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Freispruch für drei Landwirte: Was einem Nachbarn stank, stank keineswegs zum Himmel

Vor dem Kreisgericht mussten sich drei Landwirte verantworten, weil sie angeblich zur Unzeit gedüngt hatten. Sie wurden freigesprochen.
Reinhold Meier
Das Gericht sah keine Beweise für eine Düngung mit Mist zur Unzeit und keinen Schaden, der dabei entstanden wäre. (Bild: Benjamin Manser)

Das Gericht sah keine Beweise für eine Düngung mit Mist zur Unzeit und keinen Schaden, der dabei entstanden wäre. (Bild: Benjamin Manser)

Die dreistündige Verhandlung am Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland über die vermeintlichen Vergehen der drei Bauern setzte neben juristischer Sachkenntnis für einmal auch vertieftes Know-how über die Aggregatszustände von Kuhmist voraus.

Gülle ist nicht das Gleiche wie Mist

Denn was dem Laien Jacke wie Hose ist, ist für Experten sauber zu unterscheiden. Das belegten die Ausführungen der Landwirte eindrücklich. So gilt es zunächst, nicht Gülle mit Mist zu verwechseln, jene ist flüssig, dieser hingegen fest, und zwar je nach Einstreu-Anteil, mehr oder weniger verrottungsresistent.

Ebenso wichtig ist sein Stickstoffanteil, bewirkt er doch die Düngewirkung, aber auch die Intensität der Duftnote. Kommt hinzu, dass flüssige Gülle rascher in den Boden dringt, sich aber je nach Temperatur auch schnell verflüchtigen kann, also gleichsam verdampft, bevor sie befruchtend versickert.

Das ist dann buchstäblich Mist, für die Pflanze und den Bauer. Und wohl, rein geschmacksmässig, auch für die Anwohner.

«Bedingungen waren perfekt»

Darum setzt der versierte Landwirt von heute auf eine Kombinationslösung. «Mit der Gülle werden die Jungpflanzen zunächst ‹angefüttert› und mit dem Mist später kontinuierlich versorgt», erklärte einer der Beschuldigten das Grundprinzip gekonnten Mistens.

Mit Nachdruck betonten die Angeklagten denn auch, dass sie bei ihrer Düngeaktion Anfang Februar eben keinesfalls «Gülle »geführt hätten, sondern Mist mit langfristiger Wirkung. Schliesslich sei ihnen klar, dass Dung nur dann ausgebracht werden dürfe, wenn ihn die Pflanzen aufnehmen könnten, also in der Vegetationsphase.

Da aber das Wetter günstig und für die nächsten Tage Vor-Frühling ins Haus stand, hätten sie ganz arglos getan, was sie schon an der Landwirtschaftsschule gelernt hätten und den Saisonstart eingeleitet.

«Ich habe nicht im Traum daran gedacht, dass das falsch sein könnte»

hiess es. Der Mist habe denn auch wie geplant in den folgenden Tagen seine förderliche Wirkung nach und nach abgegeben. Es habe kein Schnee gelegen, der Boden war nicht gefroren und nicht wassergesättigt, alles rechtens also, erklärten sie. Ein Landwirt habe es halt im Gefühl, wann die Natur starte, und das sei eben an jenem 7.Februar der Fall gewesen.

«Die Bedingungen waren perfekt, wir arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie.»

Auch seien weitere Kollegen aufgebrochen und in Nachbarorten düngend auf dem Feld gewesen, ohne Reklamationen. «Wir sind einfach die schwarzen Schafe», beklagten sie die Ungleichbehandlung.

Der Staatsanwalt beharrte aber darauf, dass an jenem Tage rund um den Gonzen noch Vegetationsruhe herrschte. Er forderte Geldstrafen in Höhe von jeweils zehn Tagessätzen, bedingt, bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Nachbarschaftsstreit in der Luft?

Die Beschuldigten erklärten sich für unschuldig und zeigten sich vielmehr spürbar verärgert über den anonymen Anzeiger. «Der soll doch ‹herrestoah›», forderten sie.

Das Gericht sprach sie schliesslich frei. Dies vor allem, weil das Gesetz keine stichfesten Angaben darüber enthält, wann denn nun im Einzelfall exakt die Vegetationsphase beginnt. «Es gibt keine allgemeingültige Regelung.» Klar sei immerhin, dass es nach dem 7.Februar länger und überdurchschnittlich warm geworden sei. Die Wetterschmöcker lagen also richtig. Auch Beweisfotos konnten keine Schuld belegen. Und Schaden sei keiner entstanden.

Es gibt Gründe für anonyme Anzeige-Möglichkeit

Die Freisprüche bringen es mit sich, dass der Staat die Verfahrenskosten zu tragen hat, rund 2000 Franken pro Kopf. Der Ärger über die anonyme Anzeige sei zwar nachvollziehbar. Der Gesetzgeber habe aber gute Gründe für diese Möglichkeit. So liege es auf der Hand, dass etwa bei Delikten in der Familie oder auf der Arbeit schwächer Gestellte sich ohne Schutz der Anonymität kaum wehren könnten. Und wegen des Gleichheitsgrundsatzes, müsse das eben immer gelten.

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