Flumserberg Ladies Open
Im Stechen die Nerven behalten: Nina Pegova gewinnt erstmals in der Schweiz

Nina Pegova (Russland) und Charlotte Back (Deutschland) waren am Finaltag der Flumserberg Ladies Open die Hauptprotagonistinnen. In der zweiten Playoff-Runde (Stechen) setzte sich dann die Russin durch.

Robert Kucera
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Siegerin der Flumserberg Ladies Open: Nina Pegova (Russland).

Siegerin der Flumserberg Ladies Open: Nina Pegova (Russland).

Robert Kucera

Punkt 16 Uhr holt die Russin Nina Pegova am samstäglichen Finalturnier der Flumserberg Ladies Open den Ball aus Loch neun heraus und bedankt sich mit einer kurzen Geste ans Applaus spendende Publikum. Ein Ansatz von Lächeln ist zu erkennen. Mehr nicht. Dabei hätte sie allen Grund zum Jubeln gehabt: Pegova hat soeben die Ladies Open auf dem Golfplatz Gams-Werdenberg für sich entschieden.

Ihre Energie steckt sie lieber ins Golfspiel, wie der letzte Wettkampftag gezeigt hat. Kraftvoll schlägt sie die Bälle vom Tee ins Fairway und im Anschluss ist sie es in ihrer Dreiergruppe, dem sogenannten Flight, die den kürzesten Weg aufs Green hat und letztlich auch beim Putting.

Niederlage von 2017 ist nun überwunden

Das genaue Spiel mit ausgezeichneten Längen betrachtet Nina Pegova im Nachhinein als wichtigen Schlüssel zum Erfolg:

«Alles lief heute gut für mich. Ich hatte an jedem Loch die Chance, ein Birdie zu machen.»

Die hat sie auch gut genutzt: Neun an der Zahl am finalen Samstag, was auch zum Sieg gereicht hätte. Doch es schlichen sich auf den letzten beiden Löchern Fehler im Spiel der 27-Jährigen ein. Nach zwei misslungenen Putts musste sie sich zwei Bogeys notieren lassen.

Somit ging es in ein Stechen mit der Deutschen Charlotte Back. Bei Nina Pegova kamen Erinnerungen an 2017 auf. Denn in Gams unterlag sie vor vier Jahren im Stechen Linda Henriksson (Finnland). «Ich dachte schon, das wird mein vierter zweiter Platz in diesem Jahr», sagt die erfolgreich spielende Russin, die in Spanien, Tschechien und Belgien die Siege knapp verpasst hat.

«Ich habe versucht, mich zu konzentrieren und das zu tun, was zu tun ist: Golf spielen.»

Was Pegova meisterlich umsetzte. «Ich bin sehr glücklich, hier gewonnen zu haben, und dass ich die Niederlage von 2017 überwinden konnte. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen», sagt sie ruhig, ohne Euphorie auszustrahlen. Wie sie festhält, werde sie den Erfolg erst im Verlauf des Abends realisieren und feiern können.

Die erst 16-jährige Amateurin Charlotte Back aus Deutschland wäre fast die Nummer eins der Flumserberg Ladies Open geworden.

Die erst 16-jährige Amateurin Charlotte Back aus Deutschland wäre fast die Nummer eins der Flumserberg Ladies Open geworden.

Robert Kucera

Aus Führungstrio wurde ein Fernduell

Drei Spielerinnen mit der gleichen Punktzahl an der Ranglistenspitze, elf Golferinnen innerhalb von zwei Schlägen: Die spannende Affiche vor dem
Finaltag am Samstag der Flumserberg Ladies Open auf dem Golfplatz Gams-Werdenberg hielt, was sie versprochen hat.

Aus dem viertletzten Flight, mit zwei Schlägen hinter dem Führungstrio, das aus Krystina Napoleaova (Tschechien), Katharina Mühlbauer (Österreich) und Charlotte Back (Deutschland) bestand, preschte Nina
Pegova (Russland) nach vorne. Ihr gelangen vom zweiten bis zum fünften Loch vier Birdies in Folge. Dieser Performance vermochte nur die 16-jährige Back Paroli zu bieten: Drei Birdies auf denselben vier Löchern.

Rasch war klar: Aus dem Führungstrio wird nur noch Back um den Sieg spielen. Sowohl Napoleaova als auch Mühlbacher spielten gut und beendeten das Turnier schliesslich mit sechs unter Par auf dem geteilten vierten Platz. Doch für den Sieg an den Ladies Open war jene Konstanz am Finaltag gefordert, die nur drei Frauen erfüllten: Back, Pegova und Lily May Humphreys aus England, die mit der besten Runde des gesamten Turniers (64 Punkte, acht unter Par) auf den dritten Schlussrang stürmte. Mit einer ausgezeichneten 69er-Runde rückte Priscilla Schmid (Basel) auf den geteilten vierten Platz vor und war letztlich beste Schweizerin.

Priscilla Schmid steigerte sich am Finaltag auf den geteilten vierten Platz und war somit beste Schweizerin.

Priscilla Schmid steigerte sich am Finaltag auf den geteilten vierten Platz und war somit beste Schweizerin.

Robert Kucera

Den Sieg auf den letzten zwei Löchern verspielt

Nach zehn finalen Löchern hält Charlotte Back ihre grösste Konkurrentin Nina Pegova weiter auf Distanz und liegt um jene zwei Schläge vorne, welche sie schon am Freitagabend innehatte. Doch dann wendete sich das Blatt: Pegova gelangen bis zum 13. Loch drei Birdies, Back spielte zweimal Par und musste einen Bogey einstecken. Nun lag die Russin zwei Punkte voraus und sah wie die Siegerin des Turniers aus. Erst recht, als sie auf Loch 16 ein weiteres Birdie herausspielte. Doch es hätte nicht zur diesjährigen Austragung der Ladies Open gepasst, wenn die Entscheidung um den Sieg so früh gefallen wäre.

Pegova patzte am 17. und 18. Loch mit einem Bogey, Back gelang mit einem sehenswerten Put auf der 17 ein Birdie und schaffte auf der 18 ein sicheres Par. Ein Stechen, im Golfsport wird es üblich als Playoff bezeichnet, war also nötig. Mit leichtem Vorteil für die junge Deutsche. Pegova trug schliesslich noch die Last der Playoff-Niederlage von 2017 mit sich.

Die Entscheidung: Nina Pegova glückt der Annährungsschlag zum Loch aus dem Bunker heraus besser als Charlotte Back, die aus dem hohen Gras spielen musste.

Die Entscheidung: Nina Pegova glückt der Annährungsschlag zum Loch aus dem Bunker heraus besser als Charlotte Back, die aus dem hohen Gras spielen musste.

Robert Kucera

Doch noch Happy End für die Russin Nina Pegova

In der zweiten Runde des Stechens missriet gleich beiden Akteurinnen der zweite Schlag: Pegovas Ball landete im Bunker, Back musste aus dem hohen Gras zwischen den Büschen herausspielen. Dies war eine zu hohe Hypothek für Back. Im Gegensatz zur Russin misslang ihr der Annäherungsschlag ans Loch. Pegova hat darauf leichtes Spiel und gewann schliesslich doch – mit einer halben Stunde Verspätung. Die Siegerin kommentiert:

«In diesem Moment ist es nicht wichtig, wie man gewonnen hat, sondern dass man gewonnen hat.»

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