Für den Grabser Andreas Vetsch ist der Hanfanbau ein Erfolgsrezept

Auf dem Wunnhof in Grabs baut Andreas Vetsch Lebensmittelhanf an. Das Superfood erfreut sich grosser Beliebtheit.

Bianca Helbling
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Andreas Vetsch zeigt Sohn Loris den gedeihenden Hanf. Bild: Bianca Helbling

Andreas Vetsch zeigt Sohn Loris den gedeihenden Hanf. Bild: Bianca Helbling

Chia-Samen, Goji-Beeren, Proteinpulver – gesunde Ernährung liegt im Trend. Nicht selten werden dafür gewisse Lebensmittel um die halbe Welt transportiert. Dabei liegt das Gute doch so nah. Dies dachten sich wohl die Gründer des Bündner Unternehmens Alpenpioniere, die aus Lebensmittelhanf allerlei Produkte herstellen. Das 2016 gestartete Projekt hat durchschlagenden Erfolg und konnte bereits expandieren. Mittlerweile bauen mehr als 30 Biolandwirte in Graubünden, Liechtenstein und St. Gallen für die Alpenpioniere Lebensmittelhanf an.

Robuste Pflanze 
ohne Rauschwirkung

Unter ihnen befindet sich auch Andreas Vetsch vom Wunnhof im Werdenberg. Der innovative Landwirt betreibt Ackerbau und hält Milchkühe sowie Pensionspferde. Seit letztem Jahr spriesst nun auf dem Hof neben Mais, Raps und Weizen auch Lebensmittelhanf.

«Die Alpenpioniere haben mich persönlich angefragt. Da sie ausschliesslich Biobetriebe suchten, war die Auswahl in der Umgebung relativ klein. Und ich probiere gerne neue Dinge aus», erklärt Vetsch. Der von ihm angepflanzte Lebensmittelhanf ist speziell für den Verzehr gezüchtet, da der THC-Level bei unter einem Prozent liegt und somit keine Rauschzustände auftreten. Der Anbau ist deswegen legal. Dennoch musste der Wunnhof sein Vorhaben der Polizei melden und regelmässig kontrollieren lassen.

Gut für die Bodenstruktur

Auch in der Optik und dem Geruch ähnelt die Pflanze seinem stimulierenden Pendant, weswegen Vetsch eine Informationstafel vor dem Hanffeld aufstellte, um allfällige misstrauische Passanten zu beruhigen.

Die Vorteile des Anbaus liegen für den Landwirt auf der Hand. «Lebensmittelhanf ist gut für die Bodenstruktur. Er wird im Juni gesät und im September gedroschen. Damit hat er einen anderen Zyklus als Raps und Weizen. Zudem ist die Hanfpflanze pflegeleicht, hat weder Schädlinge noch Krankheiten.» Allerdings haben die Bauern mit dem relativ teuren Saat-
gut wenig Erfahrung und mussten 
experimentieren, bis sie die Pflanze richtig pflegen konnten.

«Und wenn 
die Hanfnüsse erntereif sind, werden auch Vögel zum Problem.»

Vögel sind nicht die Einzigen, denen die Nüsse schmecken. Der Markt der Produkte aus Lebensmittelhanf floriert, wie sich bei den Alpenpionieren zeigt. Das Unternehmen hat die Anbaufläche innert drei Jahren verzehnfachen können, wurde mit dem Schweizer Agropreis 2018 ausgezeichnet und fand in diversen Medien Erwähnung. Ihre Produktidee trifft den Nerv der Zeit: Neben der eigenen Gesundheit unterstützen immer mehr Menschen auch nachhaltig hergestellte Lebensmittel.