FDP Werdenberg holte mehr Stimmen aus dem linken Lager als umgekehrt

Die Herkunft der Stimmen der gewählten Werdenberger Kantonsräte ist auch Ausdruck ihrer politischen Position.

Heini Schwendener
Hören
Drucken
Teilen
Ohne Stimmen von ausserhalb der eigenen Parteien erreicht wohl niemand einen Sitz im Kantonsrat.

Ohne Stimmen von ausserhalb der eigenen Parteien erreicht wohl niemand einen Sitz im Kantonsrat.

Bild: Ralph Ribi

Im neuen Kantonsrat wird der Wahlkreis Werdenberg mit fünf statt wie bisher mit vier Parteien vertreten sein: FDP, SVP, SP, CVP und neu wieder die EVP. Woher stammen die Stimmen, welche acht Bisherigen und neu Hans Oppliger die Wahl ermöglicht haben?

Hans Oppliger, der alte und neue Panaschierkönig

Der Mann der Kleinpartei EVP ist ein Phänomen. Hans Oppliger aus Frümsen, inzwischen 63-jährig, holte bereits bei den Kantonsratswahlen 2008 mit Abstand am meisten Stimmen von anderen Parteilisten als der eigenen. 2012 titelte der W&O: «Hans Oppliger bleibt Werdenberger Panaschierkönig», vier Jahre später lautete die Schlagzeile «Der Panaschierkönig muss abdanken». Zwar hatte er wieder am meisten Stimmen «auswärts» geholt, genützt hat es ihm insofern nichts, weil er vor vier Jahren die Wiederwahl nicht schaffte.
Und nun also das Comeback. Die Werdenbergerinnen und Werdenberger wählten ihn am Sonntag erneut in den Kantonsrat. Die Auswertung der Wahlresultate aller neun Gewählten ergibt das vertraute Bild der vergangenen zwölf Jahre: Hans Oppliger ist einmal mehr der Panaschierkönig. 1034 Stimmen holte er von «fremden» Parteilisten, das entspricht 68,1 Prozent seiner insgesamt 1518 Stimmen.
Hans Oppligers Königstitel erwächst allerdings Konkurrenz: Barbara Dürr (CVP, Gams) gewann 1405 (68,2 Prozent) ihrer insgesamt 2206 Stimmen von Wahlzetteln anderer Parteien oder von Wahlzetteln ohne Parteibezeichnung. (she)

Wie schon in den Jahren davor konnten die SVP-Kandidaten vor allem auf ihre Anhängerschaft zählen. 47,4 Prozent ihrer Wähler legten nämlich den SVP-Wahlzettel unverändert in die Urne, ein Wert, den sonst keine andere Partei erreicht. Andererseits können SVP-Kandidierende auch weniger auswärtige Stimmen zählen.

Viele Stimmen von veränderten Wahlzetteln

Anders sieht es bei der FDP aus, die einzige Partei, die künftig drei Leute in den Kantonsrat schicken kann. Nur 24 Prozent der Parteistimmen der FDP kamen auf unveränderten Wahlzetteln zusammen. Die drei bisherigen und auch neuen FDP- Kantonsräte holten zwischen 81,2 und 87,0 Prozent ihrer Stimmen von veränderten Wahlzetteln. Dass Beat Tinner 446 Stimmen bei der SVP, 181 bei der CVP und 50 bei der EVP gewann, überrascht wenig, mehr hingegen schon die 186 Stimmen von SP, Juso, Grünen und Gewerkschaften.

Auch Parteikollegin Katrin Frick konnte auf viele «fremde» Stimmen zählen. Ihre 168 Stimmen von der SVP liegen aber weit hinter dem Wert von Tinner (446) und auch Thomas Toldo (262). Letzterer konnte dagegen nur 77 Stimmen aus dem linken Parteispektrum verbuchen, Katrin Frick hingegen 182, und damit fast gleich viele wie Tinner.

Beim Panaschieren und Kumulieren spielten ganz offensichtlich die politischen Positionen eine Rolle. Wer zu dogmatisch ist, darf nicht allzu viele Stimmen von ausserhalb der eigenen Partei erwarten. Das linke Lager hat der FDP-Liste mit ihren prominenten Aushängeschildern immerhin 663 Parteistimmen beschert, der SVP hingegen nur 55. Andererseits hat die FDP den Linken nur 323 Parteistimmen zugestanden, der SVP hingegen 562.

SP: Auch viele unveränderte Wahlzettel

Wenn auch weniger stark als die SVP, so konnte auch die SP (zusammen mit Juso, Grünen und Gewerkschaften) auf einen hohen Anteil unveränderter Wahlzettel zählen (44,6 Prozent). Katrin Schulthess und Josef Gähwiler hatten aber doch einen höheren Anteil «fremder» Stimmen als die beiden gewählten SVP-Vetreter.

Panschierkönige bei dieser Kantonsratswahl waren mit grossem Abstand Hans Oppliger (EVP, neu) und, dicht auf seinen Versen, Barbara Dürr (CVP, bisher). Beide sammelten sehr viele Stimmen von veränderten Wahlzetteln aus allen politischen Lagern.