Vor 50 Jahren befürchtete man ernsthafte Konkurrenz für die Kasten-Seilbahn

Vor 50 Jahren sorgte das Projekt einer Bahn von Eichberg auf den Kamor für riesiges Aufsehen und grosse Aufregung. Vor allem die Betreiber und Aktionäre der Luftseilbahn Brülisau–Hoher Kasten waren von der drohenden Rheintaler Konkurrenz alles andere als begeistert.

Peter Eggenberger
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Die Rheintaler Pläne der Luftseilbahnen Eichberg–Kamor und Lienz–Hoher Kasten blieben unverwirklicht. Realisiert hingegen wurde die Bahn von Frümsen hinauf zur Stauberen.

Die Rheintaler Pläne der Luftseilbahnen Eichberg–Kamor und Lienz–Hoher Kasten blieben unverwirklicht. Realisiert hingegen wurde die Bahn von Frümsen hinauf zur Stauberen.

«Für einige Aufregung sorgte im Frühling die Nachricht vom projektierten Sport- und Erholungszentrum Eichberg, das als Erstes den Bau einer Luftseilbahn mit 124 Viererkabinen von Eichberg zur Diepoldsauer Alp am Fuss des Kamors vorsieht.»

Dies schreibt Chronist Hermann Grosser in der 1971er-Ausgabe des appenzellischen Jahrbuchs. «Für die Weiterführung auf den Kamor – den unmittelbaren Nachbargipfel des Hohen Kasten – ist eine zweite, als Sesselbahn konzipierte Sektion vorgesehen. Geplant ist zudem die Errichtung eines Berggasthauses auf der Diepoldsauer Alp mit 350 Innen- und 400 Aussenplätzen, ein geheiztes Schwimmbad, eine Curlinghalle, ein Kindergarten und eine Kinder-Märchenbahn…»

Erinnerungen an den Kampf um die Kastenbahn

Die utopischen Rheintaler Pläne und die Konkurrenzangst auf Innerrhoder Seite erinnerten an den Kampf um die Kastenbahn in den späten 1950er-Jahren. Obwohl damals den Innerrhoder Kastenbahn-Plänen bereits die Konzession erteilt worden war, reichte ein Rheintaler Initiativkomitee dem eidgenössischen Post- und Eisenbahndepartement ein Gegenprojekt vor, das den Bau einer Luftseilbahn ab dem zu Altstätten gehörenden Dorf Lienz auf den Kasten vorsah. In der Folge entbrannte eine sowohl im Rheintal als auch im Appenzellerland heftig geführte Pressepolemik. Beide Seiten rückten die Vorzüge ihres Projekts ins beste Licht und versuchten, die Öffentlichkeit zu beeinflussen.

Bau von beiden Bahnen?

Diskutiert wurde überdies der Bau beider Bahnen. Schon bald aber wurde diese Idee fallen gelassen, zumal das zuständige Departement an der den Inner- rhodern erteilten Bewilligung festhielt und die Rheintaler Variante klar ablehnte. Damit war der Weg frei für die Realisierung der heutigen Kastenbahn.

Am 8. September 1962 erfolgte im Kurhaus Weissbad die Gründungsversammlung der entsprechenden Aktiengesellschaft. Nach dem Baubeginn im Frühling 1963 konnte die Bahn ab Brülisau am 11. August 1964 eröffnet werden.

Sensation: 1964 wurden zwei Seilbahnen eröffnet

1964 stand ganz im Zeichen der Luftseilbahnen im Alpstein, und es wurde als Sensation gewertet, dass mit der Kasten- und der Kronbergbahn gleich zwei Luftseilbahnen eröffnet werden konnten.
Älteste Luftseilbahn in der Region Bodensee-Rheintal-Alpstein war die 1927 in Betrieb gesetzte, von Bregenz auf den Pfänder führende Bahn. 1935 folgte die Säntisbahn und 1955 konnte die Bahn Wasserauen–Ebenalp ihrer Bestimmung übergeben werden. Zu den kleinen Luftseilbahnen gehört nebst der Staubernbahn diejenige von Brülisau zur Alp Sigel, die 1964 eröffnet und 2011 modernisiert worden ist. (egb)

Aus für hochfliegende Kamorbahn-Pläne

Die sieben Jahre später (1971) befürchtete Konkurrenzierung der Kastenbahn durch die hochfliegenden Rheintaler Kamorbahn-Pläne erwies sich rasch als unbegründet. Dazu der Chronist im Jahrbuch: «Die erforderliche Finanzierung scheiterte, und auch die Opposition der benachbarten Unternehmen war dergestalt, dass es um das Projekt rasch still geworden ist.»

Doch noch eine Rheintaler Alpsteinbahn

Mit der Gondelbahn von Frümsen auf die Stauberen wurde dann aber doch noch eine vom Rheintal in den Alpstein führende Bahn realisiert. 1979 als Materialseilbahn erstellt, erfolgte 2001 der auch Personentransporte ermöglichende Umbau. Im Frühling 2018 konnte die heutige, mit Solarkraft betriebene neue Staubernbahn ihrer Bestimmung übergeben werden.

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