Führte eine Böe zum Absturz der Staubernbahn-Gondel?

Die Untersuchungen des Unglücks bei der Staubernbahn dürften noch eine Weile andauern. Dass der Grund ein technisches Versagen war, ist für den Erbauer der neuen Bahn jedoch sehr unwahrscheinlich.

Miriam Cadosch
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Aus dieser bergwärts fahrenden Kabine wurden acht Passagiere unverletzt geborgen. (Bild: Kantonspolizei)

Aus dieser bergwärts fahrenden Kabine wurden acht Passagiere unverletzt geborgen. (Bild: Kantonspolizei)

Am Mittwochabend stürzte die talwärts fahrende Kabine der Staubernbahn zwölf Meter in die Tiefe. Es dürfte noch eine Weile dauern, bis die Untersuchungen zur Unglücksursache abgeschlossen sind. Diese laufen aktuell auf Hochtouren.

Auf höchste Sicherheitsstandards überprüft

Erst im Frühling dieses Jahres wurde die Bahn in Betrieb genommen und auf die höchsten Sicherheitsstandards überprüft. Die Betreiberfamilie Lüchinger hat freiwillig die höheren Sicherheitsstandards des Bundes für die Bahn eingehalten, der Kanton hat sie zum Betrieb frei gegeben.

«Natürlich kann die Sicherheit nie zu 100 Prozent gewährleistet werden, jedoch ist ein technisches Problem kaum möglich. Die Bahn wurde bei der Inbetriebnahme auf Herz und Nieren überprüft», sagt Staubern-Mediensprecher Ralph Dietsche.

Keine technischen Mängel festgestellt

Das Unglück betrifft auch die Firma Bartholet Maschinenbau AG aus Flums, welche die Staubernbahn erbaut hat. Eine lückenlose Aufklärung der Absturzursache hat für sie oberste Priorität, um gegebenenfalls Massnahmen zu ergreifen. Auch Verwaltungsratspräsident Roland Bartholet geht nicht davon aus, dass ein technisches Problem vorhanden war: «Nach heutiger Technologie ist es praktisch unmöglich, dass eine Kabine einfach so aus dem Seil springt», erklärt er.

Das Unternehmen war bei den Bergungsarbeiten dabei. Die Gondel wurde bereits überprüft und befindet sich nun in den Werken von Bartholet Maschinenbau. Erste Untersuchungsergebnisse bestätigen die Aussagen von Ralph Dietsche und Roland Bartholet: Es wurden keine technischen Mängel festgestellt.

Eine Böe verursachte vermutlich den Absturz

«Die Staatsanwaltschaft konnte an der Kabine nichts feststellen, das beispielsweise auf eine Kollision hindeutet und dadurch den Absturz erklären würde», sagt Roland Bartholet. Alles deute darauf hin, dass die Witterungsverhältnisse schuld am Unglück sind.

«Die Kabinen sind mit Sensoren ausgestattet, welche die Anlage bei zu starkem Wind stoppen. Die Toleranzanzeige, welche man in Absprache mit dem Bundesamt für Verkehr bestimmt hat, wurde an diesem Abend nicht überschritten. Allerdings gab es um die Staubernkanzel sehr starke Richtungswechsel des Windes. Vermutlich hob eine massive Querböe die Kabine aus dem Seil.»

«Messanlage ist ganz normal gelaufen»

Gab es also einen Fehler in der Messanlage, so dass die Bahn nicht mehr hätte fahren dürfen? Noch werden die Föhnmessungen von der Staatsanwaltschaft untersucht. «Nach jetzigem Kenntnisstand ist die Messstation aber ganz normal gelaufen», erklärt Ralph Dietsche.

Roland Bartholet kann sich eigentlich nur vorstellen, dass die Kabine seitlich zu stark geschaukelt hat und so aus dem Tragseil sprang. Das Problem sei, dass die Geschwindigkeit des Föhns gemessen werden kann, nicht aber einzelne Böen. Solche können plötzlich auftreten und einiges stärker sein. Ergreift eine solche Böe die Kabine von vorne oder hinten, ist dies kein Problem. Seitlich könne sie allerdings nur bis zu einem gewissen Grad auspendeln, was in diesem Fall vermutlich nicht mehr möglich war.

Die Seitwärtsschwingungen der Kabinen werden allerdings aufgezeichnet und in den laufenden Untersuchungen ebenfalls überprüft. Erst dann kann mit Sicherheit gesagt werden, ob wirklich eine Querböe die Kabine zu Fall brachte. Sollte sich der Verdacht bestätigen, ist noch nicht bekannt, ob und was für Massnahmen ergriffen werden müssen.