Eine Zeitung mit lokaler Stärke auf dem Weg in die Zukunft

Die Historisch-Heimatkundliche Vereinigung der Region Werdenberg lud zum Vortrag «150 Jahre W&O» ein. Heini Schwendener blickte auf die Gründungs- und jüngere Geschichte der Lokalzeitung zurück und in die nähere Zukunft voraus.

Hansruedi Rohrer
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Heini Schwendener vermittelte in seinem Vortrag Geschichten und Fakten zur Lokalzeitung W&O und brachte einige Exemplare verschiedener Jahrgänge mit.

Heini Schwendener vermittelte in seinem Vortrag Geschichten und Fakten zur Lokalzeitung W&O und brachte einige Exemplare verschiedener Jahrgänge mit.

Bild: Hansruedi Rohrer

Es waren wenige Personen, welche HHVW-Präsidentin Susanne Keller am Dienstagabend im ausgelagerten Fulfirst-Saal des Hotels Buchserhof begrüssen konnte.

Der kleine Kreis hörte sich mit grossem Interesse den Vortrag von Heini Schwendener, stellvertretender Chefredaktor des «Werdenberger & Obertoggenburger», über den Werdegang, den Ist-Zustand und die Zukunft dieser Lokalzeitung mit an.

«Es ist die Geschichte eines liberalen Gesinnungsblattes bis zur heutigen modernen, lokalen Tageszeitung in der veränderten Medienlandschaft», sagte Susanne Keller. Heute seien wir an einem Wendepunkt in dieser regionalen Medienlandschaft angekommen.

Vom freisinnigen Blatt zur Forumszeitung

Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts habe man in der Region Zeitungen lesen können. Jedoch keine eigene, erwähnte Heini Schwendener zu Beginn seiner Ausführungen. Die «eigene, lokale Mediengeschichte» begann dann im Jahre 1869 mit dem Zeitungsgründer Jakob Kuhn, der den ersten «Werdenberger, allgemeiner Anzeiger» herausbrachte. 1882 wurde daraus der «Werdenberger & Obertoggenburger».

Dieser W&O habe von Anfang an die Linie des Freisinns vertreten, sagte der Referent. Das Blatt habe sich aber in seiner langen Geschichte schliesslich allen politisch-gesellschaftlichen Strömungen als Forum geöffnet und sei zum Sprachrohr der Region geworden, und zwar gegen innen wie gegen aussen.

Verschiedene Partnerschaften eingegangen

Heini Schwendener erinnerte in seinem bebilderten Rückblick auch an Ereignisse und Partnerschaften, die den W&O stärkten und stärken. Zum Beispiel mehr Farbe im Blatt, die Gründung der Partner Druck AG 1981 mit dem «Liechtensteiner Vaterland», die Gründung des Lokalsenders «Radio Gonzen» 1986 oder die Eröffnung des Zeitungsdruckzentrums in Haag 1993.

Und als Fakt zur neueren Geschichte: 2018 erfolgte der operative Start der CH Media als Joint Venture von AZ Medien und NZZ Regionalmedien. Der W&O ist somit ein Teil von CH Media, diese liefert der Lokalzeitung auch den Mantelteil. Damit wäre ein weiterer wichtiger Zukunftsschritt getan.

Medienbranche steckt in einer grossen Krise

Doch auch dem W&O brechen die Werbeeinnahmen weg, und die alten, treuen Leser sterben irgendwann. «Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten und hat finanzielle Auswirkungen auch auf den W&O», erklärte der Referent. Die Medienbranche stehe heute generell in ihrer grössten Krise.

Die Abwanderung der Werbung und der Leserschaft in elektronische Medien ist der wunde Punkt. Man befinde sich in einem grossen Dilemma. Sparen sei das aktuelle Wort. Verschiedene Digitalmarken im Verbund der CH Media würden zwar auf Geldfluss hoffen lassen, und in den Coronazeiten hätten die gedruckten Zeitungen wieder vermehrt Beachtung erhalten. Doch das genüge nicht für die Zukunft.

Weiterhin eine eigene Zeitung produzieren

«Der W&O produziert aber immer noch einen sehr eigenständigen Lokalteil, was mit ein Verdienst des Chefredaktors Thomas Schwizer ist, der sich sehr stark für den Sonderfall W&O innerhalb des Zeitungsverbundes einsetzt», erklärte Schwendener weiter. Der erste Zeitungsbund ist also weiterhin mit lokalem und regionalem Stoff gefüllt.

150 Jahre lang habe der W&O die wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftspolitischen Herausforderungen und Veränderungen gemeistert. Gelingt dies auch in Zukunft? Diese Zukunft gehöre den Online-Produkten, so das Credo der CH Media AG. In diese Kanäle aber müsse zuerst investiert werden.

Lokaler Qualitätsjournalismus auch in Zukunft erwünscht

In der Diskussion im Anschluss an den aufschlussreichen und interessanten Vortrag waren sich die Anwesenden einig, dass der lokale Qualitätsjournalismus auch in Zukunft durchaus seine Berechtigung haben werde und auch erwünscht sei – in welcher Form auch immer.

Die Lokalzeitung als Printmedium könnte überleben mit guten Geschichten, die auch für Junge interessant sein müssten. Vielleicht könnte das Blatt nur noch dreimal in der Woche erscheinen, mit billigerem Abo-Preis, jedoch mit rein lokalem Inhalt.