Die Buchser Tagesfamilien-Vermittlerin Susi Crescenti wurde pensioniert

Nach 38 Jahren Vermittlertätigkeit und Tagespflegekinderaufsicht ging Susi Crescenti Ende Jahr in Pension.

Hanspeter Thurnherr
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Susi Crescenti an einem ihrer letzten Arbeitstage im Gebäude der Bibliothek Buchs.

Susi Crescenti an einem ihrer letzten Arbeitstage im Gebäude der Bibliothek Buchs.

Bild: Hanspeter Thurnherr

Am Anfang, im Frühling 1982, stand eine Begegnung beim Spazieren. Eine Migrantin fragte Susi Crescenti, die damals selber drei kleine Kinder hatte: «Könnten Sie nicht mein Kind hüten. Ich muss arbeiten gehen.» Susi Crescenti erschrak beim Gedanken: «Was, wenn ich selbst mein Kind jemand Fremdem anvertrauen müsste?» Ihr war sofort klar: Man muss eine Stelle schaffen, die in solchen Situationen hilft. Sie diskutierte dieses Problem mit einer befreundeten Sozialarbeiterin, gemeinsam holten sie mehr Leute ins Boot und entschlossen sich, einen Tagesfamilienverein zu gründen.

«Von Anfang an hatte ich viel Freude an der Vermittlertätigkeit. Denn ich habe gerne Kontakt mit Familien. Ich wusste, dass Wochenpflege- und Tagesfamilien gut vorbereitet werden müssen, damit andere Eltern ihre Kinder mit gutem Gefühl abgeben können.»

Dass auch eine Kindertagesstätte eine andere wichtige Institution für Kinder wäre, war von Anfang an klar und die Schatzchischta wurde aus dieser Gruppe heraus, aber als eigenständiger Verein, gegründet. «Die beiden Vereine blieben Partner, man unterstützte sich gegenseitig. Denn wir hatten ja das gleiche Ziel: dass die Kinder gut aufgehoben sind.» Dass es Beide braucht, erklärt Susi Crescenti so: «Tagesmütter sind zeitlich flexibler, können auch mal samstags oder sonntags, frühmorgens bis später am Abend, in Absprache auch mal über Nacht dem Tageskind Aufnahme bieten.»

Über die Jahre in die Arbeit hineingewachsen

Die Vermittlertätigkeit wurde mit den Jahren immer umfangreicher. «Ich bin in diese Arbeit hineingewachsen, habe spezifische Ausbildung gemacht und bei der Arbeit dazugelernt. Gerne nutzte ich weitere Fachstellen in speziellen Situationen selber, arbeitete mit ihnen zusammen oder empfahl sie den Eltern als zusätzliche Beratung.» Bis Ende 2012 vermittelte und begleitete sie Pflegefamilien und Tagesmütter. Mit der neuen Verordnung war ab dann der Kanton oder die Kesb für Pflegekinder und Familien zuständig.

Sozialämter anerkannten die Arbeit

Vor elf Jahren konnte Susi Crescenti ihre bis dahin zu Hause privat angebotene Vermittlung und Begleitung in die Büroräumlichkeiten an der Kirchgasse verlegen. Damit erkannten und anerkannten die Verantwortlichen auf den Sozialämtern in Buchs und Grabs die gewachsene und umfangreiche Arbeit und die Wichtigkeit, Ansprechpersonen für Eltern und Tagesfamilien zu haben.

Auf die Herausforderungen in ihrer Vermittlungstätigkeit angesprochen sagt Crescenti: «Familien geben ihre Kinder ab, andere nehmen sie auf. Das muss feinfühlig gehandhabt werden. Denn jede Familie ist eigenständig und soll respekt- und achtungsvoll begleitet werden. Ein vertrautes, partnerschaftliches Miteinander aufzubauen war mein wichtigstes Ziel.» Ihren eigenen Visionen entgegenkommend änderten sich nach und nach auch die Einstellungen gegenüber Familien: «Hand reichen in schwierigen Situationen, stützen und unterstützen, um ein Tabu zu brechen ‹niemand darf wissen, dass ich als Mutter, bzw. als Familie, im Moment überfordert bin›. Es gibt in jeder Situation verschiedene richtige Wege.»

Der Wert der Tagesmutter- Arbeit bleibt unbezahlbar

Tagesmütter zu finden war über all die Jahre eine grosse und zeitraubende Herausforderung. Inzwischen haben Tagesmütter bessere Voraussetzungen. Unter anderem auch, weil ihr Verdienst nicht mehr nur einem Taschengeld entspricht, auch wenn natürlich der Wert der Arbeit unbezahlbar bleibt. «In letzter Zeit konnte ich Migranten für diese Arbeit gewinnen, auch sie sind gute Mütter und ihre Kultur zeigt sich bereichernd für Tageskinder und deren Eltern», erzählt Crescenti. Seit sie ihr Büro ausser Haus hatte, war sie entlastet. Entlastet darum, weil jetzt Hausarbeit und Vermittler- samt Aufsichtstätigkeit räumlich getrennt und zeitlich eingeteilt wurden. Sie habe gelernt, mit den Belastungen umzugehen. «Der Abschied macht mich schon ein bisschen wehmütig, aber nicht traurig. Entlastet kann ich mich auf Neues freuen. Ich werde sehen, was auf mich als Jungpensionistin zukommen wird.»