Ernährungsberaterin Anita Schneider: «Gesunde Ernährung tut gut»

Anita Schneider musste sich schon früh wegen ihrer angeschlagenen Gesundheit auf eine gute Ernährung einstellen. Heute gibt sie als fundiert ausgebildete Gesundheits- und Ernährungsberaterin ihr Wissen weiter.

Heidy Beyeler
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Als Fachlehrerin für Bäuerliche Hauswirtschaft am Landwirtschaftlichen Zentrum Salez gibt Anita Schneider ihr Wissen weiter. (Bilder: Ralph Ribi)

Als Fachlehrerin für Bäuerliche Hauswirtschaft am Landwirtschaftlichen Zentrum Salez gibt Anita Schneider ihr Wissen weiter. (Bilder: Ralph Ribi)

Das Treffen für ein persönliches Gespräch mit Anita Schneider findet am landwirtschaftlichen Zentrum Rheinhof LZSG, ihrer Arbeitsstätte, statt. Sie ist bester Laune und fängt gleich an zu erzählen – über ihre Tätigkeit und ihr Engagement für eine gute, verträgliche und gesunde Ernährung.

Es war ihr schlechter Gesundheitszustand, der sie quasi dazu gezwungen hat, sich mit der Ernährung zu befassen. Sie war schon von Kindsbeinen an ständig «kränkelnd». Sie konnte und durfte nicht essen, wonach sie gelüstete. Sie führte ein Leben mit Medikamenten. «Ich bin mit Antibiotika aufgewachsen, hatte keine robuste Gesundheit, und mit der Darmflora war es auch nicht zum ­Besten bestellt», schildert Anita Schneider.

Von Hauswirtschaft zu Ernährung und Gesundheit

Nach Abschluss der Volksschule entschied sie sich für den Beruf der Hauswirtschaftslehrerin. Sie absolvierte die Pädagogische Hochschule und unterrichtete mehrere Jahre Schülerinnen in Hauswirtschaft.

Mit der Zeit spürte sie, dass sie sich vermehrt für Themen wie Ernährung und Gesundheit interessierte. Und so besuchte sie am Unispital Zürich eine Weiterbildung mit dem Modul «Ernährung für Gesunde und Kranke». Man sprach beispielsweise über Rheuma und Osteoporose.

«Da habe ich gemerkt, dass damals die Schulmedizin im Bereich der Ernährung für diese Beschwerden nicht sehr viel zu bieten hatte. Damals hiess es landläufig, diese Krankheiten stünden nicht in Zusammenhang mit der Ernährung. Inzwischen wurden diese Meinungen geringfügig revidiert.»

An der Uni Zürich lernte sie die Leiterin der Schule für angewandte Naturheilkunde Zürich kennen. «Bald war mir klar: Ich werde diese Frau für die Ernährungsberatung beiziehen. Nach dem ersten Besuch bei ihr war ich derart überzeugt, dass ich mich sofort an der Schule für angewandte Naturheilkunde anmeldete.» Die Ausbildung am Unispital hat sie trotzdem abgeschlossen.

Die naturnahe Ernährung ist wichtig für das Wohlbefinden.

Die naturnahe Ernährung ist wichtig für das Wohlbefinden.

«Es war schon etwas gewagt, was ich mir da aufbürdete. Ich sah aber in dieser Ausbildung eine grosse Chance, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Zu jener Zeit hatte auch noch zwei kleine Kinder, die versorgt werden mussten. Während meiner Abwesenheiten übernahm meine Mutter die Betreuung der beiden Mädchen.»

Die Chance nicht entgehen lassen

Dennoch musste sie zuhause auch noch lernen. Allein die Ausbildung für die medizinischen Grundlagen dauerte zwei Jahre, bei ein bis zwei Tagen Schule pro Woche. Anschliessend folgte die Ausbildung zur Ernährungstherapeutin. Mit diesem Abschluss durfte sich Anita Schneider offiziell Ernährungstherapeutin nennen.

Essen soll Genuss, Lebensqualität und Leidenschaft sein.

Essen soll Genuss, Lebensqualität und Leidenschaft sein.

Damit war es für sie nicht getan. Es folgten Ausbildungen in Phytotherapie und Humoraltherapie, als Vervollständigung der Ausbildung zur Naturheilpraktikerin. Mit der kantonalen Praxisbewilligung in der Tasche eröffnete sie daraufhin in Oberriet eine eigene Praxis.

Sich selber spüren können ist wichtig

Je mehr sich Anita Schneider mit den Zusammenhängen von Gesundheit und Ernährung befasste, desto häufiger öffneten sich neue Felder in diesem Bereich. Sie lernte vermehrt auf ihren eigenen Körper zu hören, die Sensibilität wuchs. Heute weiss sie:

«Es gibt nichts Besseres, als die Reaktionen des Körpers wahrzunehmen, um zu erkennen, was einem guttut und was nicht.»

Dabei weiss sie: «Es ist nicht einfach, dies zu erkennen.» Es sei ihr inzwischen aber bewusst, dass alle guten Tipps im Sand verlaufen, wenn die betroffene Person nicht bereit ist, sich mit der eigenen Befindlichkeit auseinanderzusetzen, um sich selber spüren zu können.

Werbung ist teilweise zweifelhaft

Dabei rät sie, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. In der Werbung werde die Bevölkerung ständig überhäuft mit allgemeinen Empfehlungen in Bezug auf die Ernährung – und oft auch irregeführt. «Dass der Morgen den Tag macht, ist weitläufig bekannt. Deshalb sollte der Morgen mit einem aktivierenden und wärmenden, Frühstück beginnen, das auch Eiweiss enthält», betont Anita Schneider.

Fermentieren, zum Beispiel mit Einsatz von Hefe, leistet einen Beitrag zur Gesundheit des Magen-Darm-Trakts.

Fermentieren, zum Beispiel mit Einsatz von Hefe, leistet einen Beitrag zur Gesundheit des Magen-Darm-Trakts.

Jeder Mensch sei einzigartig, mit seinem eigenen Stoffwechsel, der von vielen Faktoren abhängig ist. Darüber werde in der Werbung geflissentlich geschwiegen, empört sie sich. Sie ärgert sich auch über Empfehlungen wie: «Menschen ab 50 Jahren sollten mehr Fleisch essen, weil sie mehr Eiweiss benötigen.» Denn vor allem bei einer schwachen Verdauung werde damit die Leber über lange Zeit stark belastet. Wichtig und ausschlaggebend sei nicht die Menge an Eiweiss, die man esse, sondern die Verteilung der Eiweisskombinationen über den Tag hinweg.

Gut essen und gesund bleiben

«Ich hatte grosses Glück», stellt Anita Schneider fest. Sie arbeitete nicht nur in ihrer Praxis, sondern während rund sieben Jahren auch als Ernährungsberaterin im Hotel Hof Weissbad, Appenzell Innerrhoden. Dazu bot sie auch Vorträge, Kochkurse und Kochdemos für gesunde Ernährung und gutes Essen an. «Das war für mich eine bewegte und bereichernde Zeit.»

2015 ist Anita Schneider dort angekommen, wohin sie wollte. Sie konnte ihr Wissen, das sie in vielen Jahren durch Ausbildung und Erfahrung gewonnen hat, den Menschen weitergeben. Und zwar in einer Art, die ihnen hilft, ihre Lebensqualität zu verbessern – für ein genussvolles und gesundes Wohlergehen.

Das Wissen an Kursen weitergeben

Mit einem Pensum von 50 Prozent arbeitet Anita Schneider am Landwirtschaftlichen Zentrum SG Rheinhof Salez im Ressort bäuerliche Hauswirtschaft und Ernährung. Hier ist sie auf der Beratungsstelle speziell für den Bereich Ernährung und Gesundheit zuständig.

Anita Schneiders Haupttätigkeiten am LZSG sind Weiterbildungskurse, teils in der Bäuerinnenausbildung, sowie Bereiche der Produkteverarbeitung (zum Beispiel Rezepte für den Ribelmais). Sie stellt fest:

«Für mich ist Ernährung Genuss, Lebensqualität und Leidenschaft. Deshalb möchte ich mein Wissen an andere Menschen weitergeben.»

Die grossen Themen sind für Anita Schneider die Fermentierung, Milchsäuregärung und das Brot backen – also der ganze Bereich der Mikroorganismen.

Fermentieren um der Gesundheit willen

Gerade das Fermentieren ist voll im Trend – vor allem um der Gesundheit willen. Mit dieser Konservierungstechnik werden schon seit Jahrtausenden Lebensmittel durch einen natürlichen Prozess haltbar gemacht.

Beim Fermentieren verwandeln Mikroorganismen, wie Bakterien und Hefe, natürlichen Zucker und produzieren dabei viele gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe, zum Beispiel Milchsäure. Die fermentierten Lebensmittel leisten einen grossen Beitrag zur Gesundheit des Magen-Darm-Trakts.

Bedarfsorientierte Ernährung

Im Moment befasst sich Anita Schneider mit Themen in Zusammenhang mit dem Darm und seinem Nervensystem. Dazu recherchiert sie und sucht so nach neuen Erkenntnissen. «Ich will dranbleiben, um selber neue Erkenntnisse zu gewinne», stellt sie fest. Zudem besucht sie auch jedes Symposium, das von der Schule für angewandte Naturheilkunde Zürich angeboten wird. So erfahre sie immer die neusten Erkenntnisse im Bereich Gesundheit und Ernährung.

Werbung, die viel verspricht, gibt oft auch irreführende Empfehlungen, stellt Anita Schneider fest.

Werbung, die viel verspricht, gibt oft auch irreführende Empfehlungen, stellt Anita Schneider fest.

2008 hat Anita Schneider zusammen mit anderen interessierten Fachleuten den schweizerischen Verein «Bedarfsorientierte Ernährung» (kurz BoE) mitbegründet. Sie lernte das Konzept von Heilpraktiker Heinrich Tönnies, des «Vaters» der bedarfsorientierten Ernährung, kennen. Und sie war hell begeistert, als sie von seinen Geschichten und Erfahrungen erfuhr. «Ich war hin und weg.» Von seiner BoE ist sie überzeugt. «Hier holte ich mir alle Informationen über diese Methode», sagt Anita Schneider.

Ein Zitat von Heinrich Tönnies lautet: «Ich beobachtete am eigenen Körper, wo durch die unterschiedlichen Ernährungsformen das Befinden und die Leistungsfähigkeit beeinflusst werden.»

Man kann gespannt sein, was Anita Schneider bei einem ihrer nächsten Kurse – beispielsweise am LZSG – über die Gesundheit und die Ernährung zu berichten hat.

Kurse zu Ernährung und Darm (zum Beispiel Fermentierung) sind auf www.lzsg.ch/Kurse unter Fachbereiche Bäuerliche Hauswirtschaft und Ernährung, abrufbar.