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Fährverbindungen, Holz- und Betonbrücken

Am 23. November 2018 jährt sich die Eröffnung der Strassenbrücke über den Rhein zwischen Balzers und Trübbach zum fünfzigsten Mal. Aber wann und weshalb entstand hier überhaupt ein Rheinübergang, und weshalb hatte er bis heute Bestand?
Cornel Doswald
Trübbach mit der alten Holzbrücke über den Rhein. (Bild: Staatsarchiv St. Gallen)
Blick von der Schifflände Trübbach gegen den Schollberg, im Vordergrund zwei Fährschiffe, gegenüber das Gestell des Fährseils, das über den Fluss gespannt ist. (Heinrich Schilbach 1818, Liechtensteinisches Landesmuseum). (Bild: Sven Beham)
Ein symbolisches Tor in Flussmitte mit dem Baudatum und den Gemeindewappen markiert die Landesgrenze auf der kleinen Rheinbrücke. (Bild: Cornel Doswald)
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Fährverbindungen, Holz- und Betonbrücken

Die nüchterne Rheinbrücke, die heute für Balzers den Anschluss an die Autobahn, das Erreichen des Arbeitsplatzes oder den Einkauf im nächsten Einkaufszentrum sicherstellt, lässt nicht erkennen, dass sie nur den derzeitigen Entwicklungsstand einer viel älteren Verbindung bildet. Im Schnittpunkt der regionalen Verkehrsbeziehungen entstand bereits nach dem Ausbau der Schollbergstrasse im Spätmittelalter eine leistungsfähige Fährverbindung zwischen Trübbach und Mäls.

Die Rheinkorrektion erlaubte 1871 den Bau einer ersten gedeckten Holzbrücke. Verkehrstechnisch gesehen bildet die viel leistungsfähigere Rheinbrücke am Autobahnanschluss Trübbach von 1968 ihre Nachfolgerin. Dennoch stellte 1975 am Standort der 1872 abgebrannten Holzbrücke ein moderner Betonsteg die unverzichtbare alte Verbindung wieder her.

Vom Fahr am Schollberg zur gedeckten Holzbrücke

1507 wird «das Fahr am Schollberg» erstmals in einer Schriftquelle, dem Urbar der Herren von Brandis, erwähnt. 1517 erwarben es die Glarner als Besitz der Herrschaft Wartau. Dass dieses Fahr im frühen 16. Jahrhundert erstmals in den Quellen erscheint, dürfte mit der 1492 erfolgten Eröffnung der Schollbergstrasse in Zusammenhang stehen.

Als «Fahr» bezeichnete man seit dem Mittelalter die gesamte Einrichtung einer Fähre, mit dem Fahrrecht, der Übersetzstelle und der gesamten Ausstattung der Fähre (Weidlinge, evtl. Wagenschiff, evtl. Fährseil). Das ausschliessliche Übersetzrecht auf einem bestimmten Flussabschnitt gewährleistete die wirtschaftliche Grundlage des Fährbetriebs und wurde deshalb von der Obrigkeit und den Fährleuten stets durchgesetzt.

Erstaunlicherweise lag das Fahr während seiner langen Betriebszeit immer an derselben Stelle unterhalb der Trübbachmündung, während Fahrverlegungen in anderen gefällsarmen Flusstälern des Alpenvorlandes wegen der Schwankungen des Flusslaufes keine Seltenheit waren. Offensichtlich haben der Prallhang des Schollbergs im Zusammenwirken mit den Geschiebeablagerungen des Trübbachdeltas eine feste Ortslage geschaffen, auf die sich das Fahr stützen konnte. Hier befand sich auch eine Anlegestelle für die Flösse, die von Chur nach Rheineck geführt wurden, und eine Flusszollstätte, erstmals erwähnt 1489. In der Folge siedelten sich am Fahr auch eine Sust (Warenablage mit Umschlagplatz) sowie Gasthöfe und weitere Häuser an, aus denen der Ort Trübbach entstand.

Mit der Eröffnung der st. gallischen Rheintalstrasse 1821 begann sich der Verkehr immer mehr auf die Schweizer Seite des Tals zu verlagern. Auf liechtensteinischer Seite wuchs das Interesse an einem festen Rheinübergang. 1858 wurde ausserdem die Eisenbahnlinie Chur–Rheineck eröffnet, und Balzers erhielt mit dem Bahnhof Trübbach Anschluss an das entstehende europäische Eisenbahnnetz.

Im Jahr 1866 entstand mit der Weberei in Azmoos linksufrig ein Industriebetrieb, der zahlreichen Balznern Arbeitsplätze bot. Vorerst blieb aber die Rheinfähre die einzige Verbindung zwischen den Ufern.

Erst die 1862 eingeleitete Rheinkorrektion gewährleistete stabile Flussufer und widerstandsfähige Landfesten. In der Folge entstanden in nur zwölf Jahren zwischen 1867 und 1879 zwischen dem Bodensee und Trübbach 13 Strassen- und zwei Eisenbahnbrücken, wo zuvor keine einzige bestanden hatte! Als wenig rheinabwärts zwischen Vaduz und Sevelen die Rheinbrücke geplant wurde, bildete sich 1868 auch in Balzers ein Komitee, das den Bau einer Rheinbrücke vorantrieb. Das Projekt wurde 1870 beschlossen und im folgenden Jahr ausgeführt, wobei Wartau einen Drittel der Kosten beisteuerte.

Verkehrswachstum, Autobahn und neue Betonbrücken

Mit der Zunahme des motorisierten Verkehrs und der Abmessungen und Gewichte der Motortransportfahrzeuge erwies sich die einspurige Holzbrücke vom Wartau ins Liechtenstein in der Nachkriegszeit zunehmend als unterdimensioniert. Kreuzender Verkehr war ausgeschlossen, Lastwagen beschädigten das Brückengebälk, und die schmalen Trottoirs führten zu einer Gefährdung von Fussgängern und Radfahrern.

Die neue, leistungsfähige zweispurige Rheinbrücke entstand aber nicht anstelle der Holzbrücke, sondern verbindet seit 1968 Balzers direkt mit der linksrheinischen Autobahn A13 (ursprünglich N13) und der Rheintalstrasse. Ihre Lage ist im Wesentlichen durch die Entscheidung der Planer bestimmt, das neue, raumgreifende Anschlussbauwerk an den Rand des Siedlungsgebiets von Trübbach zu verlegen.

Die Rheinbrücke steht im Mittelpunkt eines komplexen Bauwerks. Es umfasst neben ihren Zubringerstrassen auch linksufrige Vorlandbrücken über die Bahnlinien und die Autobahn sowie eine mächtige Unterführung für den Saarkanal.

Rechtsufrig waren Durchlässe durch den Strassendamm für die Erschliessungsstrassen am Rheindamm und am Binnendamm nötig.

Am 11. Oktober 1972 wurde die gedeckte Holzbrücke durch Brandstiftung niedergebrannt. Die Versicherungsgesellschaften erklärten sich bereit, einen Neubau zu finanzieren. Trotz der neuen Rheinbrücke bestand dafür nach wie vor ein ausgewiesenes Bedürfnis. Der neue Steg sollte es den Einwohnern von Mäls erlauben, weiterhin in Trübbach einzukaufen und den Bahnhof zu erreichen. Landwirten, die beiseits des Rheins Güter bewirtschafteten, sollte der Umweg über die Strassenbrücke erspart werden. Und schliesslich erschloss die Holzbrücke ein Gebiet, das sich ausgezeichnet für Spaziergänge eignet; heute dürfte das ihre Hauptfunktion sein. Mit dem Wachstum der Verkehrsströme hat damit der historische Rheinübergang am Schollberg seine ursprüngliche Funktion wohl endgültig abgegeben.

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