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Das einstige Gasthaus zur Glocke, gut sichtbar ist der Dachreiter mit dem Glöcklein. (Bilder: Archiv Hansruedi Rohrer)

Das einstige Gasthaus zur Glocke, gut sichtbar ist der Dachreiter mit dem Glöcklein. (Bilder: Archiv Hansruedi Rohrer)

Einst war es die «Untere Mühle»

Im ehemaligen Restaurant Glocke, das nun einer Wohnüberbauung weichen muss, war einmal ein Müllereibetrieb ohne Gaststätte eingerichtet. Erst viel später wurde die Glockenmühle zum Gasthaus umfunktioniert.
Hansruedi Rohrer

Die Geschichte der Unteren Mühle und damit auch des Gasthauses Glocke am Fuss der Grabserbergstrasse hat der Grabser Ortsarchivar Mathäus Lippuner akribisch genau dokumentiert und festgehalten. Die folgenden Angaben sind daraus entnommen.

In Grabs sind, nebst der Mühle Werdenberg (im Restaurant Rössli) seit alten Zeiten zwei Mühlen schriftlich belegt. Es sind die «Obere», die Mühle im Wispel (heutige Stricker-Mühle), und die «Untere», die Mühle zur Glocke. Gegenüber der Glockenmühle, die einst kein Restaurant war, stand aber das Gasthaus zur Weinburg.

Im Tirol eine «geeignete» Frau gefunden

Burkhard Vetsch besass um das Jahr 1650 diese «Weinburg». Er war Wirt und Rebbauer sowie Eigentümer eines Wingerts am Südhang ennet dem Bach gegenüber der Unteren Mühle. Nach dem sogenannten Tavernenrecht durfte er in der Grafschaft Werdenberg Wein ausschenken. Burkhard Vetsch hatte drei Kinder. Einer der Söhne, mit Vorname Burkhard wie sein Vater, übernahm später die «Weinburg», den Wingert und den Weinhandel, und er erwarb auch die Untere Mühle von dessen Besitzer Hans Stricker. Wohl auf einer seiner Geschäftsreisen fand Burkhard Vetsch jun. im Tirol eine «für ihn geeignete» Frau, die er nach Grabs mitbrachte und heiratete. Sie sei im Tirol auf einem Weingut aufgewachsen und recht wohlhabend gewesen, erzählt die Chronik.

Das 1694 gegossene Glöcklein mit Teil der Inschrift. Bild: Hansruedi Rohrer

Das 1694 gegossene Glöcklein mit Teil der Inschrift. Bild: Hansruedi Rohrer

Die Heirat mit einer Fremden wurde im Werdenberg durch die Obrigkeit (Landvogt) jedoch nur bewilligt, wenn sie eine Barschaft von mindestens 200 Gulden vorweisen konnte und auch der «Kilchgemeinde» (Grabs) 30 Gulden Heiratsgeld zu bezahlen im Stande war. Das war für die Tirolerin aber kein Problem. Es wurde Hochzeit gefeiert, und als Geschenk – oder um allenfalls ihr Heimweh nach dem Tirol etwas erträglicher zu machen – liess Burkhard Vetsch für seine Braut beim damals bekannten Glockengiesser Andreas Apporta in Feldkirch eine kleine Glocke herstellen. Diese trägt die Inschrift: «Herr Burcartus Fitsch und Barbara Meierin. – Andreas Apporta von Veltkirch goss mich 1694.» «Vetsch» wurde früher unterschiedlich geschrieben, auch mit «i» statt «e».

Ein Dachreiter als Zierde und Exklusivität

Der Ehemann liess auch einen Dachreiter erstellen. Vermutlich brachte er die Idee aus dem Tirol mit, denn in unserer Gegend waren diese nicht üblich. Mit dieser kleinen Glocke und ihrem hellen Ton rief man auch die im gegenüberliegenden Wingert tätigen Arbeiter zum Mittag und zum Feierabend. Das Glockentürmchen war eine Zierde und für unsere Gegend eine Exklusivität.

Postkarte aus dem Jahr 1906 aus Grabs, in der Mitte das Gasthaus zur Glocke.

Postkarte aus dem Jahr 1906 aus Grabs, in der Mitte das Gasthaus zur Glocke.

Wann genau die Untere Mühle zur Wirtschaft Glocke umfunktioniert wurde, ist nicht bekannt. Lange Zeit gehörte eine Bäckerei zur Mühle. Auch nicht klar ersichtlich ist, wie lange die «Weinburg» als solche existierte. Letztmals schriftlich erwähnt ist sie bei einem Bodenverkauf im Jahre 1835, respektive als Abschrift 1850 mit Johann Eggenberger als Eigentümer. Laut mündlicher, nicht gesicherter, Überlieferung soll das Gasthaus zur Weinburg einem Brand zum Opfer gefallen sein.

So sieht das Gebäude des Gasthauses Glocke heute aus. (Bild: Thomas Schwizer)

So sieht das Gebäude des Gasthauses Glocke heute aus. (Bild: Thomas Schwizer)

Die heutige Glocken-Brücke existiert erst seit 1897/98. Damals begann dort der Bau der Grabserbergstrasse. Seit Jahrhunderten wohl führte vorher weiter abwärts, bei der «Spannen», eine Brücke über den Dorfbach, wo die Wingertgasse zu den weit verzweigten Wegen am Grabseberg führte. Die kurze Zufahrt zur «Glocke» zweigte vom Chohlplatz ab und führte nicht weiter.

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