Tobey Lucas war im Fabriggli zu Gast: «Freue mich, nicht nur vor Handys zu spielen»

Bei Tobey Lucas kamen am «Bliib dahai»-Festival im Fabriggli Buchs Heimatgefühle auf.

Christian Imhof
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Auch wenn man es seiner «Züri-Schnorre» nicht anhört, ist der 36-Jährige tatsächlich in Buchs aufgewachsen und ging sogar bei Fabriggli-Präsidentin Katrin Schertler in den Kindergarten. Nach der gefühlvollen akustischen Performance für das Lockdown-Festival des Fabriggli nahm der Musiker auf dem roten Sofa Platz und sprach mit Qultur-Verleger Christian Imhof über Countrymusik im Allgemeinen, seinen letztjährigen Weihnachtssong und die Musikszene Schweiz nach Covid-19.

Musiker Tobey Lucas und Gastgeber Christian Imhof auf dem Fabriggli-Sofa.

Musiker Tobey Lucas und Gastgeber Christian Imhof auf dem Fabriggli-Sofa.

Bild: PD

Ein Weihnachtssong als Appetizer

«In der Schweiz gibt es eine grosse und ziemlich lebendige Country-Musik-Szene. Diese wird einfach vom Radio und den Zeitungen komplett ignoriert», erklärt Tobey Lucas ein wenig ratlos den aktuellen Stand seines Genres. Doch er, der mit bürgerlichem Namen Lukas Zehnder heisst, wolle dies ändern. Es gehöre ein wenig zu seiner Mission, die Szene bekannter zu machen. Durch das Gitarrenspielen und Musizieren sei er überhaupt erst bei dieser Musik gelandet und sie habe ihn nie mehr losgelassen. Country ist eine Form von Musik bei der das gemeinsame Musizieren, sowie die schönen Melodien im Mittelpunkt stehen, erklärt Lucas mit viel Begeisterung.

«Es ist die reinste Form, um Musik zu zelebrieren.»

Die grosse Medienpräsenz, die er und seine Kollegin Anna Känzig durch den Coop-Weihnachtssong erhalten haben, habe sein Leben nicht komplett auf den Kopf gestellt. Das Lied «A Million Years» werde auch heute noch gerne bei Wunschkonzerten gewünscht und habe einige Menschen neugierig auf seine anderen Songs gemacht. Seine Musik lasse sich am besten als Countryrock einordnen, wobei er dafür gerne den Begriff «Nashville Style made in Switzerland» verwende.

Die Unsicherheit in der Branche ist gross

Auf die Frage, wie ihn die Coronakrise getroffen habe, gibt er offen zu, dass es «eine Katastrophe» sei. Diesen Sommer hätten einige grosse Open-Air-Konzerte auf dem Tourplan gestanden, welche glücklicherweise grösstenteils auf das nächste Jahr verschoben werden. Doch das sei noch gar nicht alles. Vielen Menschen gefalle es sehr im Western-Style zu heiraten. Dort trete er dann gerne als Hochzeitsmusiker auf, was in diesem Sommer leider auch nicht gehe. Finanziell sei es eine krasse Situation, da doch viele tausend Franken im Bandbudget fehlen, gibt der Musiker offen zu. Da er neben der Musik noch berufstätig ist, sei die Situation glücklicherweise für ihn persönlich nicht existenzbedrohend, aber das Projekt Tobey Lucas sei fast ein wenig wie eingefroren. «Ich kann durchaus kreativ sein und mit meinem Handy Musik aufnehmen, aber die coolen Projekte, die auch viel Geld kosten, bleiben im Moment auf der Strecke.» Doch die Ausnahmesituation biete auch immer Chancen, wie das «Bliib Dahai»-Festival oder ein von ihm bespieltes Livestream-Fest einer Brauerei, wo er vor drei Handys gespielt habe. «Wir sind kreativ. Wir gehen den Weg und lassen uns nicht aufhalten. Wir haben gute Laune und das Lächeln bringt uns niemand weg. Musik lebt. Aber ich freue mich auf die Zeit, wenn ich nicht nur vor Handys spielen muss.»

Tobey Lucas im Fabriggli zu Gast.

Tobey Lucas im Fabriggli zu Gast.

Country-Feeling am «Bliib dahai»-Festival

Das produzierte Livevideo von der Solo-Performance von Tobey Lucas soll die Stimmung des Fabrigglis direkt zu den Zuschauern nach Hause bringen. Aus diesem Grund sind am Festival professionelle Ton- und Lichttechniker vor Ort gewesen, die den Kameraleuten die Arbeit erleichtert haben. Bis im Juni gibt es jeweils am Montag und Donnerstag ein Konzert und einen Talk, der die Stimmung heben und den Leuten noch ein wenig zum Durchhalten motivieren soll. Es besteht die Möglichkeit, während der Ausstrahlung des Festivals freiwillig einen Beitrag zu spenden. Dieses Geld wird dann zu gleichen Teilen an die Künstler und Techniker aufgeteilt. Dies soll nicht nur den Ausfall an Gagen dämmen, sondern auch als eine Wertschätzung an alle Kulturschaffenden gesehen werden.

Hinweis
Den Solidaritätsbeitrag bitte mit dem Vermerk «Bliib dahai» bis am 15. Juni auf folgendes Konto überweisen: IBAN CH63 0483 5072 1226 7100 0, Werdenberger Kleintheater Fabriggli, Schulhausstrasse 12a, Buchs.