Spielfilm von Ruggeller Regisseur feiert demnächst Premiere

Beim Filmfest Vaduz feiert der erste Spielfilm des Filmemachers Arno Oehris Premiere. Er heisst «Der Eidechsenkönig».

Mirjam Kaiser
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Der schwerkranke Vater nähert sich seiner Tochter langsam wieder an. Bild: PD

Der schwerkranke Vater nähert sich seiner Tochter langsam wieder an. Bild: PD

Die ersten Ideen zu einem Spielfilm reichen bei Arno Oehri fast 20 Jahre zurück. 2012 wurde die Idee konkreter und er begann, ein Drehbuch zu schreiben. 2014, als Oehri für seinen Film einen Beitrag von der Kulturstiftung erhielt, finalisierte er dieses. «Ich habe aber keine Chance gesehen, das Drehbuch umzusetzen. Weder finanziell noch praktisch.» Die erste Fassung spielte nämlich nicht nur in Liechtenstein, sondern auch in Russland. Die Darsteller seien für ihn schon von Anfang an klar gewesen, da er ihnen die Geschichte auf den Leib schrieb. Einer dieser drei Hauptdarsteller war der heute 82-jährige Theaterdarsteller Klaus Henner Russius, der die Rolle des pensionierten Hirnwissenschafters Wolfgang Morius spielt. Mit ihm habe er immer wieder Kontakt gehabt und er habe mehrmals gesagt, dass er als Schauspieler eigentlich in Pension sei – nur diesen Film würde er noch machen wollen. Verpflichtet hat sich auch Schauspielerin Sandra Sieber, die Morius’ Tochter Mascha mimt.

«Wenn du den Film machen möchtest, dann jetzt»

Anfang 2018 lag Klaus Henner Russius auf der Intensivstation. Die Ärzte hätten ihn praktisch schon aufgegeben. Doch allen Erwartungen zum Trotz erholte sich der Schauspieler. Später habe er Arno Oehri angerufen und gesagt: «Arno, wenn du diesen Film machen möchtest, dann jetzt.» Somit war für Arno Oehri klar: Um den Film finanzieren zu können, musste er ihn radikal überarbeiten. So schrieb er die Geschichte komplett um und beschränkte sich auf zwei Hauptdarsteller. «Ich habe den Vater-Tochter-Konflikt aus der ursprünglichen Fassung neu herausgearbeitet», so Oehri. Die Dreharbeiten sollten nun nicht mehr auch in Russland, sondern nur noch in Zürich und Liechtenstein stattfinden. Alle Drehorte sollten unmittelbar zugänglich sein. So wurde einerseits in den Privatwohnungen von Klaus Henner Russius und Arno Oehri gefilmt, andererseits auch im Küefer-Martis-Huus in Ruggell. «Wir haben das meiste so belassen, wie es ist», erklärt der Filmemacher.

Verschiedene Orte in 
Ruggell als Hauptdrehort

Im August 2018 stand die eineinhalbwöchige Drehzeit an. «Schmal und radikal» sei dabei das Motto gewesen: So wurde vorwiegend an den oben erwähnten Orten und mit Gimbals (ausbalancierende Stative) und Handys gefilmt. Da das Hotel Kommod dem Filmteam Zimmer zur Verfügung stellte, wurde auch dieses kurzerhand – neben dem Ruggeller Riet und dem Industriegebiet – zum Drehort. «Ruggell wie auch das ganze Unterland spielt im Film als Drehort eine wichtige Rolle», erklärt Oehri. Daneben kommen auch noch eine Ruggeller Arztpraxis, der Schaaner Bahnhof wie auch das Nendler Hagen-Haus im Film vor. Der Filmarzt wird von Kieferchirurg Pascal Büchel gespielt und die Traumfigur, die dem Vater in seinen Visionen erscheint, von Arno Oehri selbst. Als Statisten fungieren Johannes Inama vom Küefer-Martis-Huus, Schauspielerin Katja Volgger wie auch der Kirchenchor Ruggell.

Verletzungen wurden 
nie aufgearbeitet

Doch nun zur Geschichte. Der schwerkranke Morius will in seinem Leben noch zwei Sachen erledigen: Seine Tochter treffen und die gescheiterte Beziehung zu ihr retten, aber auch das Haus seiner Kindheit (das Hagen-Haus) nochmals sehen. Oehri sagt:

«Der Film handelt von einem urmenschlichen Konflikt: Der Tod steht im Raum, und nun sollen noch offene Rechnungen beglichen und Wunden aufgearbeitet werden.»

Die Eltern hatten sich früh getrennt, wodurch sich die Tochter im Stich gelassen fühlte. Der Vater jedoch hatte das Gefühl, dass seine Ex-Frau ihn nicht zu seiner Tochter liess. Auch erinnert sich die Tochter daran, dass sich die Eltern oft wegen einer russischen Übersetzerin gestritten hatten. Und der Vater realisiert, welchen Einfluss diese alten Geschichten auf sein Leben hatten. «Diese Verletzungen wurden nie aufgearbeitet, sodass die zwei Figuren im Film schonungslos aufeinanderprallen», so Oehri.

No-Budget-Film als One-Man-Show

Die Schauspieler seien über all die Jahre komplett hinter dem Projekt gestanden. «Ohne diese Unterstützung wäre der Film nicht realisierbar gewesen», ist sich Arno Oehri sicher. Vieles hat Arno Oehri selbst gemacht: Er hat nicht nur das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und gefilmt, sondern auch den ganzen Film geschnitten. Daneben wurde er von einem «ultrakleinen» Filmteam unterstützt. Nur dadurch konnte er das Filmbudget unter 80 000 Franken halten. «Solche Filme nennt man heute eigentlich No-Budget-Filme», erklärt Oehri. Doch er ist sich sicher, dass er das Beste aus seinen Möglichkeiten herausgeholt hat.

Nun will er sich erst international an Filmfestivals bewerben, wodurch die nationale Premiere am 22. August im Rahmen des Filmfests Vaduz vorläufig die einzige öffentliche Vorführung bleibt.

Hinweis

Der Eidechsenkönig, 
Drama von Arno Oehri. Mit Klaus Henner Russius und Sandra Sieber. 
Premiere am 22. August, 
20.30 Uhr, Filmfest Vaduz.