Christen nähern sich an Gemeindegrenze Gams-Grabs an

Mit einem ökumenischen Gottesdienst erlebten die Gamser und Grabser Kirchgänger einen aufmunternden Bettag und erfuhren dabei interessante Geschichten von und über Katholiken und Protestanten.

Heidy Beyeler
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Dass die beiden Protagonisten – Pfarrer John Bachmann, Grabs, und Diakon Patrick Schläpfer, Gams – nahe an den Menschen sind, haben die beiden mit ihrem Gottesdienst in Gedenken an die Reformation sehr schön gezeigt. Auch wenn die Geschichte beziehungsweise die Zeit der Reformation alles andere als schön gewesen sein muss, haben die beiden Seelsorger es verstanden, die Herzen der Anwesenden zu öffnen.

Früher gab es heikle Situationen

Und so haben sie auch eine Annäherung der beiden Glaubensrichtungen (Protestanten und Katholiken) bei den Gamsern und Grabsern an der «Simmi», ganz nahe an den Gemeindegrenzen, proklamiert. Nicht zuletzt, weil die beiden Christen zeigten, dass der Kampf zwischen den beiden Fronten des Christentums vor 500 Jahren unter den beiden Lagern tobte. Dennoch wissen die Leute – hüben und drüben der «Simmi» –, dass die Akzeptanz gegenseitig während langer Zeit wenig bis keinen Platz hatte.

Die Atmosphäre, die seinerzeit auch in unserer Region herrschte und da und dort zu heiklen Situationen auf beiden Seiten führten, zeigte Pfarrer John Bachmann auf humorvolle Art. Er wühlte wohl ein bisschen in der Geschichtskiste und stiess dabei auf einen Grabser Fall, der vor mehr als 470 Jahren schier zu einer nationalen Krise führte, weil damals der Grabser Pfarrer gegen die Jungfrau Maria lästerte.

Beinahe ein Bürgerkrieg

Beinahe einen Krieg soll es gegeben haben, weil vier Walserfamilien aus Palfries 1648 wieder zum alten Glauben zurückkehren wollten. Die Zürcher hätten bereits Kriegsvorbereitung getroffen und eine Besatzung nach Rapperswil gesandt. «Die vier Familien haben ihren Antrag zurückgezogen», berichtete Bachmann. Man müsse sich vorstellen, dass seinerzeit vier Familien beinahe einen Bürgerkrieg ausgelöst hätten.

Die gemeinsame Predigt, deren Auftakt Diakon Patrick Schläpfer übernahm, beinhaltete das Thema Gemeinsamkeit. Mit einer Botschaft aus der Bibel – aus dem Alten und dem Neuen Testament. «Eine Botschaft, die uns als Kirchen gemeinsam ist», sagte der Diakon und fügte bei, «es ist die Verbreitung dieser Botschaft, die uns als Kirchen aufgetragen ist.» Worauf der Grabser Pfarrer das Wort an den Diakon wandte und sagte: «Da könnte ich jetzt gar nichts dagegen sagen. Es freut mich, dass du sagst, es sei uns als Kirchen gemeinsam aufgetragen, die Botschaft der Bibel zu verbreiten.»

Harmonie zwischen den beiden Kirchendienern

Eines wurde an diesem Sonntagmorgen im Zelt – nahe der Grenze zwischen Gams und Grabs – deutlich: Es herrschte Harmonie zwischen den beiden Kirchendienern. Sie plädieren für Toleranz unter den Christen – egal welcher christlichen Ausrichtung. Zitat von Diakon Patrick Schläpfer: «Versöhnte Verschiedenheit bedeutet nicht, dass wir uns erklären müssen. Vielmehr heisst dies, dass wir alle Möglichkeiten der Gemeinsamkeit ausschöpfen – mit allen Menschen, die christlich getauft sind.»

Die Geschichte der Reformation, die gemeinsame Predigt der beiden Kirchenmänner, die fröhlichen Beiträge des Gospelchors Gams und natürlich das von den Kirchgemeinden offerierte Mittagessen unter freiem Himmel bei Sonnenschein hat der unerwartet grossen Anzahl von Kirchengänger auf «neutralem Boden» im Zelt gutgetan. «Viele haben damit Kraft schöpfen können», meinte eine eher seltene Kirchgängerin.