Frauenstimmrecht
«Lasst Euch nicht klein machen»

Zum Jubiläum «50 Jahre Frauenstimmrecht» gab’s Beispiele, wie Frauen weiter benachteiligt werden.

Thomas Schwizer
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Käthi Gut (rechts) überreichte den Referentinnen (von links) Hildegard Fässler, Andrea Scheck, Claudia Friedl, Hanna Sahlfeld-Singer und Barbara Gysi ein kleines Geschenk.

Käthi Gut (rechts) überreichte den Referentinnen (von links) Hildegard Fässler, Andrea Scheck, Claudia Friedl, Hanna Sahlfeld-Singer und Barbara Gysi ein kleines Geschenk.

Thomas Schwizer

Von Hanna-Sahlfeld-Singer (Jahrgang 1943), 1971 eine der ersten Frauen im Nationalrat, bis zu Andrea Scheck (Jahrgang 1992), Präsidentin der SP-Kantonalpartei St. Gallen, waren sich an der Jubiläumsveranstaltung der SP Werdenberg alle Referentinnen einig: Auch 50 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz ist die volle Gleichberechtigung noch nicht überall erreicht.

Im zahlreichen Publikum in der «Flös»-Aula waren auch Männer, die erfuhren, wie es vor 50 Jahren in der Schweiz um die Gleichberechtigung stand, wie SP-Politikerinnen die heutige Situation beurteilen und wo sie noch Handlungsbedarf sehen. Souverän durch den Anlass führte Tamara Cucuz, Vorstandsmitglied der SP Buchs.

Der Buchser Gemeindepräsident Daniel Gut (SP) stellte in seinen Grussworten fest: In unserer Gesellschaft müsste eine volle Gleichberechtigung eigentlich selbstverständlich sein. Und die Buchser SP-Ortsparteipräsidentin Barbara Gähwiler konstatierte:

«Noch heute ist die Situation mit der Gleichberechtigung der Frauen nicht immer so, wie sie sein sollte.»

Männer fragten sich: «Kann diese Theologin das?»

Danach stellte sie Hanna Sahlfeld-Singer vor. Die St. Galler Theologin war eine der elf Frauen, die 1971, nach Einführung des Frauenstimmrechts, in den Nationalrat gewählt wurden. Die 77-Jährige teilte interessante Erinnerungen aus jener Zeit.

Wegen des damaligen Verbotes einer Doppelfunktion in Kirche und Politik musste sie als Nationalrätin ihren Beruf aufgeben, engagierte sich aber unentgeltlich im sozialen und kirchlichen Bereich. Ihr Anfang im Parlament sei von Frauen, und auch einzelnen Männern, mit gutem Willen begleitet worden. Es gab aber andere, die sich fragten: «Kann diese Theologin das?» Sie habe sich dafür eingesetzt, Lücken zu finden, wegen denen Schwache in der Gesellschaft benachteiligt werden.

Trotz Wiederwahl trat sie Ende 1975 zurück, folgte ihrem Mann nach Deutschland und wirkte dort als Pfarrerin. Die CDU überreichte ihr als SPD-Frau dort einen Bürgerpreis für ihr ökumenisches soziales Engagement. Hanna Sahlfeld-Singer appellierte an die jungen Frauen:

«Unterschätzt die Basisarbeit auf Gemeinde- und Kantonsebene nicht!»

1971 existierte übrigens das Stimm- und Wahlrecht der Frauen auf diesen beiden Staatsebenen noch nicht.

Höherer Frauenanteil ist positiv spürbar

Bis 1985 hätten Frauen, gemäss dem damaligen Eherecht, keine Verträge unterzeichnen dürfen, sagte Claudia Friedl in einer Diskussion, die alt Nationalrätin Hildegard Fässler leitete. Und als sie in Bern einen Job bekommen habe, habe der Chef vor den Mitarbeitenden gesagt, dass er sie nehmen musste, weil sie eine Frau ist. Und er sagte nebenbei, sie sei auch die beste Bewerberin gewesen. Wegen solcher Sachen habe sie sich politisch engagiert. Sie habe sich gewehrt und überall Recht bekommen. Situationen, in denen Frauen noch nicht gleichgestellt seien, möchte sie ändern.

Barbara Gysi setzt sich dafür ein, dass in beruflichen Frauendomänen, die oft schlecht entlöhnt sind, Gesamtarbeitsverträge eingeführt werden. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, auch durch mehr Teilzeitarbeit und günstigere Kinderbetreuung, müsse klar verbessert werden – für Frauen und Männer.

Claudia Friedl, Barbara Gysi und Hildegard Fässler schilderten ausserdem, dass Politikerinnen in TV-Diskussionen und im Parlament öfter unterbrochen werden und weniger Redezeit erhalten als Männer. Die Situation habe nun aber verbessert, dank mehr gewählten Nationalrätinnen.

Oft werden Vorurteile im «Kleinen» deutlich

Die Präsidentin der SP-Kantonalpartei, Andrea Scheck, schilderte persönliche Erfahrungen von Vorurteilen gegenüber Frauen. «Wer sagt zu einem Mann bei der Arbeit: ‹Du bist gut angezogen› oder ‹du siehst heute gut aus?› Den SP-Frauen gehe es «um den Respekt, um die volle Gleichberechtigung und Gleichstellung in allen Bereichen».

Am Schluss wurde Käthi Gut für die Organisation dieses Anlasses und bei weiteren Anlässen gelobt.

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