Erfolgsautor Lukas Bärfuss las im Schloss Werdenberg aus seinem Buch

Zum Auftakt der neuen Saison bot Lukas Bärfuss einen kostbaren Literaturabend in der Landvogtstube im Schloss Werdenberg.

Heidy Beyeler
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Schriftsteller Lukas Bärfuss beeindruckte das Publikum im Schloss Werdenberg am Wochenende mit seinen Texten

Schriftsteller Lukas Bärfuss beeindruckte das Publikum im Schloss Werdenberg am Wochenende mit seinen Texten

Bild: Heidy Beyeler

Lukas Bärfuss wird von Schlossmediale-Leiterin Mirella Weingarten in die gut temperierte, proppenvolle Landvogtstube des Schlosses geführt. Er setzt sich an den Tisch und lässt das Publikum wissen, dass es ruhig noch etwas plaudern könne. «Es geht nicht grad los», sagt der Schriftsteller und Theaterschaffende Bärfuss und vertieft sich in Gedanken. Vielleicht um die Anwesenheit der Menschen auf sich einwirken zu lassen.

Die schriftstellerische Frage nach der Liebe

Den Auftakt zum Jahresthema «Gross und Klein» auf Schloss Werdenberg mit Lukas Bärfuss hätte nicht passender sein können. «Gross und Klein» gibt heuer den Ton an. Bärfuss ist ein grosser Schriftsteller. Am Freitagabend las er vornehmlich Episoden aus seinem neusten Werk «Malinois». Für dieses Buch wurde er an der Büchermesse 2019 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Die Einblicke in die Gattung Mensch sind tiefsinnig, zum Teil grenzwertig, lassen aber den Humor nicht aussen vor.

Mit der Frage nach der Liebe eröffnete der Schriftsteller seine Lesung aus seinem prämierten Buch. Es ist die erste Seite von 13 Erzählungen aus diesem Buch. Ein sanfter Einstieg in die Geschehnisse, die in diesem Buch festgehalten werden. Bärfuss liest: «Was ist die Liebe?» Dazu gibt er gleich selbst die Antwort: «Eine Fürchterlichkeit natürlich; eine Wildnis, die Unterstand verspricht; ein schrecklicher Wille zur Unordnung, der sich hinter Ritualen verbirgt; eine Grausamkeit, die sich der Zärtlichkeit bedient; eine Gesetzlosigkeit, die Freiheit behauptet.» Und dann erzählt er ein Geschehnis von einem vierundfünfzigjährigen Mann.

Begegnungen mit Menschen aus zwei Jahrzehnten

Eine andere Episode: Die Erinnerungen an den Dramatiker Martin Babian zeichnet der Schriftsteller in derart klarer Beschreibung, dass es jedem Leser bzw. Zuhörenden bewusst werden muss, dass der Protagonist Martin Babian eigentlich eine schwierige Persönlichkeit in sich trägt. Bärfuss mag ihn trotzdem, in irgendeiner Weise. Obwohl er sich von Babian erniedrigt fühlte. Babian muss ihn wohl an einem bestimmten Punkt getroffen haben.

Bärfuss spricht von Menschen, die ihm in den letzten zwanzig Jahren begegneten. Menschen, die er wahrgenommen hat, die ihn faszinieren oder eben nicht. Seine Erzählungen im jüngsten Buch «Ma­linois», aber auch in anderen von ihm geschriebenen Büchern, sind häufig seinen Wurzeln aus der Kindheit und des Heranwachsens entsprungen. Er hat schon früh begonnen, sein Sein, sein Leben, selber in die Hand zu nehmen. Er ist kein Schönfärber der Vergangenheit. Seine Erinnerungen sind Wirklichkeit, angereichert mit Empfindungen durch Beobachtungen. Er charakterisiert die Protagonisten seiner Erzählung in einer Art, dass der Leser sich die Personen und deren Umfeld bildhaft vorstellen kann.

Humorvoll und gnadenlos

Zum Schluss servierte Bärfuss eine Kostprobe aus seinem Buch «Krieg und Liebe: Essays», in dem er das gnadenlose Leben von «Tömeli und Röscheli» ausbreitete. Zwei Menschen, die nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen. In diesen Erzählungen sind sowohl humorvolle Episoden wie auch solche, die zum Nachdenken führen, enthalten. Mit einer gewissen Gnadenlosigkeit ist dabei auch die eigene Biografie des Schriftstellers unumwunden erkennbar.