Erfolgreiche «La Traviata»: Begeisterte Kritik als Lohn

Vom Wetter über die Mitwirkenden und Helfer bis zur Unterstützung durch Sponsoren und die öffentliche Hand: Die neue Crew der Werdenberger Schloss-Festspiele mit Kuno Bont an der Spitze darf sich nach zehn ausverkauften Aufführungen über eine gelungene Premiere am neuen Spielort am Werdenbergersee freuen. Ob es sie wieder geben wird, steht allerdings noch nicht fest.

Thomas Schwizer
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Bont Kuno, Regisseur, künstlerische Co-Leiter und Direktor der erfolgreichen «La Traviata»-Aufführungen der Werdenberger Schloss-Festspiele. (Bild: Heini Schwendener)

Bont Kuno, Regisseur, künstlerische Co-Leiter und Direktor der erfolgreichen «La Traviata»-Aufführungen der Werdenberger Schloss-Festspiele. (Bild: Heini Schwendener)

Wie sind Sie mit den Werdenberger Schloss-Festspielen 2018 zufrieden?

Kuno Bont: Wir sind sehr zufrieden, sowohl auf künstlerischer Ebene als auch bezüglich des Publikumsinteresses. Schon vor dem Start waren alle Aufführungen bis auf den letzten Platz ausverkauft. Das ist nicht selbstverständlich und schwierig zu erreichen.

Wie trug das Wetter zum Erfolg bei?

Das Wetter war mit ausschlaggebend, unter was für Voraussetzungen wir spielen konnten. Wir hatten ausgesprochenes Wetterglück. Ich lege meine Projekte immer nach dem Appenzeller Kalender fest. Während der Schloss-Festspiele war es zwar wärmer als der Appenzeller Kalender ausgesagt hat, aber das schöne Wetter traf zu.

An einer Aufführung hat es aber dennoch geregnet?

Wir hatten etwas zehn Minuten Regen ganz am Anfang einer Aufführung. Aber es hat weder dem künstlerischen Ausdruck noch der Spiellaune geschadet. Dieser kurze, leichte Regen war kein Problem.

Wie waren die Rückmeldungen der Zuschauer?

Sehr gut. Ich habe sehr viele Karten, E-Mails und Briefe erhalten und bin auch oft persönlich angesprochen worden. Die Leute sind begeistert, und das freut uns.

Wie wichtig ist es für die Werdenberger Schloss-Festspiele 2018, dass alle Aufführungen ausverkauft waren?

Es ist wichtig. So hatten wir Einsparungen, situationsbedingt aber auch Mehrkosten. Wie es finanziell genau aussieht kann ich im Moment noch nicht sagen. Aber ich habe ein gutes Gefühl.

Die Zuschauer waren be­geistert, wie war das bei den Mitwirkenden?

Auch die waren begeistert. Wir sind in dieser Zeit eine Familie geworden. Wir haben gut zusammengearbeitet. Das muss sich jetzt noch bei den Aufräumarbeiten bewähren, bei denen wir viele Hände brauchen. Im Moment läuft das gut. Ziel ist es, bis Donnerstag oder Freitag damit fertig zu sein.

Musikalisch, gesanglich und künstlerisch haben die Werdenberger Schloss-Festspiele 2018 (hier Brigitta Simon) überzeugt. (Bild: Robin Egloff)

Musikalisch, gesanglich und künstlerisch haben die Werdenberger Schloss-Festspiele 2018 (hier Brigitta Simon) überzeugt. (Bild: Robin Egloff)

Solist Adam Sanchez konnte nicht selbst singen. Was war der Grund dafür?

Er hatte eine hartnäckige Erkältung, die er nicht weggebracht hat. Es kann auf die Stimme eines Profi-Sängers gröbere Auswirkungen haben, wenn er zu früh wieder singt. Deshalb mussten wir schnell einen ebenbürtigen Ersatz organisieren.

Wie findet man so einen professionellen Ersatz innert so kurzer Zeit?

Das geht schnell, wenn man auf ein Netzwerk zurückgreifen kann. Der Ersatz muss das Werk mindestens schon gesungen haben, es kennen und verfügbar sein. Hinzu kommt die knappe Zeit. Ich habe dem Ersatz zusammen mit dem Ensemble einen zweistündigen Crashkurs gegeben und es hat funktioniert. Harrie van der Plas bewies, dass er ein echter Profi ist, und hat schnell begriffen und gewusst, worauf es ankommt. Und vor allem haben die anderen auf der Bühne ihn unterstützt und ihn geführt. Wir hatten dreimal Ersatzleute. Die ersten beiden haben den Gesang geliefert zum Spiel von Adam Sanchez. Als sich danach immer noch keine Besserung zeigte, sahen wir uns gezwungen, einen Rollenwechsel vorzunehmen.

Der erkältungsbedingte Ausfall von Adam Sanchez hat wohl Mehrkosten verursacht.

Es gibt gewisse Mehrkosten, die sich aber im Rahmen halten. Eine Versicherung für solche Fälle wäre zu teuer. Es hat uns auch geholfen, einen Ersatz zu finden, weil die Rolle des Alfredo sehr begehrt ist.

Sind Sie zufrieden mit der Unterstützung, welche die Organisation der Schloss-Festspiele erhalten hat?

Wir haben viel Unterstützung erhalten, was uns gefreut und motiviert hat. Vieles haben wir zudem selber organisiert. So haben wir die Verkehrsumleitung auf der Churerstrasse während der Aufführungen selbst beim Kanton eingereicht. Sie hat gut funktioniert. Schade war, dass die Feuerwehren Buchs und Grabs uns bezüglich der Verkehrsregelung einen Korb gaben. Das mussten wir aber akzeptieren. Wir haben dann die Regelung mit Verkehrslotsen organisiert und das ist reibungslos verlaufen. Ich arbeite gerne mit jungen Leuten zusammen, die Power haben.

Kuno Bont: «Wir haben den Beweis erbracht, dass wie es können.»

Wie war die Unterstützung der öffentlichen Hand?

Die Stadt Buchs hat uns gut unterstützt. Einerseits bei den Bewilligungsverfahren. Auch die notwendige Abnahme der Anlagen ist sehr gut gelaufen. Und wenn wir vom Bauamt etwas gebraucht haben, hat dies auch sehr gut geklappt. Auch das Üben in der Lokremise verlief tiptop.

Und wie war die Unterstützung durch den Kanton?

Er zeigte sich sehr grosszügig in der Mithilfe bei der Finanzierung. Auch die Gemeinden, zahlreiche Stiftungen, viele Freunde und Gönner sowie die Kulturförderinstitution haben uns sehr gut unterstützt. Der Verteiler der Finanzierung stimmt so wie vorgesehen: Ein Drittel durch Sponsoren, ein Drittel durch Eintrittsgelder und ein Drittel durch die öffentliche Hand. Die Eigenleistung hat sich dank der ausverkauften Aufführungen sogar etwas verbessert. Die grossartige Unterstützung hat uns gezeigt, wie stark die Oper im Werdenberg verankert ist und uns zugleich eine grosse Sorge genommen, so dass wir uns voll auf das Künstlerische konzentrieren konnten. Und das lohnte sich, denn gemäss den Kritiken haben wir überzeugt, sowohl bezüglich Musik, Solisten und Inszenierung. Wir haben den Beweis erbracht, dass wir es können.

Hat sich der neue Spielort am Werdenbergersee bewährt?

Er hat sich bezüglich Infrastruktur und als Teil der Werdenberger Schloss-Festspiele bewährt. Wenn es sie erneut geben wird, dann werden sie sicher wieder am selben Spielort stattfinden. Ich war von Anfang an überzeugt, dass der Ort schwierig zu toppen sein wird, und auch die Zuschauer und Mitwirkenden waren von der Oper am Werdenbergersee begeistert.

Der neue Spielort am Werdenbergersee hat sich bezüglich Infrastruktur und als Teil der Werdenberger Schloss-Festspiele bewährt. (Bild: Michel Canonica)

Der neue Spielort am Werdenbergersee hat sich bezüglich Infrastruktur und als Teil der Werdenberger Schloss-Festspiele bewährt. (Bild: Michel Canonica)

Nach dem grossen Erfolg der Premiere der neuen Schloss-Festspiele wird der Fokus wohl darauf liegen, eine nächste Produktion durchzuführen?

Diesbezüglich kann ich noch gar nichts sagen. Zuerst werden wir das Ganze analysieren. Es hat Bereiche, die sehr gut gelaufen sind, aber auch solche, in denen wir es noch besser machen können. Vor Ende Jahr werden wir alle an einen Tisch sitzen und eine genaue Auslegeordnung machen. Erst danach können wir entscheiden, wie es weiter geht.

Es ist also nicht so, dass Ihr aus Begeisterung schon gesagt habt, dass Ihr sicher weiter macht ?

Es ist immer falsch, in einer Phase der Begeisterung etwas zu versprechen. Wenn man etwas verspricht muss man es halten können, und das geht mit einem kühlen Kopf besser.