«Eine Herausforderung für alle»: Grabser Eltern ziehen Bilanz über den Fernunterricht

Die Elternvertretung aus Grabs hat Eltern befragt, wie sie den Corona-Lockdown der Schule erlebt haben. Die Meinungen der Eltern über Homeschooling gehen auseinander.

Michael Kyburz
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Der Fernunterricht forderte nicht nur Kinder und Lehrer, sondern auch die Eltern.

Der Fernunterricht forderte nicht nur Kinder und Lehrer, sondern auch die Eltern.

Bild: PD

In den vergangenen Monaten sorgte die Thematik des Homeschoolings für viel Gesprächsstoff. Sowohl der Beschluss des Bundes, den Präsenzunterricht vorübergehend durch Fernunterricht zu ersetzten, als auch die Umsetzung der Massnahmen führte zu geteilten Meinungen. Die ungewöhnliche Situation hat so manchen Sorgen bereitet. Schon rasch standen viele Fragen und Sorgen im Raum.

Eltern in Schulgemeinschaft einbinden

Seit rund einem Jahr gibt es in der Schulgemeinde Grabs eine Art Elternvereinigung. Mit der EmW, ElternmitWirkung, will die Schule Grabs die Eltern vermehrt in die Schulgemeinschaft einbinden. Nun wollte die Elternvertretung von den Eltern wissen, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert waren und wie sie diese meisterten. Die Eltern durften sich dazu anonym äussern.

Viele Eltern haben die Zeit mit ihren Kindern genossen – trotz der einen oder anderen Umstellung: Eine Rückmeldung eines Elternteils lautet:

«Nach einer Woche war die Umstellung auf die surreale Situation geschehen. Bald waren Essenspläne geschrieben, Arbeitsplätze für Homeoffice und Homeschooling eingerichtet.»

Das Gros der Eltern wusste die Familienzeit zu schätzen. Im Garten spielen, gemeinsam kochen oder einfach die Zeit zusammen geniessen. «Als Familie haben wir gemerkt, dass es regelrecht heilsam sein kann, keine Termine zu haben.»

Umsetzung der Massnahmen stiess auf Unverständnis

Der Fernunterricht war aber nicht immer leicht und angenehm. Besonders die Umsetzung der Massnahmen sorgte bei manchen Eltern für Verärgerung: «Meine Kinder wurden vor allem in den letzten Wochen des Lockdowns mit Hausaufgaben bombardiert. Ich hätte es geschätzt, wenn die Kinder mehr Freiräume gehabt hätten, denn Kreativität braucht Zeit. Diese Art des Lernens wurde schnell wieder von der Schule abgewürgt.»

Auch der Halbklassenunterricht stiess auf Unverständnis:

«Der Halbklassenunterricht war ein Witz.»

Andere Eltern merkten an: «Der Halbklassenunterricht war die grösste Herausforderung, jeder Tag war anders und bei vier Kindern war es nicht einfach zu überblicken, wer wann wo sein muss.» Nicht alle Eltern sehen die Zeit nur negativ: «Wir hatten viel Zeit füreinander – ich wäre für einen weiteren Lockdown zu haben.» Nicht ganz so euphorisch aber trotzdem einig sind sich die meisten Eltern darin, dass sie so eine Situation nicht so schnell wieder erleben möchten.

Zu wenig Platz, kaum Rückzugsorte

In Familien, in denen beide Elternteile arbeitstätig sind, stellten vor allem die Betreuung und der Platz eine Herausforderung dar. Dies stellte die Elternvertretung aus Grabs bei einer Elternbefragung fest. «Das Homeschooling war mit vier Kindern sehr intensiv, da auch wir Eltern von zu Hause arbeiteten. Sowohl die Kinder als auch wir Eltern benötigten einen Platz mit Computer – dazu noch Rückzugsorte zu schaffen und die Kinder zu betreuen, verlängerten meinen Tag um einige Stunden.»

Homeschooling sei nichts für längere Zeit. «Wenn man als Mutter das Homeschooling neben einem 60 Prozent Arbeitspensum ausreichend betreuen kann, kann man alles. Im Vergleich dazu ist Mac Gyver eine Witzfigur.»

Einige Eltern schlossen sich zu «Grossfamilien» zusammen: «Ein Elternteil beaufsichtigte die fünf Kinder und übernahm auch das Kochen für die Kinder. Währenddessen konnten die anderen Eltern ungestört ihrer Arbeit nachgehen.»

Vorbereitung für Leben nach der Schule

Der Fernunterricht verlangte auch von den Schülerinnen und Schülern einiges an Disziplin und Selbstständigkeit. «Mein Sohn stand vor einem Berg von Aufgaben und tat sich damit schwer. Nach anfänglicher Hilfestellung von mir lernte er rasch, sich selber zu organisieren.» Auch anderen Kindern erging es ähnlich:

«Die Kinder mussten Verantwortung übernehmen und lernten, kleinere Probleme selber zu lösen.»

Dies sei eine gute Vorbereitung auf das Leben nach der Schule gewesen. Noch weitere Aspekte können den Kindern künftig weiterhelfen: «Die Kinder haben unserer Ansicht nach einen gewaltigen Sprung im Umgang mit den digitalen Medien gemacht.»

Eine Herausforderung des selbstständigen Lernens ist die benötigte Motivation dazu. «Es war nicht einfach, die Kinder zwischen den Spielsachen für die Schule zu motivieren, was manchmal die Geduld auf die Probe stellte.» Die Geduld der Eltern scheint vielerorts geprüft worden zu sein: «Meiner Tochter fehlte irgendwann die Motivation. Die normalerweise harmonische Mutter-Kind-Beziehung wurde in dieser Zeit stark beansprucht.»

Kinder vermissten soziale Kontakte

Dass Kinder von zu Hause lernen und unterrichtet werden, ist bei uns nicht alltäglich. So manch ein Elternteil kann sich nun besser vorstellen, welche Leistungen Lehrpersonen täglich erbringen. «Ich habe nun noch mehr Respekt vor allen Lehrpersonen, die es schaffen eine ganze Klasse unter Kontrolle zu haben und dabei die Ruhe zu bewahren.»

Schule hin oder her, die Kinder litten nach einer Weile unter dem Lockdown, denn sie vermissten den Kontakt zu anderen: «Nach einer Weile habe uns die sozialen Kontakte gefehlt, besonders den Kindern ihre Freunde. Diese Kontakte sind einfach notwendig für ein gesundes, glückliches und ausgeglichenes Leben.» Ein anderer Elternteil berichtet:

«Für meine Kinder war es keine leichte Zeit. Sie vermissten den Unterricht und die Klassenkameraden. Umso grösser war die Freude, als es dann wieder mit dem normalen Unterricht weiterging.»

Froh die Zeit überstanden zu haben, sind die meisten Eltern zufrieden mit der Zusammenarbeit der Schule.