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«Er verendete qualvoll»: Weshalb ein angefahrener Hirsch im Werdenberg auf den erlösenden Schuss warten musste

Muss nach einem Zusammenstoss zwischen einem Wildtier und einem Fahrzeug ein verletztes Tier erlöst werden, wird dafür ein Jäger aufgeboten. Bis dieser vor Ort ist, kann es in Ausnahmefällen auch länger dauern, wie ein Fall aus dem Werdenberg zeigt.
Corinne Hanselmann
Langgewehre, wie Jäger sie verwenden, sind für Fangschüsse besser geeignet als die Pistolen der Polizei. (Symbolbild: Arno Balzarini/Keystone)

Langgewehre, wie Jäger sie verwenden, sind für Fangschüsse besser geeignet als die Pistolen der Polizei. (Symbolbild: Arno Balzarini/Keystone)

Sieben Kollisionen mit Rehen, zwei mit Hirschen – so die traurige Bilanz der vergangenen Tage. Zwischen Sevelen und Weite queren derzeit jede Nacht zahlreiche Wildtiere auf der Suche nach Futter die Hauptstrasse – für manche endet sie tödlich.

In diesem Gebiet fuhr eine W&O-Leserin kürzlich zufällig an einen eben passierten Wildunfall heran. Der Verursacher hatte die Polizei bereits benachrichtigt. Diese bot einen Jäger auf, um den verletzten Hirsch zu suchen und von seinem Leiden zu erlösen. Die ortskundige Leserin entdeckte den Hirsch nach kurzem Suchen und blieb vor Ort, um dem Jäger die Suche zu ersparen. Doch er liess länger auf sich warten.

«Wir harrten eine ganze Stunde aus, ohne dass die Polizei oder der zuständige Jäger kam. Der Hirsch verendete in der Zwischenzeit qualvoll.»

Dann erst kam der von der Polizei aufgebotene Jäger. «Ein anderer Jäger wäre schneller vor Ort gewesen», erzählt die Leserin weiter, «da die Unfallstelle aber nicht in seinem Revier ist, dürfte er nicht schiessen.» Das stösst bei ihr auf Unverständnis.

Jedes Jagdrevier meldet zwei Kontaktpersonen

Der fürs Werdenberg zuständige Wildhüter Silvan Eugster erklärt auf Anfrage des W&O, dass Jäger im eigenen Revier, aber auch in unmittelbarer Nähe, sogenannte Fangschüsse abgeben dürfen. Als Fangschuss wird in der Jägersprache derjenige Schuss bezeichnet, mit dem schwer verletztes Wild erlöst wird.

«Mit der Pacht eines Reviers übernehmen die Jäger auch die Pflicht, in einem Notfall auszurücken.»

Jedes Jagdrevier meldet der Polizei dazu zwei Jäger, die kontaktiert werden, etwa wenn es ein verletztes Tier nach einem Unfall zu suchen gilt. «Im Normalfall sind diese Jäger rasch vor Ort», so der Wildhüter. Im geschilderten Fall sei dies leider etwas unglücklich gelaufen. «In Ausnahmefällen kann es natürlich einmal etwas länger dauern, was zum Glück selten vorkommt. Einen eigentlichen Pikettdienst mit ständiger Bereitschaft der Jäger gibt es nicht.» Erreicht die Polizei beide Jäger nicht, benachrichtigt sie den Wildhüter. Sind geschützte Tiere wie etwa ein Luchs, betroffen oder befindet sich die Unfallstelle auf der Autobahn, ist ebenfalls Silvan Eugster zuständig.

Lieber warten, statt verletzte Tiere aufscheuchen

Für die kantonale Notrufzentrale ist es manchmal schwierig, einen Unfall ganz genau einem Jagdrevier zuzuordnen, insbesondere wenn der Anrufer nicht ortskundig ist. Deshalb dürfen Jäger in solchen Situationen auch etwas ausserhalb ihres Reviers schiessen, um das Leiden des Tieres zu verkürzen.

Doch wieso kann nicht die Polizei leidende Tiere erschiessen? Wie Wildhüter Silvan Eugster sagt, machen das Polizisten je nach Situation. Sie lernen dies während ihrer Ausbildung in einem Kurs. Eugster gibt aber zu bedenken, dass die Pistolen, welche Polizisten auf sich tragen, für diesen Zweck eher ungeeignet sind. Mit der Pistole müsse man sich dem verletzten Tier auf wenige Meter nähern, um sicher zu treffen. Dadurch scheuche man das Tier möglicherweise auf und treibe es erneut zur Flucht, bis es nicht mehr kann.

«In solchen Situationen ist es deshalb besser, auf einen Jäger zu warten.»

Jäger sind mit Langgewehren ausgerüstet, mit denen man, wenn nötig, auch aus 20 bis 50 Metern Entfernung schiessen kann. Zudem verwenden sie als Munition sogenannte Teilmantelgeschosse, welche die Tiere schneller töten. Zudem wissen sie durch die Jagdausbildung genau, worauf zu achten ist.

Noch besser wäre es, wenn solche Unfälle zwischen Fahrzeugen und Wildtieren möglichst vermieden werden könnten. Die Wildhut traf deshalb in Zusammenarbeit mit der Polizei weitere Massnahmen.

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