Einigkeit beim Thema Campus Wattwil

Ein Neubau der Kanti am Standort Wattwil sowie die Erweiterung des Berufs- und Weiterbildungszentrums macht Sinn und ermöglicht die Nutzung von Synergien. Darüber sind sich die befragten Kantonsräte aus dem W&O-Gebiet einig.

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Die Kantonsschule Wattwil soll mit einem Neubau ersetzt werden. (Bild: Ruben Schönenberger, 18. Januar 2019)

Die Kantonsschule Wattwil soll mit einem Neubau ersetzt werden. (Bild: Ruben Schönenberger, 18. Januar 2019)

(wo) Der Kantonsrat hat am Dienstag die Kantonsratsbeschlüsse über die Erstellung des Campus Wattwil (Ersatzneubau Kantonsschule Wattwil sowie Erneuerung und Erweiterung Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg) beraten. Dabei erwuchs aus Teilen des Parlaments Kritik am Ersatzneubau Kantonsschule Wattwil, insbesondere aus dem Linthgebiet.

Der W&O hat vier Kantonsratsmitglieder aus der Region gefragt: Haben Sie dem Kantonsratsbeschluss über die Erstellung des Campus Wattwil zugestimmt? Wie beurteilen Sie die Forderung aus dem Linthgebiet nach einer eigenen Kantonsschule?

Sascha Schmid: «Ein Vorbild für Bildungsbauten»

Sascha Schmid (SVP, Grabs).

Sascha Schmid (SVP, Grabs).

Ich habe der Vorlage über die Erstellung des Campus Wattwil zugestimmt. Beim Campus Wattwil handelt es sich um ein neuartiges Schulkonzept, bei dem erstmals zwei Schulen der Sekundarstufe II – die Kantonsschule Wattwil und das Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg – auf einem Campus betrieben werden. Dadurch können während der Bau- bzw. Sanierungsphase, aber vor allem während des Schulbetriebs Synergien genutzt werden. Die Synergien im Betrieb entstehen etwa bei der Raumnutzung, aber auch bezüglich Mensa, Verwaltung und Sportinfrastruktur. Der Standort Wattwil liegt zentral im Einzugsgebiet Linthgebiet-Toggenburg und ist für alle Schülerinnen und Schüler innert nützlicher Zeit erreichbar. Es gibt daher keinen Grund, das vorgelegte Projekt zu entwurzeln und auf zwei Standorte aufzuteilen. Der Campus Wattwil kann als Vorbild für künftige Schulbauten gesehen werden.

Thomas Toldo: «Ja zum Campus Wattwil»

Thomas Toldo (FDP, Sevelen). (Bilder: Regina Kühne)

Thomas Toldo (FDP, Sevelen). (Bilder: Regina Kühne)

Der koordinierten Erneuerung und Erweiterung des Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg zusammen mit der Kantonsschule Wattwil kann ich zustimmen. Dieses Projekt ist nötig und erzielt schon während der verschiedenen Bauphasen, aber insbesondere in der späteren Nutzung wertvolle Synergien. So können zum Beispiel Aula, Mensa, Küche und Sportinfrastrukturanlagen gemeinsam genutzt werden. Die Tatsache, dass rund 70 Prozent der Kantonsschüler aus der Linth Region stammen, lässt den Standort Wattwil berechtigterweise hinterfragen. Die Weichen der Standortfrage wurden aber schon in früheren Jahren zu Gunsten des Toggenburg gestellt. Auch heute gilt es dem Ringkanton, Rechnung zu tragen. Dass kantonale Infrastrukturbauten und die daraus entstehende Wertschöpfung für die Region nicht nur in den Zentren von St. Gallen, Wil oder Rapperswil bestehen sollen, betrifft auch das Werdenberg und ist im Parlament grossmehrheitlich akzeptiert.

Josef Gähwiler: «Nutzung von Synergien ist sinnvoll»

Josef Gähwiler (SP, Buchs).

Josef Gähwiler (SP, Buchs).

Es ist unbestritten, dass sowohl die Kantonsschule Wattwil als auch das Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg in die Jahre gekommen sind und nicht mehr den Anforderungen entsprechen. Es geht dabei nicht allein um die schulischen Bedürfnisse, sondern auch um Fragen der baulichen Sicherheit. Dass Massnahmen notwendig sind, liegt daher auf der Hand. Eine Zusammenlegung zu einem Campus zur Nutzung von Synergien ist in diesem Fall sinnvoll. Ich unterstütze darum die Vorlage. Eine Verlegung des Standortes ins Linthgebiet macht meines Erachtens hingegen wenig Sinn. Allein aus verkehrstechnischen Gründen ist Wattwil der geeignete Standort: Das weitverzweigte Einzugsgebiet vom oberen Toggenburg ins Linthgebiet und in Richtung Degersheim verlangt nach einem zentralen Schulstandort. Und, um aus eigener Erfahrung zu sprechen: Einzelne Lernende dürften froh sein über den längeren Schulweg mit der Bahn – so können die Hausaufgaben noch abgeschrieben werden.

Mirco Gerig: «Vorlage ist sehr ausgewogen»

Mirco Gerig (SVP, Alt St. Johann).

Mirco Gerig (SVP, Alt St. Johann).

Das Projekt «Campus Wattwil» ist ein Novum im Kanton St. Gallen, da erstmals Teile der Infrastruktur wie Aula, Mensa, Küche und Sportanlagen für zwei eigenständige Schulen gemeinsam genutzt werden. Ich bin für die Vorlage, die sehr ausgewogen ist. Die alte «Kanti» ist nicht mit vernünftigem Ressourceneinsatz sanierbar. Glücklicherweise wird statt einer Sanierung entsprechend ein Neubau vis-à-vis des Berufs- und Weiterbildungszentrums Toggenburg in Wattwil erstellt. Zusätzlich wird das BWZT saniert und erweitert. Die Kanti ist in Wattwil geografisch ideal im Zentrum des Einzugsgebiets Toggenburg-Linthgebiet gelegen. Eine Aufteilung der Kanti auf zwei Standorte wäre eine klare Schwächung der Schule. Nur mit einer gewissen Schülerzahl an einem Standort können alle Fächer angeboten werden. Die Kanti Wattwil besitzt einen hervorragenden Ruf, insbesondere in den Bereichen Mathematik und Musik. Diese hohe Qualität und auch das umfassende Angebot der gymnasialen Ausbildung wird mit der Erstellung des Campus Wattwil gestärkt.