«Es wäre schön, eine Eishalle in der Nähe zu haben» - Der Wunsch könnte bald Realität werden. Im Fürstentum Liechtenstein hat man Grosses vor

Das Projekt «Eishalle FL 2025» ist lanciert. Auch Werdenberger Sportler werden dereinst davon profitieren können, sobald die Eishalle betriebsbereit ist.

Robert Kucera, Gary Kaufmann
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Lange Trainingswege sind ihr täglich Brot: Carla Scherrer aus Trübbach.

Lange Trainingswege sind ihr täglich Brot: Carla Scherrer aus Trübbach.

Bild: PD

Karl Otto Gämperli, Präsident des Liechtensteiner Eishockey- und Inlineverbands, hat das Projekt «Eishalle FL 2025» lanciert. Wie er ausführt, gibt es auf Schweizer Seite von Widnau bis Chur keine Eishalle in Normgrösse und die Eishalle in Feldkirch sei komplett belegt.

Leistungssportler, ambitionierte Amateursportler aber auch der Nachwuchs und Schulen könnten von einer Eishalle in der Nähe enorm profitieren. Dies schliesst auch den Werdenberger und Obertoggenburger Sport mit ein.

Wie das Beispiel der Eiskunstläuferin Carla Scherrer zeigt:

«Schon vor ein paar Jahren habe ich gedacht, es wäre schön, eine Eishalle in der Nähe zu haben. Denn das habe ich immer vermisst»,

sagt die Trübbächlerin. Nun trainiert sie in Wil, Uzwil und St. Gallen. Denn dort ist ihr Trainer stationiert.

Training in neuer Eishalle und Vereinswechsel sind eine Option

Für sie wäre eine Eishalle im benachbarten Liechtenstein ein Gewinn für die Region. Viele Kinder aus dem Werdenberg könnten so das Eiskunstlaufen für sich entdecken, wenn die ideale Trainingsmöglichkeit quasi vor der Haustüre ist. «Ich glaube schon, dass dies Auswirkungen auf den Breitensport und Leistungssport hat», sagt Scherrer.

Für sie selbst wäre das Training in dieser neuen Halle und somit ein Vereinswechsel durchaus eine Option. «Aber mein Trainer müsste mitkommen», gibt Carla Scherrer zu verstehen, dass neben Nähe der Trainingsmöglichkeit auch das sportliche Umfeld ein entscheidender Faktor ist.

CC Wildhaus soll im Obertoggenburg bleiben

Das Liechtensteiner Projekt «Eishalle FL 2025» soll nach Möglichkeit alle Sportarten auf Eis berücksichtigen. So ist auch eine Curlinghalle vorstellbar. «Sollte sich dort ein Verein ansiedeln, könnte man dies als Konkurrenz anschauen», meint die Präsidentin des CC Wildhaus, Marianne Brühwiler. Doch sie blickt auch über den Tellerrand hinaus:

«Auf der anderen Seite ist eine neue Curlinghalle förderlich für den Curlingsport selbst.»

Brühwiler hebt gegenseitige Turnierbesuche hervor, welche es zwischen vielen Vereinen der näheren und weiteren Umgebung bereits gibt. Das Geben und Nehmen unter den Curlern schätzt sie sehr.

Der CC Wildhaus trainiert auch nach einer Curlinghalleneröffnung im Liechtenstein geschlossen im Obertoggenburg.

Der CC Wildhaus trainiert auch nach einer Curlinghalleneröffnung im Liechtenstein geschlossen im Obertoggenburg.

Bild: PD

Keine Teilung in Berg- und Tal-Sektion

Mit zwei benachbarten Curlinghallen könnte der CC Wildhaus an zwei Orten trainieren. Zumal es den CC Vaduz bereits gibt und dieser mit sechs Liechtensteiner Spielern eine Trainingsgemeinschaft mit Wildhaus bildet. Doch einer allfälligen Teilung steht Brühwiler kritisch gegenüber. «Das wollen wir nicht. Der gesamte Klub soll an einem einzigen Ort trainieren», äussert sich die Klubpräsidentin. Denn das Gemeinschaftsgefühl hat beim CC Wildhaus eine ebenso grosse Bedeutung, wie den entscheidenden letzten Stein zentral ins Haus zu legen.

Eine Auslagerung ins Fürstentum Liechtenstein aus Platzmangel in Wildhaus sei ebenfalls auszuschliessen. «Wir sind kein so grosser Curlingclub. Es hat genug Eis für alle und Platz genug», beschreibt sie die Lage, dass die Wildhauser Curlingfamilie trainieren könne, wann man wolle.

Ein neuer Anlauf für die Eishalle

Neu ist das Thema einer Eishalle mit Normgrössen nicht. Seit 20 Jahren wird es von mehreren Seiten ab und an wieder angesprochen. Aber «wirklich Konkretes» wurde nie daraus, meint Karl Otto Gämperli, Präsident des Liechtensteiner Eishockey- und Inlineverbands (LEIV). Das soll sich jetzt ändern.

Im Dezember 2020 lancierte er zusammen mit anderen das ambitionierte Projekt «Eishalle FL 2025», worüber in den vergangenen Tagen alle Sportverbände im Land, das LOC, die Stabstelle für Sport, verschiedene politische Vertreter der Parteien, die Gemeinden, die Sportkommission und das Schulamt in Kenntnis gesetzt wurden. Über 250 Briefe wurden verschickt.

Ohne Infrastruktur hinkt man hinterher

Eissportarten haben im Fürstentum einen schweren Stand. Trainingsmöglichkeiten sind auf den Breitensport und – mangels Indoor-Angeboten – auf den Winter begrenzt. Somit stossen ambitionierte Sportschüler, aber genauso Leistungssportler wie Eiskunstläuferin Romana Kaiser an ihre Grenzen. Auch die Nachwuchsrekrutierung gestaltet sich schwierig, solange keine regelmässigen Trainings im Land angeboten werden können. Aus diesem Grund hat Karl Otto Gämperli das Projekt «Eishalle FL 2025» lanciert.

«Solange es keine Infrastruktur gibt, hinkt man immer etwas hinterher», so der LEIV-Präsident. Ausserdem unterstreiche die Pandemie derzeit, welches Risiko die Abhängigkeit von ausländischen Ressourcen mit sich bringt. «Wir verlieren ohne Programm Mitglieder.» Ausweichoptionen über die Grenze sind also nicht die Ausnahme, sondern die Norm.

Aber auch in der Region sind die Angebote begrenzt, was das angestrebte Projekt für ein grösseres Einzugsgebiet als Liechtenstein interessant macht. Wie Gämperli ausführt, gibt es auf Schweizer Seite von Widnau bis Chur keine Eishalle in Normgrösse, und die Eishalle in Feldkirch sei komplett belegt.

«Wir bekommen nur sehr schwer Eiszeiten. Und wenn, dann nur zu Randzeiten, die unmöglich sind, diese von Liechtenstein aus zu erreichen, ohne dass unsere Sportler nach Mitternacht zu Hause sind. Priorität haben immer die ansässigen Vereine.»

Als Beispiel nennt Karl Otto Gämperli den Eishockeyclub Vaduz-Schellenberg (2. Liga Vorarlberg). Das Team trainiert und bestreitet seine «Heimspiele» in Grüsch, womit allein die An- und Rückreise gut eine Stunde beansprucht.

Von einer allfälligen neuen Eishalle in Liechtenstein profitieren alle Sportarten, nicht nur die Eishockeyspieler.

Von einer allfälligen neuen Eishalle in Liechtenstein profitieren alle Sportarten, nicht nur die Eishockeyspieler.

Bild: Keystone

Alle Sportarten auf dem Eis implementieren

«Uns geht es darum, dass alle auf dem gleichen Stand sind und die politischen Entscheidungsträger einmal davon gehört haben, dass wir an einer Eishalle dran sind», erklärt Gämperli. Gleichzeitig ist ihm wichtig, die Meinung der anderen Sportverbände einzuholen, um den Bedarf und die vorhandenen Bedürfnisse zu prüfen.

In einem nächsten Schritt werden Helfer gesucht, die das Projekt mit ihrem Fachwissen im Bau, bei juristischen Angelegenheiten, dem Unterhalt oder der Finanzierung unterstützen können. Entsprechend der frühen Phase sei noch nichts spruchreif, doch es brauche immer einen Anfang. Denn er will endlich einmal Klarheit in dem Thema schaffen:

«Etwas machen und auf die Schnauze zu fallen, ist besser, als nichts zu machen und unzufrieden zu sein.»

Ein halbes Jahr laufen die Vorabklärungen bereits. So fanden in Zürich zwei Treffen mit Vertretern der Internationalen Eishockey-Föderation statt, um Fakten und Informationen über ehemalige Projekte zu erhalten. «Wir haben schon einiges an Ideen und wollen auf jeden Fall alle Sportarten auf dem Eis implementieren», berichtet Gämperli.

Bedeutet, dass von der Eishalle unter anderem auch Eiskunstläufer, Bobsportler (Anschiebebahn), Curlingspieler, Schulen und das breite Publikum profitieren sollen. Auch Synergien mit Sommersportarten seien grundsätzlich vorstellbar. «Es gibt verschiedene Ansprüche. Sachen wie Technik, Garderobe und Gastwirtschaft könnten alle gemeinsam nutzen.»

Projekt richtet sich auf fünf Jahre aus

Anders als die Initianten hinter der geplante Kletterhalle und Langlaufstätte Steg möchte Gämperli nicht den Weg über die staatliche Sportstättenförderung einschlagen, sondern strebt eine Eigenmittelfinanzierung an:

«Sonst würden wir das Projekt aus der Hand geben.»

Allerdings sei man dennoch auf ein Wohlwollen des Landes und der Gemeinden angewiesen. Insbesondere, um geeignete Grundstücke im Baurecht zu erhalten – seiner Meinung nach die grösste Herausforderung für das Projekt. Was potenzielle Standorte angeht, konzentrieren sich die Projektverantwortlichen auf das Tal.

Eine Aufteilung in mehrere kleinere, übers Land verteilte Hallen, ausgerichtet auf verschiedene Eissportarten, sei laut dem LEIV-Präsidenten vorstellbar. Für kleinere Halle würden sich die Kosten schätzungsweise auf rund fünf Millionen, für eine grosse Halle im Zentrum auf ungefähr zehn Millionen Franken belaufen. Mit 2025 haben sich die Verantwortlichen einen Zeithorizont gesetzt, den sie in das Projekt investieren möchten.

«Bis dahin sollte etwas vorangehen. Sonst ist die Motivation nicht mehr vorhanden»,

ist Gämperli überzeugt. Sollte es innerhalb von fünf Jahren nicht zum Bau einer Eishalle kommen, wäre ausser «schönen Diskussionen» letztlich nichts gewesen. Wohlgemerkt wäre die ehrenamtliche Arbeit dann keinesfalls umsonst gewesen, betont der Initiant. Immerhin hätte man bei einem Scheitern Gewissheit, dass in Liechtenstein keine Eishalle gewünscht ist.