«Fahrlässig»: Melser Maturand lanciert kantonsweite Petition gegen die Durchführung der Maturaprüfungen

Der 18-jährige Dario Ackermann aus Mels ist der Urheber der Unterschriftensammlung gegen die Durchführung der diesjährigen schriftlichen gymnasialen Abschlussprüfungen im Kanton St.Gallen. Bisher haben bereits 2031 Personen die wegen der Coronapandemie gestartete Petition unterschrieben.

Denise Alig/Sarganserländer
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Kanti Sargans: Hier geht der Urheber der Unterschriftensammlung Dario Ackermann aus Mels zu Schule.

Kanti Sargans: Hier geht der Urheber der Unterschriftensammlung Dario Ackermann aus Mels zu Schule.

Bild: pd

Die Coronakrise hat einen jungen Mann aus Mels, der sich vorher nach eigenen Angaben politisch noch nicht exponiert hat, mobilisiert. So hat der 18-jährige Melser Dario Ackermann beschlossen, «etwas gegen den Entscheid des kantonalen Bildungsdepartementes, die schriftlichen gymnasialen Abschlussprüfungen trotz der Coronapandemie durchführen zu wollen, zu unternehmen». Das sagte der Gymnasiast am Montag gegenüber dem «Sarganserländer», nachdem die von ihm gestartete Petition #keineap2020 (keine Abschlussprüfungen 2020) bereits am Sonntag von 1400 Personen unterzeichnet worden war.

2031 Unterschriften gesammelt

Dario Ackermann.

Dario Ackermann.

Bild: pd

Inzwischen sind 2031 Unterschriften zusammengekommen. Neben Ackermann sind Schülerinnen und Schüler aller Kantonsschulen im Kanton St.Gallen Erstunterzeichnende der Petition. Das Hauptargument der Petitionäre ist:

«Gesundheit geht vor.»

Dagegen betonen das Bildungs- und das Gesundheitsdepartement, dass die Hygienevorgaben eingehalten werden könnten. Das bezweifeln Ackermann und seine Mitstreitenden. «Die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler, der Lehrerinnen und Lehrer und der gesamten Gesellschaft stehen an oberster Stelle», heisst es in der Petition. «Die Prüfungen durchzwängen zu wollen, ist unserer Ansicht nach fahrlässig. Klar, es kann alles geplant werden, doch jede mögliche Kontaktsituation kann und wird nicht verhindert werden», wird festgehalten.

«Kantönligeist nicht zielführend»

«Viele von uns 120 Sarganser Maturandinnen und Maturanden sind im Hinblick auf die Abschlussprüfungen verunsichert», so Ackermann. «Es gibt viele Unklarheiten.» Das hat für ihn den Ausschlag gegeben, die Petition zu lancieren. «Massgebend dafür war zudem, dass die beiden Universitätskantone Bern und Zürich kürzlich entschieden haben, auf sämtliche Maturaprüfungen zu verzichten, sofern der Bundesrat es zulässt.»

Der 18-jährige Melser plädiert denn auch für eine schweizweite Lösung. «Der Kantönligeist ist in diesem Zusammenhang nicht zielführend.» Entsprechend fordere man die St.Galler Regierung jetzt auf, nachzuziehen und die Abschlussprüfungen ebenfalls zu streichen, wenn dies der Bundesrat nicht auf nationaler Ebene tue.

Ein weiteres Argument für Ackermann, die schriftlichen Maturaprüfungen abzusagen, ist die Lage jener Schülerinnen und Schüler, die knapp über oder knapp unter dem für die Matura notwendigen Notendurchschnitt liegen. «Für diese Kolleginnen und Kollegen kann es fatal sein, dass die mündliche Prüfung, die immerhin 25 Prozent der Gesamtnote ausmacht, wegfällt.» Wenn sie demgegenüber die schriftliche Prüfung absolvieren müssten, könne ein Ungleichgewicht entstehen. «Es ist möglich, dass jemand die Matura unter den neuen corona­bedingten Voraussetzungen nicht schafft», so Ackermann.

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Tina Cassidy, Leiterin Amt für Mittelschulen Kanton St.Gallen.

Tina Cassidy, Leiterin Amt für Mittelschulen Kanton St.Gallen.

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Beim kantonalen Amt für Mittelschulen wollte man die Petition am Montag auf Anfrage nicht kommentieren. «Der Bundesrat entscheidet am Mittwoch über das weitere Vorgehen», sagte Amtsleiterin Tina Cassidy.

«Wir nehmen erst nach diesem Entscheid Stellung zu den Abschlussprüfungen oder Fragen rund um die Abschlussprüfungen.»

Wie reagiert die Leitung der Kantonsschule Sargans auf die Unterschriftensammlung? «Die Petition ist nicht an unsere Adresse, sondern an jene des Kantons gerichtet», sagte Stephan Wurster, Rektor der Kantonsschule Sargans, am Montag auf Anfrage. Entsprechend kommentiere man die Petition auch nicht.

Stephan Wurster, Rektor Kanti Sargans.

Stephan Wurster, Rektor Kanti Sargans.

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«Wir warten ab, was der Bundesrat am Mittwoch entscheidet und welche Weisungen daraufhin vom Kanton kommen», so Wurster.

Nicht nur in St.Gallen kämpfen junge Leute für den Verzicht auf die schriftlichen gymnasialen Prüfungen, sondern auch in anderen Kantonen, namentlich Thurgau, Schwyz, Schaffhausen und Luzern.

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