Fledermäuse sind «Rosinenpicker»

Der Verein Fledermausschutz St. Gallen Appenzell Liechtenstein und die Ortsgemeinde Wartau luden am Samstagabend zur Fledermausnacht nach Weite ein.

Hanspeter Thurnherr
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Silvio Hoch präsentiert den Besucherinnen und Besuchern eine Alpenfledermaus.(Bild: Hanspeter Thurnherr)

Silvio Hoch präsentiert den Besucherinnen und Besuchern eine Alpenfledermaus.(Bild: Hanspeter Thurnherr)

Auch wenn das Wetter nicht mitspielte, liess sich eine Schar Interessierter bei der Scheune der Ortsgemeinde bei der Wissmur in Plattis durch Biologe und Fotograf René Güttinger, Vorstandsmitglied des Vereins Fledermausschutz, in die spannende Welt der niedlichen Tiere einführen. Der Ort sei bewusst gewählt, denn «in dieser Scheune legen die kleinen Tiere auf ihren nächtlichen Jagden jeweils eine Pause ein», erzählte Güttinger.

Fledermäuse seien keine Mäuse, sie hätten ein Raubtiergebiss und seien unter den weltweit 5500 Säugetierarten die einzige Artengruppe, welche aktiv fliegen kann. Den rund 1400 Fledermausarten ist dies dank ihrer langen, elastischen Finger in «Leichtbauweise» und der dazwischen gespannten Flughaut möglich. Mit mindestens 22 Arten ist der Kanton St. Gallen eine der artenreichsten Region in der Schweiz. Fast alle davon kommen im Rheintal vor. «Damit ist das Rheintal ein Hotspot der Artenvielfalt», verdeutlichte René Güttinger.

Fledermäuse sind in ganz Europa geschützt, seit 1966 auch in der Schweiz. «Aber damals hatte man keine Ahnung, wie man sie schützen sollte. Langsam haben wir Kenntnisse über ihr Leben», erzählt Güttinger.

Das Rheintal ist die Heimat des Alpenlangohrs

Die Landschaft in Europa habe sich verändert, das Nahrungsangebot für Fledermäuse sei zurückgegangen. Vor ein paar Jahren hat er deshalb mit dem Triesner Silvio Hoch ein Projekt gestartet, um herauszufinden, wo das Alpenlangohr jagt. Diese seltene Fledermausart kommt in der Ostschweiz nur im Rheintal und Seeztal vor: unter anderem in zwei Kolonien in der Kirche Gretschins und in einer Kapelle in Balzers.

Ihre Hauptnahrung sind Nachtfalter. Die beiden Forscher rüsteten einzelne Alpenlangohren mit Minisendern aus, um die Flugrouten der Tiere mit Peilsendern verfolgen zu können.

René Güttinger erläutert, wie wichtig als Jagdgebiet für die Fledermäuse eine vielfältig strukturierte Landschaft ist.

René Güttinger erläutert, wie wichtig als Jagdgebiet für die Fledermäuse eine vielfältig strukturierte Landschaft ist.

Auf einem Spaziergang durch die Rheinauen erläuterte Güttinger die Erkenntnisse aus der schutzorientierten Feldstudie: «Die Fledermäuse nutzen verschiedene Jagdgebiete. Dabei zeigt sich, wie wichtig eine unterschiedlich strukturierte Landschaft ist.» Dabei sei nicht nur unberührte Natur nötig. Auch Kulturlandschaften, die bestimmte Bedingungen erfüllen, können den Fledermäusen Nahrung bieten. Zum Beispiel Magerwiesen oder mit Hagelnetzen überdeckte (Bio)-Obstplantagen. Wie die Forscher herausfanden, nutzen die Tiere bestimmte Orte, wo sie offensichtlich einen «gut gedeckten Tisch» vorfinden.

Das Jagdgebiet des Alpenlanohrs

René Güttinger spricht von «Rosinenpicken». Eine weitere interessante Entdeckung: Das Jagdgebiet des Gretschinser Alpenlangohrs reicht talabwärts bis nach Räfis, jenes der Balzner talaufwärts bis Bad Ragaz. Für dieses unterschiedliche Verhalten haben die Forscher keine Erklärung gefunden. Zum Abschluss gingen die Teilnehmenden in der Dunkelheit mit Ultraschalldetektoren auf eine «akustische Entdeckungsreise» der niedlichen Tiere. Trotz der tiefen Temperaturen konnte Exkursionsleiter Silvio Hoch mit seinem Gerät am Waldrand jagende Zwergfledermäuse sowie eine über dem Werdenberg patrouillierende Wasserfledermaus nachweisen.