Epochale Klänge machen die Klassik-Faszination aus

Das Orchester Liechtenstein-Werdenberg (OLW) lud zum traditionellen Herbstkonzert. Bis auf ein paar wenige Sitze war der Vaduzer Saal komplett gefüllt.

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Das OLW stellte unter Beweis, dass die Faszination Klassik längst im Mainstream angekommen ist. (Bild: Daniel Gassner)

Das OLW stellte unter Beweis, dass die Faszination Klassik längst im Mainstream angekommen ist. (Bild: Daniel Gassner)

Das Konzert des Orchesters Liechtenstein-Werdenberg am Sonntagmorgen muss einen Vergleich mit der internationalen Spitzenklasse nicht scheuen. 1977 wurde es gegründet und Präsident Peter Möller war es eine grosse Ehre, mit stolzgeschwellter Brust am Konzert in Vaduz Gründungs- wie auch langjährige Aktivmitglieder des OLW zu begrüssen. Eine solche Langlebigkeit eines Laienorchesters sei nicht selbstverständlich und deshalb seien sie mehr als dankbar, dass doch immer wieder Menschen aus der Region an ihre Konzerte kämen.

Ein Hauch Hollywood in Vaduz

Längst ist klassische Musik kein Nischenprodukt für Intellektuelle mehr, sondern im Mainstream angekommen. Ohne die Klänge eines Orchesters wären ein Kinofilm oder eine Serie nur ein loses Aneinanderreihen von Bildern. Durch diesen Umstand erinnern die epochalen Klänge des OLW in ihrer Intensität oftmals an Blockbuster aus der Traumfabrik in Los Angeles. Während der musikalische Leiter Stefan Susana mit einem Streicher-Stück von Jean Sibelius die Ohren der Zuhörer erstmals einstimmt und sensibilisiert, fällt auf, dass im Publikum relativ wenige Jugendliche sitzen.

Vielleicht liegt es an dem frühen Zeitpunkt des Konzerts oder an anderen Gründen. Doch die wenigen Jugendlichen, die da waren, bekamen einiges geboten. Die folgenden Stücke aus dem Köcher von Édouard Lalo sind überraschend in vieler Hinsicht, da sie sich von minimalistischen Passagen in wenigen Augenblicken zu grossen, lauten Ausbrüchen wandeln. Die Cellostücke bespielen so in wenigen Minuten verschiedene Gefühlsebenen zwischen melancholischer Traurigkeit und verspielter Lebensfreude, was bei der Zuschauerschar einiges an Emotionen auslöst und zu grossen Liebesbekundungen mit frenetischem Applaus verleitet. Im Mittelpunkt dabei stand ein lokaler Musiker, der an diesem Herbstkonzert seine Anhängerschaft sicher um einige neue Personen erweitern konnte: Moritz Huemer.

Der neue lokale Klassik-Stern

Nach dem kurzen Intro betrat der Liechtensteiner mit seinem Violoncello das Rampenlicht und der 19-Jährige bewies dabei, dass doch noch nicht alle Jugendlichen der klassischen Musik abgeschworen haben. Seine unglaubliche Virtuosität brachte viele Zuschauerinnen und Zuschauer zum Staunen und hinterliess bei den Anwesenden auch etwas Stolz. Denn wenn ein Einheimischer auszieht, um ein grosser Meister seines Fachs zu werden, schwebt immer ein wenig Lokalpatriotismus mit. Sein virtuoses Handwerk darf dabei auch gebührend gefeiert werden, denn es war sehr eindrücklich, wie er über sein Violoncello flitzte und die schwierigen Stücke des französischen Komponisten Édouard Lalo wie ein Kinderspiel wirken liess.

Das Publikum spürte, das ihm sein Können nicht in den Kopf gestiegen ist und er aus Leidenschaft und mit viel Herzblut für die Sache über die Saiten strich. Er schaffte so ein Kunststück, das zum Teil nicht einmal grossen Musikstars gelingt: Das Transportieren von seinen Emotionen über sein Violoncello, direkt in die Herzen der Zuschauer.

Die nächste emotionale Reise des OLW findet kurz vor Ende Jahr im Gemeindesaal Triesen statt. Auch 2019 wird sich das Orchester Liechtenstein-Werdenberg für die Faszination Klassik einsetzen und auch Jugendliche dafür begeistern. (ci)