Der Wildhauser Sergio Zurlo ist fasziniert von Farben und Leinwand

Von Beruf Maler und Restaurator, in der Freizeit Kunstmaler: Sergio Zurlo aus Wildhaus begeistert sich für Farben und die damit verbundenen Möglichkeiten.

Adi Lippuner
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Die Bilder von Sergio Zurlo sind stark in Farbe und Ausdruck.

Die Bilder von Sergio Zurlo sind stark in Farbe und Ausdruck.

Ralph Ribi

Wildhaus Auch nach über 40 Jahren im Toggenburg ist bei Sergio Zurlo die Italianità spürbar. Zwar spricht der Familienvater und stolze Grossvater den einheimischen Dialekt, aber ein bisschen schimmert die ehemalige Heimat Apulien immer noch durch. Doch genau dies macht auch den Charme seiner Persönlichkeit aus. Zudem passen Farben und die Freude an grossflächigen Bildern perfekt zum gelernten Maler, Restaurator und Künstler.

Vom Winzersohn zum Metzger

Sergio Zurlo, geboren 1954, kam am 11. September 1971 erstmals ins Toggenburg. «An dieses Datum erinnere ich mich, wie wenn es gestern gewesen wäre, war es doch meine allererste grosse Reise zusammen mit Onkel, Tante und Cousin. Damit hat mein Onkel ein Versprechen eingelöst. Ich ging nicht besonders gerne zur Schule und mir wurde in Aussicht gestellt, dass ich, sofern ich die Schule bis zum Schluss durchhalte, zur Belohnung mit in die Schweiz kommen dürfe.» Allerdings sei es ihm nach wenigen Tagen bereits langweilig geworden, weil alle aus der Familie zur Arbeit gingen und er allein in der Wohnung sass.

In der Region Apulien war die ganze Familie Zurlo ständig in den Rebbergen beschäftigt. «Unsere Eltern legten Wert darauf, dass alle mit anpackten, und deshalb war arbeiten für mich wichtig», blickt er auf seine Anfänge in der Schweiz zurück. Sein Onkel habe ihm dann einen Hilfsjob in einer Metzgerei in Wattwil beschafft. «Nicht gerade meine Traumtätigkeit, aber ich konnte arbeiten.» Dann kam er in Kontakt mit dem Inhaber eines Malergeschäfts, erhielt eine Saisonstelle und anschliessend die Möglichkeit, den Beruf zu erlernen.

Er malt, restauriert und organisiert: Sergio Zurlo aus Wildhaus, vor Jahrzehnten aus Süditalien eingewandert.

Er malt, restauriert und organisiert: Sergio Zurlo aus Wildhaus, vor Jahrzehnten aus Süditalien eingewandert.

Ralph Ribi

Und damit wären wir wieder bei den Farben, die Sergio Zurlo so gerne mag. «Malen war für mich von Anfang an ein Traumberuf. Ich durfte Weiterbildungen machen, konnte Restaurationsaufgaben übernehmen und bald einmal durfte ich bei der Innenrenovation von Kirchen, sei dies in Hemberg, Neu St.Johann, Wildhaus und einigen weiteren mitwirken.» Auch privat fand er sein Glück, lernte er doch im «Pferdestall», das war die damals aktuelle Bar im Hotel Hirschen in Wildhaus, seine spätere Ehefrau Maja kennen.

Hans Erni und Rolf Knie als Vorbilder

Nicht genug, dass Sergio Zurlo beruflich mit Farben und Flächen zu tun hatte, er wollte auch künstlerisch tätig sein. «Meine grossen Vorbilder waren Hans Erni und Rolf Knie. Zu beginn malte ich Clowns auf Zeltplanen, musste dann aber immer hören, dass ich Rolf Knie kopiere.» So habe er sich auf Tiere und diese in möglichst grossen Formaten konzentriert. «Es sind leuchtende, emotionale, einfach typische Sergio-Bilder» – so werden seine Werke beschrieben. Und weil Künstler ihre Arbeiten auch gerne in der Öffentlichkeit präsentieren, liess er sich vor 27 Jahren zu einer Ausstellung überreden. Dass damit der Grundstein für die alljährlich stattfindende Ausstellung «Wildhauser Talente» gelegt wurde, konnte niemand ahnen.

Werke von Sergio Zurlo.

Werke von Sergio Zurlo.

Ralph Ribi

«Angestossen wurde die Idee von den Frauen der Fundgrube, also dem Trödlerladen, der heute noch im gleichen Gebäude wie die Puppenbühne existiert», blickt Sergio Zurlo auf die Anfänge zurück. Nach einer ersten, zehn Tage dauernden Ausstellung in der Mehrzweckhalle Chuchitobel sei im Jahr darauf ein Verein gegründet worden. «Ich übernahm das Präsidium und bin auch heute noch Präsident des Vereins Wildhauser Talente», sagt er nicht ohne Stolz im Gespräch. Alljährlich am Stephanstag wird die mittlerweile weitherum beliebte Ausstellung im Mehrzweckgebäude Chuchitobel eröffnet.

«Wir legen grossen Wert darauf, dass ausschliesslich selbst hergestellte Sachen verkauft werden.»

Dieses Jahr werden neun Vereinsmitglieder ihre Werke präsentieren. Mit dabei sind, nebst ganz verschiedenen Bildern und Fotografien auch Drechslerwaren, Scherenschnitte, handgewobene Arbeiten und Silberschmuck.
Bereichert wird der Anlass, der jeweils bis 28. Dezember dauert, von sieben Gastausstellern, die Holzbilder, Schnitzereien, Emaillierarbeiten, Keramik, Seifen, Naturmaterialien sowie Messer präsentieren. «Der beliebte Anlass zwischen Weihnachten und Neujahr gehört ganz einfach zu Wildhaus und wird jeweils als Begegnungsort zwischen Gästen und Einheimischen geschätzt», ist Sergio Zurlo überzeugt.

Gern daheim und viel unterwegs

Fast zeitgleich mit der Heirat im Jahr 1979 hat Sergio Zurlo auch eine neue Arbeitsstelle beim Maler Grob in Neu St. Johann angetreten. «Dort gab man mir die Möglichkeit zur Weiterbildung und übertrug mir immer mehr Verantwortung.» Diesem Arbeitsplatz blieb er bis zu seiner Pensionierung treu. Auch Ehefrau Maja kann auf seine Treue zählen, 40 gemeinsame Ehejahre verbinden und sowohl im schmucken Daheim als auch auf Reisen sind die Beiden ein gutes Team.

«Wir freuen uns immer, wenn die beiden Töchter und ganz speziell auch die Enkel zu Besuch kommen», ist sich das Ehepaar einig. Doch auch Reisen, sei es nach Amerika, nach Asien oder eine Kreuzfahrt können Maja und Sergio Zurlo begeistern. Auch ab und zu ein Besuch in der alten Heimat Apulien, für Sergio Zurlo die Karibik Italiens, gehört dazu. Der fröhliche Pensionist betont:

«Aber daheim bin ich im Toggenburg, hier habe ich meine Familie und ein gutes Umfeld.»

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