Roland Huber, Kommandant der ZSO-Werdenberg: «Frauen könnten Zivilschutz leisten»

Rekrutierungsprobleme, wenn auch im Werdenberg derzeit noch kein Thema, sind künftig nicht ausgeschlossen.

Heini Schwendener
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Feuerwehr und Zivilschutz gemeinsam im Einsatz bei den Wasserschäden im August im Raum Wetti (Grabs-Buchs).

Feuerwehr und Zivilschutz gemeinsam im Einsatz bei den Wasserschäden im August im Raum Wetti (Grabs-Buchs).

Bilder: PD

Die Zeitung «Südostschweiz» machte kürzlich auf ein grosses Problem Graubündens aufmerksam. In unserem Nachbarkanton müssten jährlich 160 Personen für den Zivilschutz rekrutiert werden, um über die Jahre den Sollbestand von 2500 Leuten zu erreichen. Doch im 2018 waren es 123 und 2019 gar nur noch 95 Leute, welche für den Zivilschutz Graubünden rekrutiert wurden.

Beim WK im Herbst wurde die neue Feldküche in Betrieb genommen.

Beim WK im Herbst wurde die neue Feldküche in Betrieb genommen.

Im Werdenberg sieht die Situation viel besser aus: Der Bestand liegt leicht über dem Soll und die Reserven sind (noch) üppig. Aber Roland Huber, Kommandant der seit 2019 bestehenden Zivilschutzorganisation (ZSO) Werdenberg, sagt: «Rekrutierungsprobleme scheinen mir künftig nicht mehr ausgeschlossen.»

Kürzere Dienstzeit, Armee ist weniger wählerisch

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Ende 2019 hat das Schweizer Parlament das revidierte Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetz abgesegnet. Es sieht ab dem kommenden Jahr eine Verkürzung der Dienstpflicht für Zivilschützer von 20 auf nur noch zwölf Jahre vor. Die Reserven im Kanton St.Gallen, bestehend vor allem aus «Älteren», würden somit schnell schwinden. Weitere Faktoren sind die schwächeren Jahrgänge und die gelockerten Tauglichkeitskriterien für gewisse Armeefunktionen.

ZSO Werdenberg 2019

Die auf Anfang 2019 installierte Zivilschutzorganisation Werdenberg hat im vergangenen Jahr an 44 Anlässen 81 Einsatz- bzw. Ausbildungstage geleistet. Dadurch wurden gemäss Auskunft des Kommandanten Roland Huber 1967 Diensttage generiert.
Die 313 aktiven Zivilschützer der ZSO Werdenberg leisteten im vergangenen Jahr folgende Einsätze: An 72 Tagen stand Ausbildung auf dem Programm. Während acht Tagen war die ZSO zu Gunsten der Gemeinschaft im Einsatz. Ausserdem leisteten Zivilschützer aus der Region Werdenberg einen Tag Nothilfe, als es im August bei der Wetti im Raum Grabs-Buchs zu Feuerwehreinsätzen wegen überfluteter Keller kam. (she)

Roland Huber, Kommandant ZSO Werdenberg.

Roland Huber, Kommandant ZSO Werdenberg.

Bild: Heini Schwendener

Kein Schweizer kann sich freiwillig zum Zivilschutz melden. Dem Zivilschutz bleiben nämlich jene übrig, die bei der Aushebung für den Armeedienst untauglich sind und die nicht Zivildienst leisten wollen. Die ZSO Werdenberg könne zwar ihre Personalbedürfnisse einreichen, was ihr aber letztlich zugewiesen werde, darauf habe sie keinen Einfluss, erklärt Roland Huber. Bisher hätten sich Angebot und Nachfrage aber einigermassen gedeckt, «zurzeit haben wir eher genug bis zu viele Pioniere und könnten mehr Materialwarte und Leute für die Führungsunterstützung gebrauchen». Durch interne Umschulungen könne man dem etwas entgegenwirken, sagt der Kommandant.

Etwas Handlungsbedarf beim Kader

Auch bezüglich seines Kaders hat die ZSO Werdenberg noch einen gewissen Handlungsbedarf. Roland Huber stellt nach seinem ersten Jahr als Kommandant fest:

«Unser Kader ist sehr motiviert und gut ausgebildet. Aber es sind noch nicht alle Funktionen besetzt. In diesem Bereich steht uns also noch Arbeit bevor. Zum Glück sind aber auch schon Leute von sich aus auf uns zugekommen, die sich für eine Kaderausbildung interessieren.»

Früher war der Zivilschutz fast noch gemeindeweise organisiert, später gab es kantonsweit noch 20 Zivilschutzorganisationen. Diese Zahl wurde im Rahmen der Zivilschutzreform 2015+ auf acht reduziert. Diese acht ZSO sind mit dem gleichen Grundmaterial ausgerüstet, das damit ebenso wie das Personal problemlos untereinander ausgeliehen werden kann. In jeder ZSO ist ausserdem jederzeit ein Zug mit 30 Mann einsatzbereit. Somit sei die neue ZSO im Kanton St.Gallen trotz wesentlich geringerem Personalbestand besser für Einsätze vorbereitet als früher, sagt Huber.

In einem WK wurde dieser Rechen in einem Gamser Bergbach als Hochwasserschutzmassnahme erstellt.

In einem WK wurde dieser Rechen in einem Gamser Bergbach als Hochwasserschutzmassnahme erstellt.

Potenzial der Frauen ist bei weitem nicht ausgeschöpft

Sieht der Kommandant der ZSO Werdenberg Möglichkeiten, einem potenziellen Personalengpass in Zukunft vorzubeugen? Zu den Diskussionen auf nationaler Ebene mag sich Roland Huber nicht im Detail äussern, da brauche es letztlich politische Entscheide. Er weist aber darauf hin, dass Schweizerinnen bereits heute freiwillig Zivilschutz leisten können. Gleiches gilt auch für niedergelassene Ausländer mit C-Bewilligung. Vor allem im Fachbereich Betreuung könnte das Potenzial der Frauen eine grosse Hilfe sein. In der ZSO Werdenberg hat es noch keine Frauen.

Zusammenführung hat geklappt

Im Rahmen der kantonalen Zivilschutzreform 2015+ wurden die beiden Werdenberger Zivilschutzorganisationen (ZSO) Nord und Süd zur ZSO Werdenberg zusammengeführt. Um zu sparen, musste im Kanton nämlich die Zahl der ZSO von 20 auf 8 reduziert werden. Ausserdem gibt es auch weniger Zivilschützer als früher. In der ZSO Werdenberg wurde der Bestand aktiver Zivilschützer von über 400 auf nunmehr 313 reduziert.
Ziel der Reform ist es, Effizienz und Flexibilität des Zivilschutzes zu steigern. So wurden die Führungen der Organisation professionalisiert. Oberstlt Roland Huber ist seit Januar 2019 Kommandant der ZSO Werdenberg. Nach dem ersten Jahr zieht er Bilanz.

Bestand über dem Soll, und ausserdem viele Reservisten

313 aktive Zivilschützer kommandiert Roland Huber, «das sind 13 Leute mehr als der Kanton für die Zivilschutzorganisation Werdenberg vorgibt.» Von Personalproblemen, die in anderen Kantonen teils ausgeprägt sind, ist die ZSO Werdenberg also weit entfernt, zumal sie noch über 119 ausgebildete Zivilschützer in der Reserve verfügt – vor allem Leute im Alter ab 35 Jahren.

«Das erste Jahr der ZSO Werdenberg ist gut angelaufen», zieht Huber Bilanz. Im ersten Halbjahr 2019 sei es darum gegangen, die neue Organsiation zu installieren. Es wurde aber auch mit der Mannschaft intensiv gearbeitet. Roland Huber erklärt:

«Wir haben die Grundfähigkeiten der Zivilschützer gefestigt. Ein zweiter Schwerpunkt galt der Alarmierung.»

Und schliesslich gab es auch Einsatzübungen für Umweltereignisse. Das Echo der Mannschaft auf die neue ZSO bezeichnet Huber als gut und die Kaderleute seien gut ausgebildet und sehr motiviert.

Blick in die Feldküche.

Blick in die Feldküche.

Ihr Wissen, Können und ihre Einsatzbereitschaft konnte die ZSO Werdenberg im August 2019 unter Beweis stellen, als die Wetti Hochwasser führte und im Raum Grabs und Buchs Keller geflutet wurden. «Mit unserem Personal und Material sind wir eine Ergänzung zu den Ersteinsatzkräften, in diesem Fall zur Feuerwehr», erinnert sich Huber zurück an die gute Zusammenarbeit der beiden Organisationen im Kampf gegen das Hochwasser.

Zusammenarbeit mit Blaulichtorganisationen fördern

Durch die Professionalisierung sei die Zivilschutzorganisation nun viel schneller einsatzbereit als früher und könne darum die Blaulichtorganisationen wirkungsvoll unterstützen, wenn diese am Anschlag seien. Roland Hubers Ziel ist es darum, die Zusammenarbeit mit ihnen zu suchen und weiter zu fördern.

Zivilschutzangehörige verrichteten nachhaltige Arbeiten in Buchs und im Wartau

Von Montag bis Freitag standen 66 Angehörige der Zivilschutzorganisation ZSO Werdenberg Süd in ihrem WK einmal mehr im sinnvollen Einsatz. Das heisst, es wurden anfallende Arbeiten im öffentlichen Raum für die Alpkorporation Schanerberg, Wartau sowie für die Stadt Buchs ausgeführt. Es waren anspruchsvolle Tätigkeiten, deren Resultate sich vor allem im Alpgebiet als massive und stabile Werke präsentieren.
Hansruedi Rohrer