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Der erste Neubau der Schweiz ganz für frühkindliche Bedürfnisse entsteht in Grabs

In Grabs entsteht der erste Bau der Schweiz, dessen Architektur sich ganz und gar an frühkindlichen Bedürfnissen orientiert. Das «Storchennest» soll ein Statement für die Bedeutung der ersten drei Lebensjahre sein und hat für die Initianten Modellcharakter.
Ursula Wegstein
Heinz und Maria Luisa Nüesch, Stiftung Spielraum-Lebensraum, zeigen stolz das Modell vom «Storchennest». (Bild: PD)

Heinz und Maria Luisa Nüesch, Stiftung Spielraum-Lebensraum, zeigen stolz das Modell vom «Storchennest». (Bild: PD)

Vor 35 Jahren kam Heinz und Maria Luisa Nüesch die Idee zum ersten Mal: der Bau eines Hauses für die Allerkleinsten – eine Kinder-Oase.

Die Architektur der Pikler-Pädagogik

Seit über zehn Jahren bietet der Verein Spielraum-Lebensraum Eltern-Kind-Gruppen auf Grundlage der Pikler-Pädagogik an. Stets wurden die Räumlichkeiten zu klein. Der Wunsch nach Räumen, die selbst der gelebten Pädagogik entsprechen, wurde immer grösser.

Jetzt entsteht an der Peripherie von Grabs der erste Bau der Schweiz, bei dem die Architektur die Pikler-Pädagogik widerspiegelt.

«Das Storchennest soll das Bewusstsein wecken für die Bedürfnisse der Kleinsten nach Ruhe, Geborgenheit, Pflege der Sinne und Ungestörtheit»

sagt Maria Luisa Nüesch, Stiftungsrätin der Stiftung Spielraum-Lebensraum.

Vor fünf Jahren haben Heinz und Maria Luisa Nüesch eine Stiftung gegründet mit dem Zweck, die Arbeit der Spielräume zu unterstützen.

Dann musste ein Grundstück gefunden werden. Das liegt nun draussen bei den Tennisplätzen: ein längliches Grundstück mit 2300 Quadratmetern für öffentliches Bauen. Es sollen dort zwei Bauten entstehen: ein Wiegestubenhaus für Eltern-Kind-Gruppen und ein zweiter Bau für die Kinderhalbtagesstätte, das Kinderhaus.

Geborgenheit durch Holz, Stroh und Lehm

Zum Einsatz kommen besonders natürliche Baustoffe: Fertigelemente aus Holz und Stroh. Stroh – weil es schnell nachwächst und hohe Dämmwerte hat. Und Lehm.

«Dicke Wände aus Strohballen mit Lehm verputzt und ein weit nach unten gezogenes Dach wie bei einem Berner Bauernhaus sollen Wärme und Geborgenheit vermitteln»

sagt Maria Luisa Nüesch. Die Räume sollen durch ihre Einfachheit Harmonie erzeugen. Grosse Aufmerksamkeit liegt auf dem Ankommen und Eintreten des Besuchers.

Vom Parkplatz kommend sollen mehrere Stufen die Besucher entschleunigen. Alles sei darauf ausgerichtet, dass jeder an diesem Ort zu Ruhe kommen kann. Auch die Eltern sollen sich erholen. Etwa hundert Kinder werden wöchentlich in den Spielräumen verweilen.

Architektur ist auch Erzieher

Die Pikler-Pädagogik erachtet die Architektur als den dritten Erzieher. Da die ersten drei Lebensjahre für die Entwicklung entscheidend seien, sollte der dritte Erzieher gut sein, so die Stiftungsrätin. «Die Kleinsten brauchen die schönsten Bauten, denn sie leben in enger Verbindung mit ihrer Umgebung», sagt Nüesch. Mit dem Grabser Jan Schmid fand sich ein Architekt, der diese Anforderungen umzusetzen wusste.

Die Kinderhalbtagesstätte wird eine eigene Küche beinhalten. «Hier soll später gekocht werden», sagt Nüesch und zeigt auf den Ort, wo die Küche geplant ist: Essen zubereiten zähle zu den wenigen Tätigkeiten, bei denen Kinder heute noch Arbeit miterleben könnten.

Mit einem Nassraum wird das Storchennest auch über eine Art Miniatelier verfügen.

«Heute ist die Ablenkung gross, zu viel wird den Kindern vorgegeben»

so Nüesch. Manchmal sei es für die Kinder wie eine Befreiung, wenn sie ihr Spiel selbst, ohne Vorgaben und Animation, frei erfinden können.

Ein Sandraum als Highlight

Das freie, selbst erfundene Spiel in steht im Zen­trum der Pikler-Pädagogik. Dazu genügten einfachste Spielmittel. Ein Auto müsse nicht blinken.

Ein weiteres Highlight wird der Sandraum der Kindertagesstätte sein: Dort sollen Kinder nach Lust und Laune mit Sand arbeiten und diesen mit allerlei Gefässen und Schöpfkellen immer wieder umleeren können.

Kosten von 3,3 Millionen Franken

Dass die Gebäude mehr kosten werden als normale Bauten liegt auf der Hand: Voraussichtlich belaufen sich die Kosten auf 3,3 Millionen Franken. Etwa die Hälfte ist bereits durch Spenden und Eigenmittel gedeckt. Den Boden hat die Stiftung gekauft. Dank eines günstigen Darlehens musste die Bauherrin keinen Bankkredit aufnehmen.

Das langfristige Ziel der Stiftung ist es, dem Verein Spielraum-Lebensraum das Gebäude zinsfrei zur Verfügung zu stellen, damit dieser nur die Unterhaltskosten bestreiten muss.

Ein Bau mit Modellcharakter

Das Stroh-Lehmhaus soll im Januar 2020 bezugsbereit sein. Für die Initianten hat der Bau Modellcharakter für die ganze Schweiz und auch das Ausland. «Viele kommen und holen sich Anregungen für ihre Kindergruppen», sagt die Stiftungsrätin. «Die positive Ausstrahlung unserer Spielräume ist jetzt schon eindrücklich.»

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