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Frauen arbeiten viel gratis und leisten in der Region Werdenberg mehr Freiwilligenarbeit

Heute streiken Frauen. Sie leisten nicht nur sichtbare Arbeit, die weniger entlöhnt wird, sondern auch unsichtbare.
Alexandra Gächter
Frauen streiken heute. Unter anderem weil die Wirtschaft auf ihre Kosten spart. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Frauen streiken heute. Unter anderem weil die Wirtschaft auf ihre Kosten spart. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Die Wirtschaft und Politik spart auf Kosten der Frauen. Etwa bei den öffentlichen Ausgaben für Betreuungs- und Pflegeangebote. Das fällt auf die Frauen zurück. Sie schliessen die Lücken, sei es mit Gratis-Familienarbeit, Gratis-Pflegearbeit oder öffentlicher Sozialarbeit. Anstatt gut ausgebildetes und fair bezahltes Kinderbetreuungspersonal anzustellen, werden billige Praktika angeboten. Bedarfsgerechte Spitex-Angebote und genügend lange Spitalaufenthalte will sich die Wirtschaft nicht leisten. Die Familien – und damit gemeint sind meist die Frauen – werden sich schon irgendwie organisieren, um die Lücken zu schliessen. Frauen leisten schweizweit eine gesellschaftlich notwendige Arbeit im Wert von jährlich 250 Milliarden Franken gratis. Dies schreibt das Komitee «Frauenstreik» auf seiner Website.

Dreimal gespart auf dem «Buckel» der Frau

Als Beispiel wird auf der Website eine Frau zitiert, die ihr Lehrerpensum kürzen musste, um ein todkrankes Familienmitglied zu pflegen. Der Kanton sparte durch sie gleich dreimal: Lohn- und Pflegekosten sowie Pensionskassengelder. Letztere wurden gestrichen, weil wegen einer kantonalen Sparrunde die Pensionskassenzahlungen unter einem gewissen Einkommen sistiert wurden. In der Region Werdenberg sind es ebenfalls die Frauen, die mehr Freiwilligenarbeit leisten. Beim Diakonieverein Werdenberg sind von 100 Freiwilligen 80 Prozent weiblich. Sie leisten Besuchsdienste bei Betagten, begleiten Schwerkranke und Sterbende, helfen Flüchtlingen und helfen bei der Lebensmittelabgabe, an Mittagstischen, Kaffeetreffen und Gesangsnachmittagen für Senioren. «Frauen sind sozial engagierter. Sie haben einen ausgeprägteren Fürsorgeinstinkt», sagt die Diakonische Mitarbeiterin Elke Pereyra. Da die heutigen Frauen sehr eingebunden sind im Beruf, sei es schwierig, genügend, Freiwillige zu finden. Schön sei, dass gerade für praktische Arbeiten wie Fahrdienste und Abladen von Lebensmitteln vermehrt Männer gewonnen werden können.

Freiwilligenarbeit wird zudem in allen Alterswohnheimen der Region Werdenberg, im Pflegeheim Werdenberg und im Spital Grabs geleistet. Die Palette des Angebotes ist gross: Es gibt zum Beispiel Ausflüge, Spielnachmittage, Gespräche und Spazierbegleitdienste. «Es ist ein sehr wichtiger Dienst, der im Verborgenen passiert», sagt die Leiterin des Alterswohnheims Wartau Beatrice Disch.

Im Altersheim Gärbi und im Spital Grabs sind es nur Frauen, die solche unbezahlte Arbeit leisten, im Betagtenheim Wartau, im Stütlihus Grabs und Pflegeheim Werdenberg sind es zu zwei Dritteln Frauen. Im Altersheim Möösli sind es 80 Prozent. Ähnlich ist das Verhältnis im Altersheim Forstegg und im Haus Wieden Buchs. Von den 43 Freiwilligen in Buchs sind 37 Frauen, die sich für die Lebensqualität der Bewohner engagieren. Die Freiwilligen begleiten die Bewohner zu Arztbesuchen, in den Gottesdienst, zum Einkauf ins Zentrum oder lesen etwas vor. Gerade bei Bewohnern, die keine Familie mehr haben, die Familie weit weg wohnt oder nicht so viel Zeit hat, ist diese Freiwilligenarbeit von unschätzbarem Wert.

Männer leisten zunehmend Freiwilligendienst

Erfreulich ist, dass in der Region Werdenberg im Vergleich zu früher immer mehr Männer Freiwilligenarbeit leisten. Das kommt auch den älteren und pflegebedürftigen Männern in der Region zugute. Denn diese interessieren sich nicht alle für die von Frauen angebotenen Tätigkeiten wie Reden, Stricken oder Singen. Einige Männer sind froh, wenn es praktische Angebote von Männern für Männer gibt, wie zum Beispiel die Männerstammtischrunde im Pflegeheim Werdenberg.

Auch helfen freiwillige Männer, wenn es darum geht, mit einem rollstuhltauglichen Velo zu fahren oder mit einer Gruppe zu jassen. Im Stütlihus Grabs arbeiten einige Männer mit Begeisterung freiwillig bei der Werkstube mit.

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