Für Christoph Dürr hat die WM einen hohen Stellenwert

Nur alle vier Jahre, also wie Olympische Spiele, finden Weltmeisterschaften statt. Doch nicht nur deswegen ist der Anlass für den Gamser Schützen Christoph Dürr speziell. Denn er ist erstmals in der Elite mit dabei.

Robert Kucera
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Mit der WM in Südkorea steht für Christoph Dürr ein spezieller Höhepunkt bevor. (Bild: Robert Kucera)

Mit der WM in Südkorea steht für Christoph Dürr ein spezieller Höhepunkt bevor. (Bild: Robert Kucera)

Vor vier Jahren schnupperte der Gamser Sportschütze erstmals WM-Luft. In Granada (Spanien) startete Christoph Dürr noch als Junior. Nun misst er sich mit der Elite, also der Weltspitze. Und die wird vom 31. August bis 15. September in Changwon (Südkorea) definitiv dabei sein.

Niveau wie an Olympischen Spielen

«Die WM ist für uns ein spezieller Wettkampf und weist einen hohen Stellenwert auf», erklärt der 22-Jährige. «An einer WM werden hohe Resultate erzielt, das Niveau ist wie an den Olympischen Spielen», meint Dürr weiter. Und Tokyo 2020 wirft in der Tat seine ersten Schatten in Richtung Südkorea. Denn in Changwon werden die ersten Quotenplätze herausgeschossen. Die Weltspitze wird sich nicht lumpen und alles geben, um sich früh das Ticket zu sichern.

Ganz so hoch hinaus will aber der Werdenberger in Südkorea nicht. «Ich will meine bestmögliche Leistung abrufen und nach dem Wettkampf sagen können, dass ich mein bestes gegeben habe – dann bin ich zufrieden.» Im Vordergrund stehen also nicht Punkte und Platzierungen, sondern dass er die technischen Arbeiten im Schiessstand perfekt abzuliefern vermag.

Selektion ist kein Selbstläufer

«Ich freue mich sehr auf die Wettkämpfe», sagt Dürr. Er hat somit eines seiner Saisonziele erreicht. «Das Verpassen der WM wäre schon eine Enttäuschung gewesen. So gesehen war die Selektion auch eine Erleichterung.»

Obschon die Teilnahme an grossen internationalen Anlässen für den Gamser nichts Aussergewöhnliches mehr ist, stellt die Qualifikation nach wie vor eine Herausforderung dar. «Ein Selbstläufer ist das nicht», betont er. «Denn bei den Selektionswettkämpfen starten alle bei null. Für jede Disziplin gab es eine Wettkampfserie mit zwei Wettkämpfen plus einem Final», erklärt er den Modus. «Da muss man seine Leistung bringen und sich den Platz erkämpfen.»

Die Trauben hingen aber sehr hoch. So verfehlte Dürr die Einzel- Limiten knapp, doch über die Team-Limiten schaffte er es nach Südkorea. Mit dem Luftgewehr war er einmal bester und einmal zweitbester Schweizer (Gesamtzweiter), Liegend mit dem 50-m-Gewehr siegte er zweimal, und in der Dreistellung resultierte nach zwei zweiten Plätzen der zweite Schlussrang. «Im Grossen und Ganzen bin ich mit diesen Wettkämpfen zufrieden», meint Dürr. Den einen oder anderen Punkt hätte er gerne noch herausgeholt. Doch, wie er sagt, herrschten an diesen Selektionswettkämpfen nicht die optimalsten Bedingungen, um den hohen Limiten, anzusiedeln in den Top 20 der Welt, gerecht zu werden.

Nicht mehr weit weg von der Elite-Spitze

«Zwei, drei Schritte muss ich noch machen, um zur Elite-Weltspitze aufzuschliessen», weiss Christoph Dürr. «Aber ich bin nicht mehr allzu weit weg, es geht vorwärts.» Den Ernstkampf im Trainingslager geübt Um sich perfekt auf die Weltmeisterschaften vorzubereiten, reiste die Schweizer Delegation Anfang August nach Frankreich in ein internationales Trainingslager. Mit von der Partie waren neben den Franzosen auch Sportschützen aus Italien, den Niederlanden und Grossbritannien. «Das bringt sehr viel», sagt Dürr. Er schätzt die Testwettkämpfe gegen die anderen Nationen. «So sehe ich, wie ich innereuropäisch stehe.»

Doch es wird nicht nur eifrig geschossen. Christoph Dürr beobachtete auch genau, was die anderen Schützen machen. In den Gesprächen werden Fragen gestellt, Tipps geholt. «Die Arrivierten geben eher was Preis als die jungen Schützen», erläutert Dürr. Ein gutes Gespräch führte er mit einem Meister seines Fachs, dem Italiener Marco Di Nicolo, der in dieser Saison bei einigen Weltcups auf dem Podest stand. «Er war recht offen und es war sehr interessant.»

Gute Erfahrungen gesammelt

Und was nimmt der Gamser mit aus Frankreich? «Ich bin ganz zufrieden mit mir. Ich habe ein paar Sachen aufgedeckt, die ich auf der WM verbessern muss. Viel gebracht haben ihn die Einheiten in einem windanfälligen Schiessstand. «Denn es wird vermutet, dass es in Südkorea ebenfalls windig wird. Ich habe gute Erfahrung gesammelt.» Ausserdem konnte Dürr betreffend Wettkampfvorbereitung Automatismen üben. Denn die Zeit vor dem Schiessen kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Doch bevor er Ende August abreist, muss er sich noch um ein wichtiges Detail kümmern. «Der Sitz an meiner Schiessjacke ist nicht perfekt.» Beim Kniend-Anschlag spannt die Jacke zu sehr.