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Eiskunstläuferin Carla Scherrer aus Trübbach hat keine Angst vor Glatteis

Mit 13 Jahren ist die Wartauer Eiskunstläuferin Carla Scherrer auf dem Weg nach oben. Sie hofft auf einen Start bei der Schweizer Meisterschaft.
Daniela Huijser
Die 13-jährige Carla Scherrer trainiert beim Eislaufclub Wil. (Bild: Lisa Jenny)

Die 13-jährige Carla Scherrer trainiert beim Eislaufclub Wil. (Bild: Lisa Jenny)

Ein Sprung, ein paar lange, gleitende Schritte, dann eine erste Pirouette, immer schneller werdend. Zuerst stehend, dann in der Hocke wirbelt die junge Eiskunstläuferin auf der Stelle. Steht wieder gerade, fasst ihren Fuss und zieht ihn entlang ihres grazilen Körpers über den Kopf. Steht ganz still. Strahlt übers ganze Gesicht. Gleitet elegant, aber schwer atmend an den Rand des Eisfelds, wo ihre Mutter ebenso freudig zurückstrahlt.

Carla Scherrer ist ehrgeizig, aber nicht verbissen. (Bild: Lisa Jenny)

Carla Scherrer ist ehrgeizig, aber nicht verbissen. (Bild: Lisa Jenny)

Was Carla Scherrer aus Trübbach da eben gezeigt hat, ist eine ihrer beiden Kür-/Kurzprogramm-Choreografien. Zweieinhalb Minuten dauert das Kurzprogramm und verlangt von der 13-Jährigen einiges ab. Die Schritte, Sprünge und Pirouetten zeigen aber, welches Talent in der jungen Eisläuferin steckt. Ein Talent, das eine Trainerin schon vor vier Jahren erkannt hatte. Damals hatte Carla aber noch keine Lust, ihren Lieblingssport intensiver zu betreiben. Es machte ihr einfach Spass, übers Eis zu tanzen.

Zu Hause auf dem Eis

Bereits vor dem Kindergarten fühlte sich Carla vom weissen Eis magisch angezogen. An ihre Anfänge erinnert sie sich zwar nur vage, erzählt von warmen Skihosen, einem Helm und kleinen Schritten, die sie auf der spiegelglatten Fläche versuchte. «Aber ich weiss noch, dass ich mich sofort wohlgefühlt habe. Mit der Zeit verbrachte ich viele freie Nachmittage mit Eislaufen», erzählt sie. Während des Erzählens hüpft Carla und bewegt ihre Arme, um in der kalten Wiler Bergholz-Eishalle, wo sie trainiert, warm zu bleiben. Als Carla neun Jahre alt war, wurde sie Mitglied im Schlittschuhclub Widnau und belegte Kurse in Feldkirch. «Mein Mami und mein Grossmami fanden mich gut und sie meinten, ich solle mehr trainieren.»

Trotz der schwierigen Übung strahlt die Athletin. (Bild: Lisa Jenny)

Trotz der schwierigen Übung strahlt die Athletin. (Bild: Lisa Jenny)

Carla war einverstanden, behielt allerdings ihr anderes Hobby, das Ballett, weiterhin bei. Und dann folgte ein besonderer Sommer: Die junge Trübbacherin lernte im Sommercamp in Flims Daniel Fürer kennen. Zum Cheftrainer des Eislaufclubs Wil fasste sie rasch Vertrauen; damals begann sie, gezielter zu trainieren. Auch in den folgenden Jahren besuchte das sportliche Mädchen jeweils das Sommercamp. «Die Stimmung dort ist toll. Es hat viele Teilnehmer aus aller Welt, da kann ich auch ein wenig Englisch üben», sagt sie begeistert.

Ehrgeizig und unbeschwert

2018 schliesslich wurde Carla Mitglied des Eislaufclubs (ELC) Wil. Und stürzte sich mit Begeisterung und Ausdauer in die neue Herausforderung. Mittlerweile hatte sie alle vier Sterneklassen gemeistert, den Interbronze/Bronze- und den sehr anspruchsvollen Intersilber-Test absolviert. Carla ist ehrgeizig, aber von Verbissenheit keine Spur. Sie wirkt sehr fröhlich und unbeschwert, wie sie so vom Eislaufen erzählt. Von ihren Vorbildern Denise Biellmann und Oscar Peter, die ihr die Schlittschuhe signierten. Der ehemalige Schweizer Meister Oscar Peter hatte während des Sommercamps sogar ein Programm mit Carla einstudiert.

Carla erzählt aber auch, wie stolz sie ist, nun schon einige Doppelsprünge zu beherrschen. «Ich bin mutig und probiere gerne etwas Neues aus. Es macht mir gar nichts aus, viermal oder mehr pro Woche ins Training zu fahren, auch wenn mir manchmal die Zeit für Hausaufgaben etwas fehlt», sagt sie und grinst. Carla besucht die siebte Klasse der Waldorf-Schule in Schaan und bezeichnet sich als «gute Schülerin». «Mathe liegt mir weniger, besonders gut gefallen mir Handarbeit und Geografie.»

Carla Scherrer ist praktisch auf dem Eis zu Hause. (Bild: Lisa Jenny)

Carla Scherrer ist praktisch auf dem Eis zu Hause. (Bild: Lisa Jenny)

Mama Rebekka Scherrer hat viel Verständnis für den Sport ihrer beiden Töchter. Denn auch Carlas zwei Jahre ältere Schwester Lina liebt das Eislaufen. Sie ist derzeit auf dem Niveau Stern 4. «Die Mädchen sind aber keine Konkurrentinnen. Lina gönnt ihrer Schwester den Erfolg», sagt Rebekka Scherrer. Und erfolgreich ist Carla: 2018 gehörte sie in ihrer Stärkeklasse zu den vier besten Läuferinnen der Ostschweiz.
In den kommenden Monaten setzt sie alles daran, um sich für die Schweizer Meisterschaft im Januar zu qualifizieren.

Am vergangenen Wochenende nahm sie am ersten Cup teil, der für die Qualifikation zählt; in Bellinzona wurde sie zwar Letzte, verbesserte aber ihre persönliche Bestleistung. «Insgesamt werden es vier, vielleicht fünf Cups sein, an denen sie ihre Kür und ihr Kurzprogramm zeigen muss. Und egal, wie sie schlussendlich abschneidet – sie kann gute Erfahrungen machen», sagt die stolze Mutter, die für ihre Mädchen viel investiert. Einerseits Zeit: Jede Woche fährt sie die Töchter viermal von Trübbach nach St. Gallen, Wil oder Uzwil ins Training, verbringt, in einen langen Mantel gehüllt, Zeit in den kalten Eishallen und beobachtet die Fortschritte der Eisläuferinnen. Investieren muss Rebekka Scherrer aber auch Geld. «Ich arbeite als Reinigungsfrau und als Kosmetikerin. Aber zum Glück gibt es auch Sponsoren innerhalb unserer Familie, die an den Erfolg von Carla glauben.»

Viermal in der Woche trainiert Carla Scherrer mit ihrem Trainer in Wil. (Bild: Lisa Jenny)

Viermal in der Woche trainiert Carla Scherrer mit ihrem Trainer in Wil. (Bild: Lisa Jenny)

Keine Kalorien zählen

Das Training im Bergholz ist zu Ende, Carla macht noch ein paar Dehnübungen. «Die mache ich manchmal auch, wenn ich abends nicht einschlafen kann», sagt sie lachend. Lachend antwortet sie auch auf die Frage nach ihrer Ernährung: «Ich esse alles und ich liebe Süsses, vor allem Kuchen!» Sie kann am Eislaufen gar nichts Nachteiliges finden, auch das Konditionstraining und die Übungen zur Kräftigung ihrer Fussgelenke absolviert sie pflichtbewusst. Und von Verletzungen blieb Carla bisher verschont. «Aber blaue Flecken hatte ich schon viele», sagt die zierliche Sportlerin und streicht über den Oberschenkel, auf den sie während des Trainings gerade gefallen ist. Was alleine schon beim Zuschauen schmerzte, bremste Carlas Lauf aber nur
einen kurzen Moment. Gleich danach stand sie wieder auf, holte Anlauf und sprang einen einwandfreien Doppelrittberger. Mutig und selbstbewusst.

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