Werdenberg
«Solch ein Fund ist wie ein Goldschatz» – Im Schloss Werdenberg startet die Saison

In diesem Jahr rücken im Schloss Werdenberg die Frauen ins Zentrum. Am 1. April ist Saisonbeginn. Bei Forschungen für die neue Ausstellung im Schloss kam bisher Unbekanntes zu Tage.

Corinne Hanselmann
Merken
Drucken
Teilen
Thomas Gnägi, This Isler, Maja Suenderhauf und Constanza Filli Villiger (von rechts) beim Medienrundgang im Schloss Werdenberg.

Thomas Gnägi, This Isler, Maja Suenderhauf und Constanza Filli Villiger (von rechts) beim Medienrundgang im Schloss Werdenberg.

Corinne Hanselmann

Hier fehlt noch das passende Glas für eine Vitrine, dort muss ein Ausstellungsgegenstand noch korrekt beschriftet werden. Im Schloss Werdenberg befinden sich die Verantwortlichen in den letzten Zügen für die Eröffnung der Ausstellung «Schlossfrauen» am 1. April. Anlässlich eines Medienrundgangs durfte der W&O gestern bereits einen Augenschein nehmen.

Aus dem letztjährigen Jahresthema «Gross und Klein» ist wegen der vielen Absagen aufgrund des Coronajahres 2020 ein Zweijahresthema geworden. Durch einen Virus, dem es gelungen ist, die Welt monatelang vollkommen lahmzulegen, hat das Thema für 2021 eine ganz neue Dimension erhalten, schreibt der Verein Schloss Werdenberg in einer Medienmitteilung.

Die Illustrationen der Ausstellungstafeln stammen von der in Buchs wohnhaften Illustratorin Constanza Filli Villiger.

Die Illustrationen der Ausstellungstafeln stammen von der in Buchs wohnhaften Illustratorin Constanza Filli Villiger.

Corinne Hanselmann

Frauen prägten den Alltag

Anlässlich von 50 Jahre eidgenössisches Frauenstimmrecht rücken die Museen Werdenberg in der Saison 2021 jene Schlossfrauen ins Zentrum, die die 800-jährige Geschichte Werdenbergs merklich oder auch unmerklich geprägt haben. Eine Ausstellung, Führungen mit historischen Frauenpaaren und ein Theaterstück im September stehen unter anderem auf dem Programm.

Obwohl die Männer die geschriebene Schlossgeschichte dominieren, haben auch die Frauen die Geschicke des Alltags massgeblich geprägt. Nicht zuletzt war Frida Hilty, die letzte Besitzerin des Schlosses, ein ganz besonderer Teil der jüngeren Erzählung. Wer waren die früheren Bewohnerinnen? Gibt es Namen, vielleicht auch Geschichten?

Historikerin Maja Suenderhauf in der Ausstellung «Schlossfrauen».

Historikerin Maja Suenderhauf in der Ausstellung «Schlossfrauen».

Corinne Hanselmann

Recherchen für Ausstellung brachten Fotos zu Tage

Diesen und anderen Fragen ging das Kuratorenteam Thomas Gnägi, Maja Suenderhauf und This Isler nach. Bei ihren Recherchen fanden sie unter anderem bisher unveröffentlichte Fotos von Wilhelmina Dorothea Hiller, die als Gesellschafterin von Fräulein Hilty ebenfalls im Schloss wohnte.
Die Ausstellung «Schlossfrauen» macht im Schloss Werdenberg von 1. April bis 31. Oktober einige historische Schlossfrauen sichtbar. Die Illustrationen der Ausstellungstafeln im Schloss stammen von der in Buchs wohnhaften Illustratorin Constanza Filli Villiger.

In Hörtexten erzählen Frauen von früheren Zeiten

In einem ersten Teil der Ausstellung sprechen mittels Hörtext zwei Frauen aus jeder im Schloss repräsentierten Epoche zu den Besucherinnen und Besuchern. Sie erzählen aus ihrem Leben mit Sorgen und Hoffnungen. Die Berichte beruhen auf historischen Tatsachen, die gesprochenen Texte stammen aber – mit der nötigen Sorgfalt ausgedacht – aus der Gegenwart, denn solche sind aus dem Mittelalter oder aus barocker Zeit nicht dokumentiert.

Von den letzten Bewohnerinnen des Schlosses sind direkte Quellen erhalten. Von Fräulein Frida Hilty, die bis 1956 das Schloss bewohnte und es dann dem Kanton St.Gallen vermachte, gibt es sogar Briefwechsel und Fotografien. Zudem sind Erinnerungen von späteren Verwandten und Bekannten aus Erzählungen ihrer eigenen Eltern noch lebendig. Für den zweiten Teil der Ausstellung wird also mit Videointerviews und Quellenmaterial versucht, dem Wesen der letzten Bewohnerin des Schlosses etwas näher zu kommen, heisst es in den Unterlagen zur Ausstellung.

«Solch ein Fund ist wie ein Goldschatz»

Die Forschung von Thomas Gnägi, Leiter Schloss und Museen Werdenberg, und den Mitkuratoren Maja Suenderhauf und This Isler hat dazu geführt, dass sich Private und Nachfahren von früheren Schlossbewohnern meldeten, die etwa Fotomaterial besitzen. Eine Aufnahme von 1875 beispielsweise zeigt die Familie von Frida Hiltys Onkel Carl Hilty beim Schloss. Darauf sind auch Frida Hilty und ihre Geschwister als Kinder zu sehen.

Durch die Forschungen kam das Schloss Werdenberg zu verschiedenen Fotos mit Bezug zu den früheren Bewohnerinnen und ewohnern.

Durch die Forschungen kam das Schloss Werdenberg zu verschiedenen Fotos mit Bezug zu den früheren Bewohnerinnen und ewohnern.

Corinne Hanselmann

Im Rahmen der Recherchen ist zudem kürzlich ein Album aufgetaucht. Dr. Jakob Eggenberger aus Grabs hat es dem Schloss überreicht. Es enthält unter anderem Fotos der Eltern und Geschwister von Frida Hilty. Thomas Gnägi sagt:

«Wenn man hier im Schloss tätig ist und nie recht weiss, wer die Bewohner gewesen sind, ist solch ein Fund so etwas wie ein Goldschatz.»

«Wir haben schon einiges gewusst über die Familie Hilty, wenn auch zum Teil etwas vage», sagt Maja Suenderhauf. «Als wir für die Ausstellung zu ‹grübeln› anfingen, kam plötzlich das eine und das andere dazu.» Gnägi ergänzt:

«Das ist wichtig fürs Schloss, denn es ist ja nicht einfach eine leere Hülle, sondern hat eine Geschichte.»
Thomas Gnägi zeigt einige erst kürzlich gefundene Dokumente.

Thomas Gnägi zeigt einige erst kürzlich gefundene Dokumente.

Corinne Hanselmann

Auch von Fräulein Hiller, der Gesellschafterin von Fräulein Frida Hilty, sind Bilder aufgetaucht. «Wir wussten bis vor kurzem nicht, wie sie aussah. Jetzt haben wir Fotos und sie hat sozusagen ein Gesicht bekommen», sagt This Isler.

Schloss Werdenberg ist über Ostern geöffnet

Das Schloss Werdenberg mit der Ausstellung «Schlossfrauen» ist ab 1. April und auch über Ostern jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Eine erste besondere Re­enactment-Führung ist für den 24. April geplant. Weitere Informationen und geplante Veranstaltungen unter www.schloss-werdenberg.ch.