Fast alle Kandidierenden für den Stadtrat Buchs üben Kritik an der geplanten Rathaus-Sanierung

Zu teuer und mangelnde Kostentransparenz sind die Hauptkritikpunkte der Rathaus-Sanierung. Die Notwendigkeit der Sanierung ist hingegen nicht umstritten.

Alexandra Gächter
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Am 29. November wird entschieden, welche Kandidaten die freien Sitze im Stadtrat Buchs einnehmen.

Am 29. November wird entschieden, welche Kandidaten die freien Sitze im Stadtrat Buchs einnehmen.

Robert Kucera
Michel Bokstaller, SVP

Michel Bokstaller, SVP

Bild: PD

Michel Bokstaller: «Proaktives und transparentes Kommunizieren und Verankern der neuen Gesamtvorstellung und ihrer Umsetzungsschritte» ist eine von fünf Haltungen aus dem Leitbild der Stadt Buchs. Dass sich die Lebenszyklen der Gebäudeinfrastrukturen dem Ende zuneigen, ist jedem Liegenschaftsbesitzer/-verwalter bekannt. Die Sanierungsbedürftigkeit ist somit gegeben.

In der Budgetposition von 1,4 Mio Fr. ist die transparente Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit nicht erfüllt. Dazu wird erwähnt, dass das Gebäude in den nächsten Jahren etappiert saniert wird. Dazu fehlen nochmals die transparente Kommunikation der Gesamtvorstellung der Sanierung sowie die einzelnen Umsetzungsschritte der Etappen. Die Stadt Buchs ist in dieser Haltung nicht befriedigend und hinterlässt weitere Undurchsichtigkeiten.

Markus Hofmänner, CVP

Markus Hofmänner, CVP

Bild: Doris Lippuner

Markus Hofmänner: Es ist unbestritten, dass das Rathaus teilweise sanierungsbedürftig ist. Damit eingeschlossen ist der Rathaussaal, da er für verschiedene Nutzungen wie z. B. Trauungen eingesetzt wird. Andererseits weist die Stadt Buchs in ihrem Budget 2021 ein Defizit von über 5 Mio. Fr. aus und die Prognosen für die nächsten Jahre sind gemäss Finanzplan ebenfalls nicht rosig. Da stellt sich die Frage, ob diese geplante Sanierung und Modernisierung in dieser Höhe gerechtfertigt ist?

Vor dem Hintergrund der Ablehnung des Budgetposten «Erneuerung Rathaussaal» an der Bürgerversammlung im November 2018 und ohne detaillierte Erläuterung zu den Kosten von 1,4 Mio. kann diesem Posten nicht zugestimmt werden. Sinnvoll wäre überdies eine transparente Kommunikation zum Gesamtkonzept und den Kosten der gesamten Sanierung des Rathauses, wie sie in der Budgetbroschüre angedeutet ist.

Werner Leuzinger, parteilos

Werner Leuzinger, parteilos

Bild: PD

Werner Leuzinger: Die Sanierung/Modernisierung des Erdgeschosses Rathaus ist notwendig. Der Betrag von 1,4 Mio. ist budgetiert. Gemäss Kostenvoranschlag beläuft sich die Sanierung/Modernisierung des Rathaussaales auf 733000 Fr., wovon für Heizungs-, Lüftungs-, und Klimaanlagen 335400 Fr. aufgewendet würden. Die öffentlichen WC-Anlagen kosten 316000 Fr., wovon die Sanitäranlagen einen Betrag von 166200 Fr. ausmachen.

Dann folgen noch Resträume (128900), Reserven (127100) sowie Vorbereitungsarbeiten (47600) und Ausstattung (47400). Bauen ist teuer, gehoben bauen ist noch teurer, abgehoben bauen ist unendlich teuer und darf keinesfalls mit Steuergeldern berappt werden. Das geht günstiger! Dieser Auftrag an den Stadtrat dürfte noch in Erinnerung sein, als damals die Bürgerversammlung den Voranschlag Rathaussaal von 695000 Fr. (Budget 2019) abgelehnt hatte.

Andreas Schwarz, FDP

Andreas Schwarz, FDP

Bild: PD

Andreas Schwarz: Die Sanierung des Rathauses tut Not. Das Gebäude, insbesondere die öffentlich zugänglichen Räume (darunter der Saal und die WC-Anlage) im Erdgeschoss sind nach 50 Jahren in deutlich sanierungsbedürftigem Zustand. Eine Etappierung der Gesamtsanierung ist meiner Ansicht nach der richtige Weg. Dass bei einer Grundsanierung die Kosten höher ausfallen als bei einer sanften Renovation, ist keine Überraschung.

In Erinnerung an die abgelehnte Sanierung des Saals vor zwei Jahren war ich allerdings sehr überrascht, die Budgetposition erneut ohne begleitende Kommunikation oder Kostendetails im Voranschlag zu sehen. So bleibt leider unklar, ob die damaligen Stimmen zur Kostenreduktion berücksichtigt wurden. Diesem Auftrag sollte der Stadtrat inklusive entsprechender Kommunikation nun nachkommen.

Petra Näf-Rissi, FDP

Petra Näf-Rissi, FDP

Bild: PD

Petra Näf-Rissi: Ein sorgfältiger Umgang mit dem Steuergeld der Bevölkerung sowie eine transparente Entscheidungsfindung sind mir wichtig. Eine Renovation der intensiv genutzten Räumlichkeiten im Erdgeschoss ist notwendig und ich denke unbestritten. Für die Sanierung des Erdgeschosses fehlt jedoch ein Detailbudget und damit die nötige Transparenz, um die hohen Kosten nachvollziehen zu können und so Vertrauen in das Projekt zu gewinnen.

An der Bürgerversammlung im November 2018 wurde der Budgetposten «Erneuerung Stadtratsaal» für 695000 Fr. von der Bevölkerung abgelehnt. Dieser Entscheid darf nicht ignoriert werden. Entsprechend zwingend ist nun eine detaillierte und erläuterte Kostenaufstellung, damit die geplanten Ausgaben nachvollzogen und beurteilt werden können. Schliesslich finanziert die Bevölkerung mit den Steuerabgaben auch die notwendige Sanierung.

Rolf Pfeiffer, parteilos

Rolf Pfeiffer, parteilos

Bild: PD

Rolf Pfeiffer: 1,4 Mio. Franken in ein einziges Geschoss eines veralteten Gebäudes zu stecken erachte ich als nicht sinnvoll. An diesem Gebäude werden in den nächsten Jahren ständig weitere Investitionen fällig. Ich schlage darum einen Neubau mit Standort beim ehemaligen alten Postgebäude beim Bahnhofplatz vor. Die Parzelle ist im Eigentum der politischen Gemeinde.

Mit einem funktionellen Neubau können die Digitalisierung, die arbeitsplatzgerechten Bedingungen und die Verwaltungsabläufe auf den neuesten Stand gebracht werden. Dank ressourcenschonender Bauweise kann an diesem Standort ein nachhaltiges Vorzeigeprojekt für unser Energiestadt realisiert werden. Die ÖV-Anbindung ist perfekt und mit einer Tiefgarage kann auch die Parkplatzsituation beim Bahnhof langfristig gelöst werden. Das jetzige Rathaus abreissen und mit einer Parkanlage eine Zentrumsaufwertung realisieren.

Fred Rohrer, parteilos

Fred Rohrer, parteilos

Bild: PD

Fred Rohrer: Ich traue dem Stadtrat zu, entscheiden zu können, ob und wie gewisse Teile des Rathauses saniert werden müssen. Ich traue ihm auch zu, der Bevölkerung am 30. November die Notwendigkeit dieser Investition und die Unterschiede zur vor zwei Jahren abgelehnten Stadtratssaalerneuerung aufzuzeigen. Ich wünsche mir, dass Sanierungen aus ökologischen Gesichtspunkten nachhaltig und klimaneutral durchgeführt werden.

Ich wünsche mir, dass dabei lange Lebensdauer, einfache Wartung und regionale Ressourcen stärker gewichtet werden als digitale Opulenz und technischer Schnickschnack. Ich wünsche mir, dass unsere Stadt zukünftig ihre Schulden abbaut und nicht über ihre Verhältnisse lebt. Ich wünsche mir, dass zukünftig mit jeder Investition in die Infrastruktur eine Investition gleicher Grössenordnung zum Erhalt unserer Umwelt erfolgt.

Pia Zurbrügg, SP

Pia Zurbrügg, SP

Bild: Urs Baerlocher

Pia Zurbrügg: Dass der 52 Jahre alte Stadtratssaal eine Sanierung nötig hat, dürfte unbestritten sein. Es gelang allerdings dem Stadtrat im Vorjahr nicht, der Bürgerschaft die Aufwendungen von 695000 Fr. plausibel zu erläutern. Das Projekt wurde abgelehnt. Im Budget 2021 sind die Kosten des Saals in den 1,4 Mio. Fr. Sanierungskosten des Erdgeschosses inkludiert und sind mit 795000 Fr. sogar noch höher.

Man darf dem Stadtrat aber vertrauen, dass dieser zum Wohl der Stadt Buchs handelt und seinen Bürgerinnen und Bürgern nicht einen unnötig ausgestatteten, überteuerten Stadtratssaal präsentiert. Vielmehr sehe ich, dass die hohen Kosten das Bestreben widerspiegeln, eine langanhaltende, nachhaltige und energieeffiziente Sanierung anzustreben, welche zahlreichen Nutzern über lange Dauer zur Verfügung stehen soll. Man darf auf die Ausführungen an der Bürgerversammlung gespannt sein.