe gibt, mutmasst Helbling, wäre dies zu viel geworden.

Also beschränkt sie sich auf die Rennen über 100, 400 und 800 Meter. Helbling ist zwar Sprinterin, doch die 100 Meter sind für ihren Geschmack zu kurz. Ihr liegen jene Rennen mehr, bei denen sie ins Rollen kommt. Das Ziel sei zwar, in jeder Kategorie den Final zu erreichen und um ein Diplom zu kämpfen, am ehesten machbar sei es über 400 und 800 Meter.

Die Sprinterin bedauert es, dass die 200 Meter aus dem Programm geworfen wurde. Denn über diese Distanz hängt nicht vieles von einem starken Start ab. «Die 200 Meter wären ideal, denn da käme ich auch ins Rollen.» Die WM in Dubai ist ausserdem ein erster Schritt in Richtung Paralympics 2020 in Tokyo. «An der WM kann man schauen, wo man im Vergleich zur Konkurrenz steht.»

Dubai ist für Helbling kein unbekanntes Pflaster

Nicht unbedeutend ist auch der WM-Standort. Die Meldungen von der Leichtathletik-WM in Doha sind erst gerade verhallt, nun trifft sich die Welt-Elite erneut auf der arabischen Halbinsel. Alexandra Helbling blickt gelassen auf die Weltmeisterschaften. «Mir helfen die gemachten Erfahrungen», sagt sie und äussert sich stellvertretend fürs Schweizer Team:

«Wir wissen, was uns erwartet.»

Zum Problem wird das Klima und die dort herrschenden Verhältnisse punkto Sitte und Kultur nur, wenn man erstmals nach Dubai reisen würde

Doch Helbling kennt den Wettkampfort wie ihre Westentasche. Achtmal war sie schon hier – die Schweizer Elite hält in Dubai regelmässig Trainingslager ab. Ausserdem startete sie in Doha 2015 an der WM und kann Vergleiche ziehen: «Dubai ist offener, dem Westen mehr angepasst.» Kleiderregeln gäbe es am WM-Wettkampfort von 2019 zwar auch. Doch hier gehe man gelassener damit um, wenn eine Frau im T-Shirt rum läuft. Ebenfalls sind im Stadion mehr Zuschauer als bei den Leichtathleten in Doha zu erwarten. «Hier kommen wir in die Zeitung, wir sind ein Thema», erklärt Helbling. «Wir werden als Athleten wahrgenommen.»